Endlich kommt das Jahr von ABB

ABB-Hauptversammlung am 2. Mai 2019: Der Industriekonzern bleibt eine Riesenbaustelle. Foto: Walter Bieri/Keystone

Der Industriekonzern ABB hat schwere Jahre hinter sich. Der ehemalige Chef Ulrich Spiesshofer prägte die traditionsreiche ABB als Ort konstanter Restrukturierungen – mit kaum Wachstum und serbelndem Aktienkurs. ABB bleibt eine Riesenbaustelle: Die Matrix- und Länderorganisationen werden gerade abgeschafft, Tausende Konzernjobs in die Divisionen verschoben oder abgebaut – eine Riesenübung. Doch 2020 könnte das Jahr werden, in dem die Umbaubemühungen endlich Früchte tragen. Die Abspaltung der Stromnetze-Division an Hitachi soll im neuen Jahr ihren Abschluss finden, dank Sparübungen schrumpft die Kosten­basis, und im März tritt mit Björn Rosengren ein neuer Chef den Dienst an. Zudem werden ABB aus dem Verkauf der Stromnetze-Division bis zu 7,8 Milliarden Dollar zufliessen, die das Unternehmen den Aktionären zukommen lassen will, etwa in Form von Aktienrückkäufen. Obschon die ABB-Aktien in diesem Jahr bereits ein Viertel gewonnen haben und mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19 nicht günstig sind, gehe ich davon aus, dass sie 2020 noch mehr Potenzial bieten. Kaufen

Erneute Millionenbusse in den USA

Für die Credit Suisse hagelte es am Dienstag erneut eine Millionenbusse in den USA. 6,5 Millionen Dollar muss die Bank bezahlen, weil sie gegen Marktzugangsregeln verstossen hat. Mehrere Milliarden legte die Bank seit der Finanzkrise für verschiedenste Vergehen weltweit auf den Tisch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Die Bank befindet sich noch in zahlreichen Rechtsstreitigkeiten und Verfahren. Zudem liefert sie seit Jahren dürftige Ergebnisse und wird auch 2019 eine Eigenkapitalrendite von 10 Prozent nicht schaffen. Erst ab diesem Wert gilt eine Grossbank als wertschaffend. Zu alledem leistete sie sich dieses Jahr einen Reputationsschaden sondergleichen. Zu Wochenbeginn stellte die Bank fest, dass sie neben Ex-Manager ­Iqbal Khan auch Ex-Personalchef Peter Goerke hat ausspionieren lassen. Weder Präsident Urs Rohner noch Chef Tidjane Thiam wollen davon gewusst haben. Beide haben sich längst unmöglich gemacht und sollten darüber nachdenken, ob nicht eine neue Führung besser geeignet wäre, damit in die CS wieder investiert werden kann. Bis dahin kann es meines Erachtens nur ein Urteil geben. Meiden

Erbenfamilie reicht Beschwerde ein

Für kurze Zeit hat es danach ausgesehen, dass sich die Belegschaft von Schmolz + Bickenbach (S + B) über die Weihnachtsfeiertage einigermassen sicher fühlen kann. Die Sanierung des finanziell angeschlagenen Stahlherstellers schien geregelt. Im Zuge einer Kapitalerhöhung sollten 325 Millionen Franken in die Kasse kommen. Martin Haefner, Amag-Eigentümer und -Präsident, beteiligte sich überproportional an der Transaktion, sodass er künftig knapp 45 Prozent (bisher 17,5 Prozent) an S + B halten würde. Die Liwet, an der der Russe Victor Vekselberg mit 44,9 Prozent beteiligt ist, würde auf 25 Prozent (bisher 26,9 Prozent) kommen. Doch Haefner und Liwet haben die Rechnung ohne die Erbenfamilie gemacht, die gut 10 Prozent hält. Sie hat kurz vor Weihnachten Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht gegen die Bedingungen der Kapitalerhöhung eingereicht. Nun ist wieder völlig ungewiss, wie S + B saniert werden kann. Das ist für die Belegschaft und die Aktionäre katastrophal. Dem risikobewussten Anleger bleibt nichts anderes übrig, als einen grossen Bogen um die Aktien zu machen. Meiden

Titel gewinnen an Wert

Das Urner Industrieunternehmen Dätwyler konzentriert sich auf sein starkes Standbein: die lukrative Dichtungssparte, die Gummistopfen für Spritzen, Beschichtungen für Nespresso-Kapseln und zahlreiche andere attraktive Nischenprodukte herstellt. Die wenig rentable Elektronikhandelssparte wird verkauft. Die beiden schwächsten Marken der Sparte, Distrelec und Nedis, übernimmt die deutsche Private-Equity-Gesellschaft Aurelius. Für die profitablere dritte Marke, Reichelt, wird noch ein Käufer gesucht. Das sind gute Neu­ig­keiten. Dätwyler steht ohne die Handelssparte besser da. Diese Ansicht herrscht auch am Markt. Seit über den Spartenverkauf spekuliert wurde, haben die Titel an Wert gewonnen. Und das obwohl die Gewinnschätzungen nach unten korrigiert wurden. Die Bewertung der Aktien ist also höher als auch schon. Dennoch bin ich der Ansicht, dass sich ein Einstieg lohnen kann. Die Dichtungssparte verspricht ansprechendes Wachstum mit guten Margen. Kaufen

Wirkung von Krebsmedikament wiederhergestellt

Molecular Partners mausert sich meiner Meinung nach zum aussichtsreichsten Schweizer Biotech-Unternehmen. Von einem Absturz sind zwar auch die Spezialisten für synthetische Antikörper nicht gefeit. Verfehlt eine Medikamentenstudie ihr Ziel, rauschen solche Aktien rasch 50 Prozent und mehr in die Tiefe. Molecular hatte Anfang Dezember erste positive Daten aus einer Phase-II-Studie zu ihrem MP0250 vorgestellt. Es konnte bei einem Teil der Patienten die Wirkung eines Krebsmedikaments wiederherstellen, indem es auf das Umfeld des seltenen Knochenmarktumors multiples Myelom wirkt. Die US-Gesundheitsbe­hörde FDA hat MP0250 nun den «Orphan Drug»-Status verliehen, der mit einigen Vorteilen einhergeht. Der grosse Durchbruch könnte aber Mitte 2020 kommen, wenn Moleculars erster Wirkstoff für die Augenkrankheit neovaskuläre altersbedingte Makuladegeneration zugelassen wird. Er ist an Allergan auslizenziert. Molecular darf auf Lizenzzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe zählen. Das Unternehmen, das einen Börsenwert von knapp 370 Millionen Franken aufweist, dürfte dann als deutlich wertvoller eingestuft werden. Spekulativ kaufen