Bei GAM fliessen weiterhin Vermögen ab

GAM-Büro in Zürich: Die Gesellschaft rechnet mit einem operativen Gewinn von 10 Millionen Franken. Foto: Gaetan Bally/Keystone

Der gebeutelte Asset-Manager GAM hat am Freitag vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2019 veröffentlicht. Dabei dreht sich alles um eine Zahl: Die Gesellschaft rechnet mit einem operativen Gewinn von 10 Millionen Franken, erwartet wurden rund 3 Millionen. Unter dem Strich soll die schwarze Null stehen. Die bessere Zahl kommt zustande, weil die performanceabhängigen Erträge höher ausgefallen sind. Kein Kunststück in einem Jahr, in dem fast jede Anlageklasse avancierte. Die Prob­leme von GAM haben sich dagegen nicht entschärft. Noch immer fliessen Vermögen aus der Gesellschaft. Im so wichtigen Geschäftsbereich Investment Management betrugen die Kundengelder Ende 2019 noch 48 Milliarden Franken, Ende drittes Quartal lagen sie bei 51,1 Milliarden Franken, Ende 2017 waren es noch 84,4 Milliarden. Seit dem Rausschmiss ihres Schlüssel-Fondsmanagers Tim Haywood – wegen Fehlverhaltens – und der Liquidierung seiner Fonds ist es dem neuen Chef Peter Sanderson und seinem Team nicht gelungen, diese Blutung zu stoppen. Bis es so weit ist, rate ich Ihnen mit Blick auf die Aktie nur eines. Meiden

Grosse Gewinnerin am Markt

Es gibt wohl keine Aktie, die es auf so viele Top-Pick-Listen für 2020 geschafft hat wie LafargeHolcim. Seit einem halben Jahr empfiehlt kein einziger Analyst mehr, die Titel des Baustoffherstellers zu verkaufen. Gleichzeitig hat der Anteil der Kaufempfehlungen über die letzten sechs Monate kontinuierlich zugenommen. Unterdessen raten zwei Drittel der Analysten zum Kauf, das restliche Drittel rät zum Halten. Das mag daran liegen, dass LafargeHolcim im vergangenen Jahr zu den grossen Gewinnern am Markt gehörte. Oder daran, dass Jan Jenisch den Konzern, der seit zehn Jahren keinen Aktionärswert mehr abwirft, komplett umgebaut hat. Er wechselte die meisten Geschäftsleitungsmitglieder aus, strich Kaderstufen und Verwaltungsjobs, verlieh Ländermanagern mehr Verantwortung, schloss den Hauptsitz in Paris und verlegte den anderen von Zürich nach Zug. Auch ich bin optimistisch. Die letzten Quartalsabschlüsse stimmten zuversichtlich. Die Profitabilität stieg jeweils überdurchschnittlich. Jenischs Strategie scheint langsam zu greifen. Kaufen

Es bleiben mehrere Baustellen

Manchmal genügt es, wenn die Ergebnisse weniger schlecht als befürchtet ausfallen, um den Aktienkurs in die Höhe zu treiben. Das gelang Richemont am Freitag mit den Zahlen zum Weihnachtsquartal. Dennoch legten die Titel gut 5 Prozent zu. Auf den ersten Blick sieht beim Luxusgüterkonzern vieles wieder gut aus. Der Absatz von Schmuckwaren floriert, auch der Verkauf von Uhren hat wieder an Fahrt aufgenommen – trotz den schwierigen Umständen in Hongkong, wo die monatelangen Proteste zu vielen Schliessungen von Boutiquen geführt haben. Allerdings zeigt sich auf den zweiten Blick, dass Richemont noch nicht alle Baustellen beseitigt hat. Für mich ist deshalb klar, dass die Rückkehr zu substanziellem Wachstum ausbleibt. Etwas ernüchternd ist auch die Bilanz der vor eineinhalb Jahren erworbenen Onlineplattformen. Der Aufbau dieses neuen ­Geschäftsbereichs wird meines ­Erachtens noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Wenn man sich dabei vor Augen hält, dass die Aktien im historischen Vergleich heute nicht wirklich günstig sind, fehlen derzeit die wirklich guten Kaufargumente. Abwarten

Mehr als eine Billion Dollar

Seit vergangener Woche gehört ­Alphabet zum Club der exklusiven drei. Neben Apple und Microsoft hat es die Google-Mutter als drittes Unternehmen geschafft, eine Börsenbewertung von mehr als einer Billion Dollar zu erreichen. «Google wird viele Innovationen bringen», hat Frederik Pferdt, Chief Innovation Evangelist der Suchmaschine, vergangene Woche im Interview mit unserem Schwesterblatt «Finanz und Wirtschaft» gesagt. Vor allem wird Google neben Facebook weiter prächtig im Markt für Onlinewerbung verdienen. Ob sich Projekte wie das autonome Auto der Alphabet-Tochter Waymo einmal auszahlen oder Roboter mit künstlicher Intelligenz, die für die Pflege von Menschen eingesetzt werden können und an denen der Konzern auch arbeitet, steht noch nicht fest. Seit Dezember führt Google-Chef Sundar Pichai die Geschicke der Mutter ­Alphabet. Die Unternehmensgründer Larry Page und Sergey Brin haben sich zurückgezogen. Ich gehe davon aus, dass dieser Schritt mittelfristig neue Impulse bringt sowohl für das angestammte Suchgeschäft als auch für mögliche Wachstumsfelder. Kaufen

Feste Fintech-Grösse

Die Hypothekarbank Lenzburg hat am Freitag als erste kotierte Bank ihren Abschluss vorgelegt. Das Tiefzinsumfeld lastet wie erwartet auf den Zinserträgen. Dennoch können sich andere Banken von ihr eine Scheibe abschneiden. Dank geschickter Diversifikation hat sich die Hypi mittlerweile als feste Fintech-Grösse etabliert, ihre Bankensoftware Finstar und die daraus gewonnenen Partnerschaften treiben den Ertrag. Unter dem Strich hat die Hypi den Gewinn leicht gesteigert. Weniger Freude weckt der Aktienkurs. Seit mehr als zehn Jahren entwickeln sich die Hypi-Titel nahezu flach seitwärts. Bei Anlegern mit Hoffnung auf Kursgewinne kommen sie deshalb zu Recht auf die schwarze Liste. Als Bond-Ersatz taugen die Titel aber durchaus. Mit 2,4 Prozent Dividendenrendite bieten sie weniger risikobereiten Anlegern geringe Rendite bei kleiner Volatilität. «Die Hypi-Aktie verkauft man nicht, man vererbt sie», sagt Verwaltungsratspräsident Gerhard Hahnhart. Angesichts der dünnen Handelsvolumina – die Turnover-Rate lag 2019 bei 5,8 Prozent – mehr Wahrheit als Bonmot. Wer sie schon hat, soll sie: Halten