Zurich unterstreicht ­Wachstumsambitionen

Zurich Insurance: Der Versicherer wird die bereits hohe Dividende voraussichtlich jedes Jahr steigern. Foto: Alessandro Della Bella/Bloomberg/Getty Images

Die Zurich Insurance will den Gewinn je Aktie bis 2022 im Jahresschnitt mindestens um 5 Prozent steigern, sagte das Management am Donnerstag an der Investorentagung in London. Die Ausschüttungsquote bleibt auf drei Vierteln des Jahresresultats. Für Anleger heisst das: Zurich wird die bereits hohe Dividende voraussichtlich jedes Jahr erhöhen. Die grossmehrheitliche Auszahlung des Gewinns ist plausibel, denn Eigenkapital ist mehr als genug vorhanden. Gute Geschäftschancen macht das Management bei Privathaushalten und kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) aus. Um sie stärker an den Konzern zu binden, werden ihnen zunehmend passende Dienstleistungsbündel vorgeschlagen. Das Ziel ist, Berater und Kunden häufiger zusammenzubringen, digital oder im Gespräch. Im laufenden Jahr resultiert vermutlich sogar ein Plus von etwa 10 Prozent. Die Belastung durch Schäden von Naturkatastrophen ist unterdurchschnittlich. Für 2020 wird ein Gewinnzuwachs von 5 Prozent erwartet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis steht auf 14. Damit notieren die Valoren auf Branchenschnitt. Der Kurs wird sich nach bereits stattlichen Avancen dieses Jahr in den kommenden Monaten vermutlich nicht wesentlich vom Markttrend abheben. Doch bei gesetzter Ausschüttungsquote wird die Dividende stetig zunehmen. Für mich ist das so etwas wie eine Wunschformel. Kaufen

Phänomenaler Aktienkurs

Eine andere Dynamik herrscht im Halbleiterbereich. Beobachter der Branche erfüllt es mit einer gewissen Freude: Lange hat Chiphersteller Intel versucht, AMD, die ewige Nummer zwei, klein zu halten – nicht immer mit fairen Mitteln. Nun wirken die Kräfte des Marktes. AMD-Chefin Lisa Su hat vieles richtig gemacht, etwa frühe Investitionen in neue Chip-Technologien. Jetzt kann sie die leistungsfähigeren Halbleiter präsentieren. Der Lohn: Marktanteilsgewinne zulasten von Intel. Und ein phänomenaler Verlauf des Aktienkurses. Mehr als 100 Prozent haben die Papiere von AMD seit Anfang Jahr zugelegt, mehr als jede andere Aktie im US-Index S & P 500. Und mehr auch als Intel: Der Rivale kämpft nach wie vor mit Fertigungsproblemen. Intel-Papiere liegen seit Januar 20 Prozent im Plus, weniger als der Markt. Wie geht es weiter? Das Momentum der AMD-Aktien könnte noch etwas anhalten. Anleger müssen sich aber auch auf Rückschläge einstellen. Es mehren sich Zeichen, dass sich das Wirtschaftswachstum global verlangsamt – und Papiere der Halbleiterindustrie haben auf solche Sorgen schon immer früh reagiert. Halten

5,5 Prozent Rendite

Der milliardenteure Versuch, UPC zu übernehmen, ist definitiv gescheitert. Am Mittwoch meldete Sunrise, den Kaufvertrag mit UPC-Eignerin Liberty Global gekündigt zu haben. Kostenpunkt: bis 125 Millionen Franken für Banker, Anwälte und Berater. Der Gewinn für das Geschäftsjahr 2019 wird praktisch wegschmelzen. «Ausser Spesen nichts gewesen», heisst das für Anleger. Wenigstens ist ihnen die Dividende für 2019 trotz hoher Sonderkosten sicher. Liberty Global zeigt sich zwar noch immer gesprächsbereit und würde UPC wohl auch zu einem niedrigeren Preis losbringen wollen. Aber vorerst muss Sunrise allein weiter­machen. Und das klappt ganz gut. Die Zahlen zum dritten Quartal waren stark, und Sunrise zeigt einmal mehr, dass sie anders als Swisscom die Dividende auch mit etwas Wachstumsdynamik verbinden kann. Spektakuläre Kurssprünge sind zwar keine zu erwarten, aber bei einer Rendite von 5,5 Prozent würde ich die Aktien der alleinstehenden Sunrise noch immer jenen der trägen Swisscom (Rendite: 4,3 Prozent) vorziehen. Halten

Ständiges Wachstum

Beeindruckt haben mich dieses Jahr die Aktien des Verpackungsspezialisten SIG Combibloc. Sie haben einen eindrücklichen Turnaround hingelegt. Nachdem sie nach dem IPO im Herbst 2018 unter den Emissionspreis gefallen waren, wendete sich das Blatt im Frühling, und die Titel legten gegen 40 Prozent zu. SIG Combibloc liefert ihren Kunden Abfüllanlagen und die dazu passenden Verpackungsrohlinge. Weil die Verträge langfristiger Natur sind, entwickelt sich der Umsatz von SIG laufend. Die Ausdehnung in neue Märkte in Asien, im Nahen Osten und in Amerika sorgt für ständiges Wachstum. Die aus einem Karton-Kunststoff-Aluminium-Verbund bestehenden Verpackungen, von denen es über 270 Varianten gibt, gehen hauptsächlich in den UHT-Milchmarkt, wobei vegane Milch aus Mandeln, Reis oder Soja hohe Wachstumsraten zeigt. Auch für Säfte, Suppen oder Joghurtdrinks werden die Verpackungen verwendet. Das Wachstum will das Unternehmen im angepeilten Rahmen von währungsbereinigt 4 bis 6 Prozent halten, das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des bereinigten Gewinns deutet mit gut 17 selbst nach der deutlichen Avance seit Frühling auf eine moderate Bewertung hin. Attraktiv ist vor allem auch die Dividendenrendite von 2,9 Prozent. Kaufen

 

1 Kommentar zu «Zurich unterstreicht ­Wachstumsambitionen»

  • Claude Fontana sagt:

    Mann seid Ihr spät dran. AMD kostete vor 7 Jahren 4$ und halten sich inzwischen bei 36 auf, einziges Risiko: wie so Oft. Trump, Und natürlich dieser Tipp. mindestens 3 Jahre zu spät. Denn inzwischen kommt die Fertigungsanlage an ihre Grenzen. Das liegt aber an der Produktionsfirma, nicht AMD: Zur Nachfrage: Die Chips, die Dort seit April gefertigt werden gehen hauptsächlich für Grossrechner in Datencenter weg. Und die machen grad Gewinne bis zum Abwinken und kriegen Gratisgeld direkt von der FED. Facebook, Amazon und Google zumindest. Ach ja das Departement of Defense ist auch nie Pleite oder?

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