Wohlwollen für die ABB trotz schwachem Umsatz

ABB-Roboter im Einsatz an einer Messe in Peking: Besonders das Geschäft mit Industrierobotern und Automationslösungen schwächelt. Foto: Jason Lee/Reuters

Das Umfeld ist hart für Unternehmen, die viele Kunden aus der Industrie, besonders der Autoindustrie haben. Dazu zählt ABB. Ein schwacher Auftragseingang und Umsatz im dritten Quartal erstaunen also nicht. Besonders das Geschäft mit Industrierobotern und Automationslösungen schwächelt. Das spürt ABB umso mehr, weil das ehemalige Kerngeschäft mit Stromübertragungstechnik nach Japan an Hitachi verkauft wurde. Elektrotechnik macht zwar immer noch einen guten Teil des ABB-Geschäfts aus, doch die entsprechende Division muss nach einer Akquisition noch immer fit getrimmt werden. Überhaupt ist das ABB-Management mit der eigenen Reorganisation beschäftigt. Das kostet und wird auch nach Antritt des neuen Chefs, Björn Rosengren, im März 2020 nicht abgeschlossen sein. Anleger brauchen weiterhin viel Geduld. Angesichts eines Kurs-Gewinn-Verhältnisses für 2020 von 19 sehe ich derzeit keinen Grund, weshalb die ABB-Aktien eine höhere Bewertung verdienen als Branchenkonkurrenten wie Schneider Electric oder Siemens. Halten

Vermögensverwaltung brummt

Ein wahres Rally hat Vontobel in den vergangenen drei Wochen erlebt. Die Titel der Privatbank haben sich nach einem Rücksetzer Anfang Monat um 14 Prozent verteuert. Bis zu ihrem Höchst vom Sommer 2018 fehlt zwar noch viel, trotzdem habe ich ein Auge auf die Aktien geworfen. Die Vermögensverwaltung brummt, das Asset-Management zieht Neugeld an. Zugegeben, das Investmentbanking läuft schlecht. Chef Zeno Staub musste anlässlich der Halbjahreszahlen ein Minus von 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahr vermelden. Sorgen muss man sich aber nicht machen. Die Bank versteht es, sich erfolgreich zu positionieren, etwa mit der App Volt. Der Robo-Advisor öffnet die Vontobel-Vermögensverwaltung für Kunden mit kleinen Vermögen. Im Frühling 2020 will Raiffeisen, basierend auf Volt, eine digitale Vermögensverwaltungslösung lancieren. Das weckt Erwartungen. Und auch die Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 für 2020 ist weder im Vergleich zur Branche noch gemessen am Durchschnitt der letzten fünf Jahre teuer. Ausserdem ist die Dividendenrendite von 3,6 Prozent attraktiv. Kaufen

Antizyklisches Handeln

Ems-Chemie mit der Nationalrätin Magdalena ­Martullo-Blocher an der Spitze schwimmt gerne gegen den Strom. Das kräftigt und hält fit. Als andere Anfang 2018 noch jubelten, hat die Gruppe in Erwartung härterer Zeiten ein Effizienz­steigerungs­paket geschnürt. Das zahlt sich nun aus: Trotz merk­licher Umsatzeinbusse – in den ersten neun Monaten 5,4 Prozent, im dritten Quartal 9,5 Prozent – wird das Jahresziel eines Betriebsgewinns auf Vorjahresniveau bestätigt. Es zu erreichen, wird nicht leicht, weshalb Ems erneut antizyklisch handelt: Im Rahmen eines «Beschleunigungsprogramms für zusätzliche Neugeschäfte» erhöhen Angestellte in der Forschung und Entwicklung und im Verkauf ihr Arbeitspensum. Als Anleger gefällt mir diese Leistungsbereitschaft. Weniger gefällt mir dagegen die hohe Bewertung der Aktien. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 28 auf Basis der Gewinnschätzung für 2020 ist meines Erachtens schwer zu rechtfertigen angesichts des eingetrübten Konjunkturumfelds und flauer Wachstumsperspektiven für Ems selbst. Den Kursgewinn zu realisieren, ist daher eine Über­legung wert: Verkaufen

Flott unterwegs

Der Name Tecan sagt Ihnen wahrscheinlich nichts. Es sei denn, Sie arbeiten in einem medizinischen Labor. Das Unternehmen bietet Pharma- und Diagnostikfirmen, Universitäten und Spitälern Geräte und Systeme an, mit denen sie die Analyse von Blut- und Gewebeproben automatisieren und so Kosten sparen können. Seit Jahren ist Tecan flott unterwegs. Der Umsatz ist im Schnitt um zehn Prozent jährlich gestiegen. Zwei Drittel des Wachstums schaffte das Unternehmen aus eigener Kraft. Gleich­zeitig ist Tecan profitabler geworden. Ich kenne indessen Fondsverwalter, denen der hohe Cash-Bestand von 250 bis 300 Millionen Franken seit längerem ein Dorn im Auge ist. Sie wünschten sich ein offensi­veres Vorgehen, was Übernahmen betrifft. In dieser Hinsicht könnte bald etwas passieren. Mit Achim von Leoprechting ist seit einem halben Jahr ein jüngerer Chef am Ruder. Er hat durchblicken lassen, dass er auch grösseren Akquisitionen nicht abgeneigt ist. Ein vielversprechender Deal könnte den Aktien Schub geben, auch wenn sie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 30 für 2020 nicht günstig bewertet sind. Kaufen

Zusätzliche Mieteinnahmen

Die beiden grössten Schweizer Immobiliengesellschaften, Swiss ­Prime Site (SPS) und PSP Swiss Property, investieren viel in den Ausbau des Portfolios. Durch zahlreiche Grossprojekte in den Regionen Zürich, Genf und Basel verbreitern SPS und PSP kontinuierlich die Vermietungsbasis. Sie sichern sich so zusätzliche Mieteinnahmen, aus denen sie ihre Dividenden zahlen. Die Aussichten für den Büromarkt sind grundsätzlich gut. Das steigende Flächenangebot wird in der Regel in vernünftiger Zeit absorbiert. Die wachsende Nachfrage lässt an Toplagen gar leichte Mietpreissteigerungen zu. Schwieriger ist es dagegen ausserhalb der Grossstädte. Sowohl SPS als auch PSP fokussieren aber auf die gefragten Standorte, sodass sie einem allfälligen Abschwung Paroli bieten können. Zinssorgen müssen sich die beiden solide finanzierten Gesellschaften ohnehin keine machen. Ein Pluspunkt ist die vor allem im Fall von SPS attraktive Dividendenrendite. Die Aktien beider Gesellschaften sind allerdings stattlich bewertet, das schränkt den Spielraum für Kursgewinne ein. Halten