Warum Gold ein sicherer Hafen bleiben wird

Die Suche nach Sicherheit treibt Anleger ins Gold. Nur: Der Goldpreis ist starken Schwankungen ausgesetzt – mit denen man leben muss.

An den Märkten werden derzeit viele Unsicherheitsfaktoren unterschätzt. Auch deshalb ist die Hausse beim Gold noch nicht zu Ende. Foto: Keystone

Ich kaufte vor acht Jahren Anteile am UBS ETF (CH) Gold hedged. Mein Buchverlust beträgt rund 21 Prozent. Beim Kauf betrug der Unzenpreis 1694 Dollar, und der Dollar war tiefer. Die UBS teilt mir mit, dass die Differenz von circa 11 Prozent auf Hedging-Kosten zurückzuführen ist. Ist das Ihrer Ansicht nach korrekt? Und würden Sie an diesem Investment festhalten? O.K.

Ich verstehe Ihren Frust: Man kauft Gold, weil man für sein Kapital Sicherheit sucht, und dann sitzt man nach einigen Jahren trotzdem auf beträchtlichen Buchverlusten.

Der Goldpreis hat sich in den letzten Monaten immerhin kräftig erholt. Die zahlreichen Unsicherheitsfaktoren, mit denen die Finanzmärkte konfrontiert sind, sorgen für eine Flucht in Sicherheit und lassen die Goldnotierungen steigen. Der Unzenpreis hat allein in diesem Jahr rund 7 Prozent vorwärtsgemacht. Der Kilopreis ist sogar deutlich über 51’000 Franken geklettert.

Momentan erleben wir an den Märkten zwei unterschiedliche Strömungen: Einerseits nehmen viele Investoren die möglichen Konsequenzen der chinesischen Lungenkrankheit mit dem Coronavirus erstaunlich locker, und die Indizes sind von einem Rekord zum nächsten geeilt. Selbst die Umsatzwarnung des Techriesen Apple und von anderen Börsenfirmen wie ABB, Schindler, Straumann oder Sulzer wegen negativer Corona-Einflüsse aufs Geschäft hat die Anleger nur kurz irritiert.

Auf der anderen Seite trauen der Rekordstimmung viele nicht mehr, und die Investoren suchen vermehrt sichere Häfen wie das Gold oder den Schweizer Franken. Der Euro kostet denn auch nur noch wenig mehr als 1.06.

Das Coronavirus ist nur ein Unsicherheitsfaktor von vielen. Risiken für die Märkte beinhalten auch die konjunkturelle Wachstumsverlangsamung, der als Ganzes noch nicht gelöste internationale Handelsstreit, die weltweit steigenden Schuldenberge und etliche geopolitische Gefahren.

Vor diesem Hintergrund ist der Kursanstieg beim Gold nicht erstaunlich. Zwar hat das Gold den ursprünglichen Einstandspreis auf der Basis Ihres Fondskaufs vor acht Jahren noch nicht erreicht. Doch selbst wenn das Gold das damalige Niveau erreicht, werden Sie Ihre Buchverluste noch nicht ganz ausgeglichen haben.

Es ist es in der Tat so, dass die Absicherungskosten in Ihrer Bilanz negative Spuren hinterlassen. Wenn man ein Fondsvehikel kauft, das eine Absicherung enthält, sollte man sich immer bewusst sein, dass es diese nicht gratis gibt.

Das Problem in Ihrem Fall sehe ich darin, dass der negative Einfluss der Absicherungskosten wegen des Zinseszinseffekts auf lange Zeit immer mehr spürbar wird. Kosten schmälern immer die Rendite. Je höher diese pro Jahr sind, desto mehr fehlt auf viele Jahre hinweg unter dem Strich bei der Gesamtrendite nach Gebühren.

Das von Ihnen gewählte Produkt UBS ETF (CH) Gold hedged ist an den «London Bullion Market Association (LBMA) Gold Price CHF hedged»-Index gekoppelt und mit einer Gesamtkostenkennziffer (Total Expense Ratio) von 0,23 Prozent günstig.

Ich würde persönlich aber kein Instrument mit einer Währungsabsicherung nutzen, da dies die Rendite schmälert. Dafür tragen Sie dann aber ein erhöhtes Anlagerisiko. Beim Gold-Fonds müssen Sie allerdings ohnehin mit starken Schwankungen rechnen. Obwohl Gold für viele als Inbegriff für Sicherheit gilt, ist der Goldpreis in der Praxis erheblichen Kursausschlägen ausgesetzt, mit denen man leben muss.

