Fragen Sie den Berater nach seiner Provision

Bevor Sie einen Wechsel mit unklarem Ausgang vornehmen, wäre ein Gespräch mit der bisherigen Bank ratsam. Foto: iStock

Wir waren bei einem Vermögensplaner in Kloten. Er sagte, wir sollten all unsere Swisscanto-Fondsanteile und das Sparkonto bei der ZKB auflösen und das Geld bei einer Zuger Finanzfirma mit Depotbank Credit Suisse in einen ganz konservativen Fonds anlegen. Da hätten wir gegen 2 Prozent statt wie jetzt kaum eine Ausschüttung. Er würde das für uns abwickeln. Auch die sofortige Kündigung der Wertschriften. Ist dieser Weg zu empfehlen? C.A.

Ich bin skeptisch. Ich frage mich, welches Interesse Ihr Finanzplaner an dem raschen Wechsel hat. Bekommt er von der Firma, zu der er Sie bringt, allenfalls eine schöne Provision? Warum bietet er Ihnen an, den Wertschriftenwechsel für Sie abzuwickeln und drängt Sie zu einer sofortigen Kündigung?

Als Kunde sollte man sich immer überlegen, welche Interessen ein Berater verfolgt und offen fragen, ob er eine Provision erhält. Prüfen sollten Sie auch die neue Firma: Wie steht es um die Gebühren bei der neuen Firma? Zweifellos würden Sie sowohl der neuen Finanzfirma in Zug als auch der Depotbank Credit Suisse Gebühren zahlen. Vor einem Wechsel würde ich die Gebühren vergleichen.

Offenbar sind Sie mit Ihren bisherigen Fondsanteilen, die Sie im Depot haben, nicht zufrieden und wünschen sich eine höhere Ausschüttung. Haben Sie das mit Ihrer bisherigen Bank besprochen? Bevor Sie einen unter Umständen überstürzten Wechsel mit unklarem Ausgang vornehmen, würde ich mit der bisherigen Bank das Gespräch suchen.

Die ZKB, bei der Sie jetzt Kundin sind, gehört zu den weltweit sichersten Banken und verfügt zusammen mit ihrer Tochter Swisscanto unbestritten über eine hohe Expertise im Anlagegeschäft. Wenn Sie mit dem bisherigen Fonds nicht zufrieden sind, würde ich eher einen anderen Fonds wählen, der Ihnen wie gewünscht eine höhere Ausschüttung bietet.

Ich weiss nicht, welche neuen Fonds Ihnen Ihr Finanzplaner empfohlen hat. Allerdings muss ich Sie warnen: Einen «ganz konservativen Fonds», der Ihnen auch noch jedes Jahr garantiert 2 Prozent Ausschüttung liefert, wie es Ihnen Ihr Finanzplaner offenbar versprochen hat, ist angesichts der rekordtiefen Zinsen nicht so einfach zu finden.

Entweder setzen Sie auf höchste Sicherheit, was aber zur Folge hat, dass Sie kaum Zins erhalten, da sehr sichere Frankenanleihen kaum mehr Zins abwerfen oder sogar wie die Schweizer Bundesobligationen eine deutliche Minusrendite aufweisen. Oder aber Sie fokussieren sich auf einen etwas höheren Ertrag, was aber zur Konsequenz hat, dass Sie bei der Bonität der Anleihenschuldner deutliche Abstriche machen und je nach Wahl der Wertschriften stärkere Kursschwankungen in Kauf nehmen müssen.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Sie könnten auch einen Fonds mit Schweizer Top-Dividenden-Perlen wie Zurich, Swiss Re, Swiss Life, Swisscom, Nestlé, Novartis usw. nutzen, die eine hohe Dividendenrendite von 2 bis 6 Prozent abwerfen. Der Preis dafür ist aber, dass Sie mit einem solchen Fonds starke Kursschwankungen in Kauf nehmen müssen, was Ihrem Wunsch nach hoher Sicherheit widerspricht. Oder der Fonds enthält Anleihen von Schuldnern mit tiefer Bonität, was zwar tatsächlich mehr Ausschüttung, aber auch höhere Risiken mit sich bringt.

