Warum Erwerbstätige die Zeche zahlen werden

Die Umverteilung von Aktiven zu Rentnern hält an. Künftige Senioren werden deutlich weniger Rente erhalten.

Ohne Reformen werden die heutigen Jungen im Alter zwischen 25 und 35 wohl noch schlechter gestellt werden als die heute 50- bis 60-Jährigen – die im Vergleich zu den bereits Pensionierten ebenfalls deutlich weniger Rente erhalten. Foto: iStock

Vielen Dank für Ihre Artikel, ich lese sie immer sehr gerne. In einem Ihrer Beitrage schreiben Sie: «So subventionieren Junge die Rentner» – dieser Titel gefällt mir jedoch nicht, weil er ein falsches Bild aufscheinen lässt. Es sind ja nicht nur 30- oder 40-Jährige, die erwerbstätig sind und in AHV und PK einzahlen, sondern auch 50- oder 60-Jährige. Zudem wurden schon vor einigen Jahren die weitaus meisten PK-Renten für aktuell in Pension gehende stark gekürzt. Diejenigen, die von einer eigentlich nicht finanzierbaren Rente profitieren, sind heute schon über 70. Was meinen Sie? B.S.

Mit einem Augenzwinkern könnte ich Ihnen jetzt antworten, dass ich auch die 50-Jährigen als Junge einstufe, zumal diese heute in vielen Belangen weit aktiver sind als frühere Generationen im gleichen Alter. Aber Spass beiseite: Es sind in der Tat nicht nur die Jungen, welche die Rentner subventionieren, sondern es sind alle noch Erwerbstätigen: Jede und jeder, der Beiträge an eine Pensionskasse leistet, leidet unter der Umverteilung von den Erwerbstätigen zu denjenigen, die bereits eine Rente der Pensionskasse beziehen.

Gemäss Berechnungen der Oberaufsicht der beruflichen Vorsorge dürften in den letzten Jahren unabhängig vom Alter der aktiv Versicherten bis zu 7 Milliarden Franken von den Erwerbstätigen zu den Rentnern umverteilt worden sein. Falls wir diese unfaire Umverteilung nicht durch längst fällige politische Reformen in der Altersvorsorge stoppen, werden diese Beträge noch zunehmen.

Das dürfte dazu führen, dass die heutigen Jungen dereinst höhere Lohnbeiträge für die Vorsorge abliefern werden und wahrscheinlich noch weniger Rente erhalten werden als jene, die in den kommenden Jahren in Pension gehen. Und zwar darum, weil die Umwandlungssätze auch in Zukunft noch weiter sinken werden.

Dafür spricht auch die Tatsache, dass der sogenannte dritte Beitragszahler noch einige Zeit nur geringe Zuschüsse leisten wird: Angesichts der sogar noch weiter sinkenden Zinsen wird es für die Pensionskassen und Versicherungen noch schwieriger, das Vorsorgegeld der Versicherten – ohne zu grosse Risiken einzugehen – so anzulegen, dass es eine ansprechende Rendite bringt.

Die Pensionskassenstudie 2019 von Swisscanto hat aufgezeigt, dass die Umverteilung von Aktiven zu Rentnern anhält und künftige Rentenbezüger ohne Gegenmassnahmen wegen sinkender Umwandlungsätze deutlich weniger Rente erhalten werden. Die von den Vorsorgeinstitutionen getroffenen Massnahmen reichen nicht, um die Leistungslücke aus der zweiten Säule zu schliessen.

Laut der Studie muss ein Arbeitnehmer, der heute in einen Vorsorgeplan einer Kasse eintritt, die keine Gegenmassnahmen ergriffen hat, in 40 Jahren mit einer Rente auskommen, die rund 28 Prozent tiefer liegt als in einem Vorsorgeplan, der vor zehn Jahren gültig war. So gesehen befürchte ich in der Tat, dass die heutigen Jungen im Alter zwischen 25 und 35 ohne Reformen wohl noch schlechter gestellt werden als die heute 50- bis 60-Jährigen, die im Vergleich zu den bereits Pensionierten ebenfalls empfindliche Nachteile in Kauf nehmen müssen und deutlich weniger Rente erhalten.

Noch sind die bestehenden Renten tabu. In der politischen Debatte wird aber auch die Frage aufgeworfen, ob nicht auch die Rentner einen Beitrag zur Problemlösung leisten müssten. Da damit ein Gesellschaftsvertrag gebrochen würde, halte ich solche Überlegungen allerdings für heikel. Darüber hinaus zweifle ich, dass ein solcher Vorstoss angesichts der demografischen Entwicklung in einer Volksabstimmung eine grosse Chance hätte.

Wichtiger finde ich, dass endlich Reformen in der Altersvorsorge angepackt werden und sowohl die AHV als auch die zweite Säule mit den Pensionskassen auf eine langfristig sichere Basis gestellt werden. Die Umverteilung von den Erwerbstätigen zu den Rentnern in der zweiten Säule jedenfalls schwächt die Grundlage unserer Vorsorge, was uns in Zukunft auch gesellschaftspolitisch gravierende Probleme verursachen wird.