Wer Ertrag sucht, darf die Risiken nicht ausblenden

Mit Dividendenperlen erreicht man zwar schöne Erträge, muss aber starke Kursschwankungen ertragen können.

Eine Vermögensverwaltung erleichtert das Anlegen, allerdings geht durch die Gebühren ein Teil der Rendite verloren: Private Banking der Basler Kantonalbank in Zürich. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Ich habe eine Rente, die höher ist als das, was ich brauche, zudem ein Vermögen von 1 Million Franken – alles mit Ausnahme der 3. Säulen ohne Ertrag auf Sparkonti parkiert. Die Basler Kantonalbank mahnt mich regelmässig, etwas Vernünftigeres damit zu tun. Jetzt hat sie mir etwas Neues empfohlen: ein Dividendenmandat. Ich bin in Geldfragen sehr konservativ. Was raten Sie? H.S.

Das Dividendenmandat der Basler Kantonalbank ist eine einfach aufgestellte Vermögensverwaltung für Privatanleger mit einem Anlagevolumen von mindestens 250’000 Franken. Die Verwaltung kostet Sie 0,85 Prozent pro Jahr oder mindestens 1500 Franken jährlich.

Die Idee, die dahintersteckt, finde ich gut: Als Investor profitieren Sie von regelmässigen Ausschüttungen und kommen so auf Ihrem Geld zu einem Ertrag, statt dass dieses einfach so wie jetzt auf dem Sparkonto brachliegt. Bei hohen Cashbeträgen, wie Sie sie auf dem Konto halten, läuft man je nach Bank zusätzlich Gefahr, dass man dem Institut auch noch Negativzinsen bezahlen muss. Auch das spricht dafür, dass Sie Ihr Geld investieren.

Die Bank stellt Ihnen mit dem Mandat eine Dividendenrendite von rund 3,5 Prozent pro Jahr in Aussicht. Das halte ich für realistisch und durchaus für machbar. Allerdings müssen Sie davon die Vermögensverwaltungsgebühren abziehen, sodass Ihnen nur noch rund 2,7 Prozent bleiben.

Risikolos bekommen Sie diese anständige Rendite aber nicht. Wenn Sie dieses Mandat wählen, müssen Sie auf dem investierten Kapital mit starken Kursschwankungen rechnen. Denn das Geld wird zu hundert Prozent in Aktien investiert.

Punkto Anlageklasse tragen Sie zudem ein Klumpenrisiko. Wenn Sie nur einen Teil Ihrer Cashbestände investieren und den Rest liegen lassen oder breit diversifiziert in andere Anlageklassen wie Anleihen anlegen, wird dieses Risiko etwas abgefedert. Dennoch: Falls die Märkte dann wieder mal stärker korrigieren, was ich für wahrscheinlich halte, da viele Aktien bereits hoch bewertet sind, müssen Sie in Kauf nehmen, dass Sie auf dem in das Dividendenmandat investierten Geld beträchtliche Buchverluste einfahren.

Solange Sie die Dividendentitel nicht verkaufen, sondern einfach liegen lassen, weil Sie nur an den Dividenden interessiert sind, spielen die Kursschwankungen keine grosse Rolle. Sie müssen diese aber aushalten können, zumal Sie ausdrücklich schreiben, dass Sie in Geldfragen konservativ seien. Falls Sie mit den Kursschwankungen gut leben können, finde ich ein Investment in erstklassige Dividendenaktien einen guten Weg, um auf dem Kapital Erträge zu erwirtschaften.

Ob Sie dafür zwingend ein Vermögensverwaltungsmandat brauchen, ist eine andere Frage. Das macht Sinn, wenn Sie die Geldanlage nicht interessiert und Sie keine Erfahrung haben und dies daher lieber delegieren. Ansonsten könnten Sie sich auch selbst ein Portfolio mit sogenannten Dividendenperlen zusammenstellen und könnten sich so die jährliche Gebühr sparen.

Ein Pluspunkt des Dividendenmandates Ihrer Bank ist aus meiner Sicht allerdings der Selektionsprozess. Von den über 200 Aktien, die im Swiss-Performance-Index enthalten sind, wählt die Bank für das Dividendenmandat rund 25 Titel aus, die sich aus Ihrer Sicht anhand von qualitativen und quantitativen Bewertungskriterien punkto Dividendenzahlungen als nachhaltig erweisen.

Dabei werden neben der reinen Dividendenrendite auch das Dividendenwachstum der letzten fünf Jahre, die Ausschüttungsquote, das Wachstum des freien Cashflows und die Nettoverschuldung im Verhältnis zum betrieblichen Ergebnis berücksichtigt, was ich sinnvoll finde.

Daraus ergibt sich dann ein Dividendenportfolio, dem nicht nur die bekannten Dividendenperlen wie Zurich, Novartis, Swiss Re, Roche oder Swisscom angehören, sondern auch kleine und mittelgrosse Werte wie VAT, Dufry, Cembra Money Bank oder Flughafen Zürich.

Eine Alternative zum Dividendenmandat sind auch klassische Anlagefonds oder passiv verwaltete Exchange Traded Funds, die sich ebenfalls auf Dividendenaktien fokussieren. ETFs zeichnen sich durch geringere Gebühren aus, verzichten aber auf eine aktive Titelselektion, sondern bilden einfach einen definierten Index ab, was zur Folge hat, dass Sie indirekt auch Dividendenperlen von Unternehmen im Depot halten, die durch eine Krise gehen und die Sie sonst wohl nie kaufen würden.

