Corona vermiest Schweizer Firmen das Geschäft

Solide Unternehmen wie Dufry oder Swatch, deren Umsatz stark von China abhängig ist, werden gegenwärtig an der Börse abgestraft. Was tun als Kleinanleger?

Dufry betreibt auf der ganzen Welt Duty-free-Shops: Geschäft im Flughafen Zürich. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Ich habe im November Dufry-Aktien gekauft. Seither sind sie 15 Prozent gefallen. Sie hatten ja die Aktie im letzten Jahr auch schon mal empfohlen. Würden Sie beim aktuell tieferen Kurs weiter zukaufen, weil der Boden erreicht ist? Ein paar Tage abwarten? Oder die Titel gar nicht mehr empfehlen? F.S.

Der Reise-Detailhändler Dufry gehört zu jenen Schweizer Börsenfirmen, die derzeit heftig unter der Unsicherheit wegen der chinesischen Lungenkrankheit und des Corona-Virus leiden. Stark abgestraft werden aus dem gleichen Grund auch die Aktien von Uhrenherstellern wie Swatch Group oder Richemont.

Bei Dufry muss man davon ausgehen, dass die chinesische Lungenkrankheit auch reale Folgen auf das Geschäftsergebnis in diesem Jahr haben wird. Denn viele Airlines haben Flüge nach China temporär eingestellt. Doch Dufry lebt gerade davon, dass viele Leute fliegen und auf ihren Reisen konsumieren, da das Unternehmen weltweit in 65 Ländern rund 2300 Duty-free- und Duty-paid-Läden an Flughäfen, auf Kreuzfahrtschiffen, in Seehäfen, Bahnhöfen, Stadtzentren, Flugzeugen, auf Fähren und an Grenzübergängen betreibt.

Nun kann man zu Recht argumentieren, dass trotz dem Corona-Virus nach wie vor jeden Tag viele Millionen Menschen irgendwo auf der Welt fliegen und damit zweifellos auch nicht alle Standorte von Dufry unter einem Umsatzeinbruch leiden werden. Dennoch wird die Epidemie in China je nach weiterer Ausbreitung und der Dauer mehr oder weniger tiefe Spuren beim Umsatz und Gewinn von Dufry hinterlassen.

Die Börse nimmt immer die Zukunft vorweg. Wenn die Zukunft unklar ist, bedeutet dies, dass der Kurs taucht. Wir alle wissen nicht, wie gravierend letztlich das Corona-Virus sein wird, und können lediglich mit der Sars-Epidemie von 2003 vergleichen. Damals war die Krankheit nach ein paar Monaten vorbei, und die Börsenkurse hatten sich nach dem Taucher wieder stark erholt. Ob dies beim Corona-Virus auch der Fall sein wird, ist offen.

Bei der Beurteilung einer Aktie sollte man einerseits auf die äusseren Umstände und anderseits auf die Robustheit des Unternehmens achten. Die Marktbedingungen dürften aufgrund des Corona-Virus wohl noch einige Zeit angespannt bleiben. Solange die Ausbreitung der Krankheit nicht gestoppt werden kann und die Reisetätigkeit von Touristen aus China und generell aus Asien und dorthin stark eingeschränkt sind, bläst Dufry auch im operativen Geschäft ein rauer Wind entgegen.

Das Unternehmen selbst stufe ich als robust ein. Die finanzielle Lage der Firma ist solide, und sie ist operativ grundsätzlich sehr gut aufgestellt. Für das Ergebnis im letzten Jahr hat das Corona-Virus noch keinen Einfluss. Daher dürfte auch die hohe Dividende vorderhand gesichert sein.

Auf dem aktuell tieferen Kursniveau bringt es Dufry auf eine hohe Dividendenrendite von fast 5 Prozent. Die Bewertung ist tief. Ob die tiefe Bewertung gerechtfertigt ist oder nicht, hängt allerdings ebenfalls vom weiteren Verlauf der Lungenkrankheit in China ab und von den künftigen internationalen Reiseflüssen.

Verkaufen würde ich die Dufry-Aktien angesichts dieser Erwägungen nicht. Ich halte Dufry weiter für interessant. Wenn Sie schon eine grössere Position halten, würde ich aus Risikoüberlegungen aber nicht noch mehr zukaufen, da die Unsicherheit rund um das Corona-Virus weiter wie ein Damoklesschwert über dem Unternehmen hängt.