Bevor Sie einfach rasch kündigen, würde ich mich zusätzlich von Ihrer bisherigen Hausbank beraten lassen, Ihre Bedürfnisse einbringen und mit dieser auch konkret den Vorschlag Ihres Finanzplaners besprechen. Dann haben Sie eine zusätzliche Sichtweise und die nötigen Grundlagen, um selbst entscheiden zu können.

Vielleicht sind Sie dann überzeugt, dass Ihnen die neue Finanzfirma mehr bringt und Sie kündigen, oder aber Sie wechseln einfach in einen anderen Fonds mit mehr Ausschüttung und können ohne grossen Aufwand bei Ihrer bisherigen Bank bleiben.

6 Kommentare zu «Fragen Sie den Berater nach seiner Provision»

  • Thomas Herrmann sagt:

    Oder Sie gehen direkt zu einer unabhängigen Beratungsfirma (bspw. ZWEI Wealth), die sich explizit nur von ihren Kunden bezahlen lässt und kein Geld von Banken oder Vermögensverwaltern bekommt.

    Im Gegensatz zu Ihrer Hausbank kann diese objektiv beurteilen, ob ihre aktuelle Lösung gut ist. Die Hausbank und der Vermögensverwalter werden immer sich selbst oder nur ihr eigenes Angebot empfehlen.

    Die Unterschiede sind gross und häufig gibt es signifikantes Verbesserungspotential.

    Eine unabhängige Beratung kann dann am Markt die bestmögliche Lösung finden und auch fortlaufend überwachen.

    • Peter Baur sagt:

      Lustiger Zufall, dass Sie bei genau eben dieser Firma arbeiten!!! Wusste gar nicht, dass dies auch eine Werbeplattform ist. Ob das auch im Sinne von Herrn Wellershof ist?

  • Peter Rohner sagt:

    Bei den Fonds immer auf die Kosten achten (Ausgabe-, Rücknahmekommission und TER). Zudem bei „Morningstar.ch“ schauen, wie sich ein Fonds gegenüber vergleichbaren Fonds behauptet (1 Stern = flop, 5 Sterne = top). Zudem die Transaktionskosten und die Depotgebühren nicht vergessen.

    Generell gilt: Passive Produkte den aktiven Produkten vorziehen. Kaufen und Halten.

    Gute und günstige Lösungen für Normalmenschen bieten z.B.: Avadis, PostFinance, TrueWealth, Vermögenszentrum.

  • Heinrich Blatti sagt:

    Es ist schon erschreckend, wie UNWISSEND viele „Anleger“ sind! Seit Jahren haben wir Negativzinsen, dennoch wollen die stock konservativ anlegen und eine Rendite erwarten. Lesen die denn nie Zeitung? Das geht einfach nicht! Und zusätzlich gibt es noch das Sprichwort: *“Ich bin nicht reich genug, immer nur das Billigste zu kaufen.“ Sicher, die Gebühren sind ein Argument, aber sicher nicht das Hauptargument für eine Wertpapieranlage. Wenn ich z.B. bei einem Hedgefund jährlich (habe so einen, der auch im letzen Jahr 6% netto für mich erwirtschaftete) zwischen 5-8% netto verdiene, ist es mir doch egal, ob der Fund 2% häuscht! Immer dieses Geiz ist Geil-Gehabe.

  • René Wenger sagt:

    Den Kundenberater gibt es nicht. Das ist eine Mogelpackung. Er will den Kunden nicht beraten, sondern ihm das andrehen, an dem die Bank und auch er am meisten verdient. Ein Fond hat Kosten wie Entschädigungen etc. Damit ich diese nicht mittragen muss, investiere ich nur in Aktien.

  • Urs Schmidlin sagt:

    Werter Herr Spieler
    Ich verfolge täglich mit Interesse Ihre Kolumnen bezüglich Geldberater und vor allem sonntags die Börse. Es würde mich Ihre Meinung interessieren zu den beiden Aktien Valiant und DKSH. Beide Titel befinden sich im unteren Level. Bei DKSH soll nächsten Frühling ein Top-Manager der Straumann Holding einsteigen!
    Besten Dank im Voraus für Ihre Antwort.

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