Persönlich rechne ich damit, dass die Hausse beim Gold noch nicht zu Ende ist. Darum würde ich grundsätzlich am Gold-Engagement als Depotbeimischung festhalten. Meines Erachtens werden an den Märkten derzeit viele Unsicherheitsfaktoren unterschätzt. Insbesondere die global wachsende Verschuldung könnte für die Finanzmärkte mittel- bis langfristig zu einem gravierenden Problem werden. Dann könnten auch die Nachfrage nach Gold steigen und Gold-Fonds profitieren.

Darüber hinaus hat man mit Gold einen guten Inflationsschutz und ist wegen der kleinen Korrelation zu traditionellen Anlagen wie Obligationen oder Aktien besser diversifiziert.

11 Kommentare zu «Warum Gold ein sicherer Hafen bleiben wird»

  • Anh Toàn sagt:

    Abgesichert ist da wohl der USD:

    Gold ist eine Wette gegen den USD, wenn man Gold kauft und gleichzeitig den USD absichert, gibt das nur ganz ausnahmsweise Gewinn.

  • Julian H. sagt:

    Ja, seltsames Produkt. Ich würde Gold nur physisch, als eine Art Versicherung, oder via Aktien (Goldminen) beimischen. Wenn man Traden möchte, ist das nochmals was anderes, da betrüge der Zeithorizont aber wohl auch nicht 8 Jahre. Was ich auch nicht verstehe, ist, dass bei einigen Säule 3a Fonds/ETF Produkten unverhältnismässig grosses Gewicht auf Gold-ETFs (unhedged) liegt.

  • Bernhard Piller sagt:

    Warum soll man Gold nur als „Depotbeimischung“ kaufen, wenn man überzeugt ist, dass die Hausse beim Gold noch nicht zu Ende ist? Und warum sollte man das Depot mit Aktien füllen, wenn man der Meinung ist, dass die Aktien den Zenit überschritten haben? Interessanterweise empfiehlt nämlich niemand eine „Depotbeimischung“ von Aktien!

  • Martin sagt:

    Man bringts einfach nicht rüber. Diese ETF sind kein „Gold“, das ist Papier wo draufsteht „Ich bin Gold“. Es ist aber Papier.

    Nur Gold ist Geld, alles andere ist Kredit.

    • Bernhard Piller sagt:

      Das Problem ist, dass es viel mehr ETFs gibt als physisches Gold. Wenn alle Anleger ihre ETFs gegen physisches Gold einlösen wollten, würde dies die Banken sprengen. Somit bieten ETFs keine Sicherheit.

      • Anh Toàn sagt:

        Die ETF’s, ich vermute schwer auch die mit physischem Gold unterlegten, geben keinen Anspruch auf Lieferung von Gold. Auch nicht gegen Übernahme der Lieferkosten. Ich vermute sogar, dass die Fondsreglemente von ETF’s einen Rückgabeanspruch ganz generell ausschliessen: Wer die loswerden will, kann und soll die an der Börse verkaufen. Darum sind es exchange traded funds, ohne Ausgabeaufschlag und ohne Rücknahmeversprechen.

    • Anh Toàn sagt:

      Geld ist auch Kredit. Zinsloser. Steht unter den Schulden irgendwo, entweder in einer Bankbilanz oder in der der Notenbank.

      Gold ist Gold, bleibt Gold, manchmal ist es mehr wert, manchmal weniger, frei nach Kostolani, der solls’s über Aktien gesagt haben, hängt davon ab, ob es mehr Idioten als Gold oder mehr Gold als Idioten gibt.

      • Bernhard Piller sagt:

        Immerhin ist Gold nicht von dieser Welt. Es gehört zu den wenigen Stoffen, die von anderen Gestirnen zu uns gekommen sind.

  • Bernhard Piller sagt:

    Immerhin ist Gold nicht von dieser Welt. Es gehört zu den wenigen Stoffen, die von anderen Gestirnen zu uns gekommen sind.

    • Stefan Huber sagt:

      Naja, eigentlich alle Stoffe, wohl mit Ausnahme von Wasserstoff, sind von anderen Sternen zu uns gekommen, nicht nur Gold.

      Zum Thema: Physisch vorhandenes Gold ist sicher besser wie das Papierzeug, und zudem einiges schöner anzuschauen, auch wenn sich ein Safe vielleicht eher empfiehlt wie eine Glasschatulle…

      • Bernhard Piller sagt:

        @Stefan Huber: aber im Gegensatz zu den meisten Elementen ist das Gold aus der Urzeit der Erde im Inneren der Erde versunken. Dort soll es riesige Mengen davon geben. Das Gold, das wir kennen (ein Würfel von rund 20 m Kantenlänge) kommt von den Kometen, die in die Erde eingeschlagen sind.

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