13 Kommentare zu «Wer Ertrag sucht, darf die Risiken nicht ausblenden»

  • Peter Rohner sagt:

    Was tun, wenn man mehr als genug Geld hat? Ich würde mir einen Notgroschen auf die Seite legen (z.B. 500‘000) und diesen von der BKB verwalteten lassen (da für Selbstanlage keine Lust, Zeit, Nerven und Erfahrung). Dieses Dividendenmandat scheint mir für „H.S.“ geeignet zu sein („sichere“ Sache zu einem anständigen Preis).

    Die restlichen 500‘000 … ja, mit denen würde ich mir das Leben bunter gestalten. Sich selbst und den anderen etwas Gutes tun. Reisen, spenden, fördern, ausbilden, geniessen. Frei nach Martin Spieler: „Noch zu Lebzeiten einen Nutzen aus dem Vermögen ziehen.“ 😀

  • Andre Schmid sagt:

    Steuern kommen vom Dividendeneinkommen zusätzlich weg.
    Zum gegenwärtigen Zeitpunkt in grösserem Stil in Aktien zu investieren ist zudem nicht ratsam. Geduld haben und auf die unvermeidbare Schwäche warten.
    Die Bank interessieren jedoch nur die viel zu hohen 85 Basispunkte. Index ETF gibt es für ca 10 Basispunkte.

    • Peter Rohner sagt:

      Einen guten Beitrag zum Thema Dividenden-ETFs hat „justETF“ kürzlich bei YouTube veröffentlicht:
      https://youtu.be/Kcvjedn5Iio

    • Schneeberger Jürg sagt:

      Wer unter der momentanen Situation das angesparte Geld zu einem Grossteil in Aktien anlegt der muss schon recht Nerven haben, denn der Markt ist völlig überbewertet und wird nur von der Tief- Negativzinspolik gehalten. Möglich, dass es noch ein oder 2 Jahre so weitergeht, aber der Crash wird in der nächsten Zeit kommen und der wird brutal ausfallen.
      Auf das Geld sind sie ja nicht direkt angewiesen, also legen sie es doch verteilt auf Banken an wo Sie keinen Negativzins bezahlen. Einsteigen in Aktien würde ich erst wenn eine richtige Korrektur im Markt stattgefunden hat und dies kann 1 bis 3 Jahre dauern.

      • Peter Schneider sagt:

        Lieber Herr Schneeberger, erklären Sie mir bitte „Überbewertung“, wenn ich auf 1 000 000 CHF Geld auf dem Sparkonto 7500 Gebühren und Zinsen bezahle, ein Invest in Aktien aber 30 000 CHF Dividenden bringt. Sie können auf einen möglichen Crash wetten. Gleichermassen kann ich auf japanische Verhältnisse wetten. Also eine Dividendenrendite von nur noch 1%. Sprich: eine weitere Verdoppelung der gegenwärtigen Aktienkurse.
        Und nur so nebenbei: ich glaube daran, dass Leute, die sich auf Crashes vorbereiten, mehr Geld verbrennen, als diejenigen, die das einfach aussitzen.

      • Schneeberger Jörg sagt:

        Werter Herr Schneider, wenn Sie heute für 1’000’000 SFR 7’500 Fr. Gebühren und Zinsen bezahlen, so scheint es mir, als dass Sie nicht gerade als Referenz gelten, denn alleine bei der äusserst zuverlässigen und sicheren WIR Bank erhalten Sie ein Festgeldkonto für 4 Jahre zu 0.6 % Zins und dies ohne jegliche Gebühren und Sie wollen mir solchen Unsinn verkaufen.

      • Peter Rohner sagt:

        Gutes YouTube-Video zum Thema „Soll ich erst nach dem Crash investieren?“:
        https://youtu.be/JzbOICP2nXs

        Fazit ist: Nicht warten, sondern sofort anlegen.

  • Daniel Keller sagt:

    Kaufen Sie sich den Aktienführer, dort stehen die Kennzahlen drin, und streichen Sie mit einem Stabiloboss an, welche in Frage kommen (Stabilität der Dividende, Ausschüttungsquote usw.). Zeit haben Sie als Rentner ja. Kostet eine Bruchteil der 1500.-.

  • Louis Deluigi sagt:

    Wenn jemand eine Rente hat, die höher ist, als was er braucht, sollte er aber sicher nicht auch noch auf „Dividendenperlen“ setzen, ausser er verschenkt die Dividenden an gemeinnützige Institutionen. Sonst bezahlt er nur höhere Steuern und hat ein weiteres Anlage-Problem.

  • Lucas Wyrsch sagt:

    Globale Immobilien sind mit umgerechnet US$228 Billionen eine wertvollere Anlageklasse als alle Aktien, Wertschriften und Anleihen kombiniert, die zusammen im Jahr 2016 lediglich US$170 Billionen betrugen.
    .
    1960 begann der Handel mit globalen Immobilien in den USA als Real Estate Investment Trusts oder REITs.
    .
    Ich schaute mir die 10 bestperformierenden europäischen REITs in 42 Tagen an, eine Zeitspanne zwischen dem 2. Januar 2020 und dem 12. März 2020 und kam auf eine Performance von 14.09% mit diesen REITs:
    1. Warehouses de Pauw: 19.94%
    2. Montea: 18.77%
    3. NSI: 17.74%
    4. Inmobiliaria Colonial: 15.32%
    5. Aedifica: 15.19%
    6. Cofinimmo: 14.96%
    7. Gecina: 11.02%
    8. Great Portland Estates: 10.05%
    9. Alstria: 9.73%
    10. Covivio: 8.20%
    .
    Denke nach und werde reich!

  • Oil of Olaf sagt:

    Wer Risiken sucht, darf den Ertrag nicht ausblenden. 😉

  • Oil of Olaf sagt:

    Wenn Sie Geld haben, das Sie nicht benötigen, dann werfen Sie es einfach aus dem Fenster, und schon sind Sie Ihre Sorgen los.

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