Was tun mit der gesparten Million?

Das Vermögen bloss zu horten, kostet Geld. Hier sind einige clevere Vorschläge jenseits des Spekulierens.

Hauptsache sicher: Gerade im Alter möchte man beim Sparbatzen keine Risiken eingehen. Foto: iStock

Mein lediger Onkel (89) wohnt seit rund einem Jahr im Pflegeheim. Sein Haus wurde verkauft. Sein Erspartes von rund einer Million Franken liegt zum grossen Teil auf neun Sparkonten verteilt. Doch was soll nun mit den 700’000 Franken aus dem Hausverkauf passieren? C.W.

Ich verstehe gut, dass Ihr Onkel im höheren Alter nicht spekulieren möchte und sein Erspartes sehr konservativ mehrheitlich auf dem Konto liegen lässt. Wie Sie mir schreiben, hat er ein Leben lang gespart. Da will man seinen Sparbatzen nicht aufs Spiel setzen.

Dennoch ist es schade, dass der hohe Betrag von rund einer Million Franken weitgehend auf den Konten brachliegt. Immerhin hat Ihr Onkel das Geld auf verschiedene Banken verteilt. So verringert sich das Risiko bei einem Bankkonkurs. Durch die gesetzliche Einlagensicherung wären lediglich 100’000 Franken pro Kunde und Bank gesichert, wenn eine der Banken zusammenbrechen würde.

Allerdings verliert man mit Geld, das man einfach auf dem Konto parkiert: Erstens gibt es kaum mehr Zins, und zweitens nagen die Gebühren und die zugegebenermassen tiefe Teuerung am Ersparten. Gerade weil Ihr Onkel viel gespart hat und heute gemäss Ihren Angaben rund 8000 Franken monatlich für das Pflegeheim benötigt, wäre es sinnvoll, wenn er wenigstens etwas Ertrag auf seinem Geld erwirtschaften könnte. Erst recht stellt sich die Frage, wie er etwas Ertrag erzielen könnte für die zusätzlichen 700’000 Franken, die aus dem Hausverkauf zu seinem Vermögen dazukommen.

Interessanterweise hält er neben drei anderen Aktien auch ein paar Titel der Swiss Life. Gerade diese Aktien sind typische Dividendenperlen. Aus meiner Sicht wäre es daher sinnvoll, wenn er den Bestand an Swiss-Life-Aktien noch etwas erhöhen würde und auch einige andere Dividendenperlen wie Zürich, Swisscom, Nestlé, Swiss Re, Novartis oder Helvetia dazunehmen würde. Solche Aktien sind allerdings deutlich stärkeren Schwankungen ausgesetzt.

Weil der weitaus grösste Teil des Geldes aber ohnehin stockkonservativ auf den Konten liegt, relativiert sich das Risiko auf das Gesamtvermögen bezogen stark. Immerhin hätte er wenigstens auf einem Teil des Geldes etwas Ertrag. Solange er die Aktien nicht verkauft, spielen die Kursausschläge ohnehin keine Rolle.

Wenn ihm das zu riskant ist, was ich durchaus verstehen kann, würde ich einen Teil des Geldes wenigstens in mehrere passiv verwaltete Obligationenfonds mit tiefen Gebühren investieren. Sehr sichere Anleihen in Franken sind zwar auch ein Negativgeschäft. Obligationenfonds können aber bei der Schuldnerqualität breit diversifizieren und erreichen so etwas Rendite. Etwas mehr werfen auch ausländische Anleihen ab, wie man sie auch mit Fonds abdecken könnte.

Eine Überlegung wert wäre aus meiner Sicht, einen Teil des Geldes in die 2,125% Additional Tier 1 Anleihe der Zürcher Kantonalbank zu investieren. Generell bin ich gegenüber Tier-1-Anleihen skeptisch eingestellt, da man im Krisenfall des Schuldners Gefahr läuft, sein investiertes Geld zu verlieren. Im Fall der ZKB halte ich die Risiken hingegen für vertretbar, da das Institut zu den wenigen Banken weltweit gehört, die ein Bestrating der internationalen Ratingagenturen ausweisen. Zudem hat die ZKB eine Staatsgarantie des ebenfalls sehr soliden Kantons Zürich.

Mehr Ertrag würden auch Fremdwährungsanleihen – insbesondere in US-Dollar – bringen, aber dann ist Ihr Onkel zusätzlich einem Währungsrisiko ausgesetzt.

Das sind alles nur punktuelle Vorschläge – besser wäre es, für das ganze Geld eine Strategie auszuarbeiten, die vor allem auch dem Umstand Rechnung trägt, dass Ihr Onkel mit dem Bezug von monatlich 8000 Franken einen Vermögensverzehr vornehmen muss. Sie sehen aber, dass es derzeit wegen der rekordtiefen Zinsen extrem schwierig ist, mit einer konservativen Strategie überhaupt einen vernünftigen Ertrag zu erreichen.

Nichtsdestotrotz rate ich Ihnen, von einer oder besser mehreren Banken konkrete Anlagevorschläge zumindest für die zusätzlichen 700’000 Franken einzuholen und das Geld anzulegen. Diese ebenfalls auf die neun Konten einfach zu verteilen, macht definitiv keinen Sinn.