Hypothek-Erneuerung? Kein Grund zur Eile!

Warum Sie sich eine vorzeitige Erneuerung der Hypothek vorläufig sparen können.

Entspannte Prognosen: Die Hypothekarzinsen könnten künftig noch tiefer ausfallen. Foto: iStock

Im Dezember 2020 läuft unsere Festhypothek aus. Bereits meldete sich der Kundenberater bei uns mit der Einladung zu einem Gespräch, weil die Konditionen jetzt einmalig tief seien. Wir verzichteten auf das Gespräch. Da wir beide im AHV-Alter sind, kann sich im Leben schnell alles verändern. Haben wir richtig gehandelt? Weshalb will die Bank die Kunden so frühzeitig mit einem Vertrag an sich binden? B.B.

Es stimmt, dass die Zinsen für Festhypotheken derzeit extrem tief sind. Ob es Sinn macht, diese tiefen Sätze jetzt möglichst rasch vertraglich abzusichern, hängt davon ab, von welchem Zinsszenario Sie ausgehen.

Wenn jemand glaubt, dass die Zinsen bald steigen, würde es Sinn machen, die tiefen Sätze jetzt schon – also auch einige Zeit vor dem Auslaufen der bisherigen Hypothek – anzubinden. Wenn man aber damit rechnet, dass die Zinsen noch längere Zeit tief bleiben, macht das wenig Sinn.

Persönlich gehe ich davon aus, dass die Zinsen in der Schweiz – und damit auch die Hypothekarzinsen – wohl noch einige Zeit sehr tief bleiben werden. In den USA ist die Notenbank daran, die Zinsen wieder zu lockern. Und auch in Europa hat die Europäische Zentralbank (EZB) unmissverständlich signalisiert, dass sie wegen der schwächeren Konjunkturaussichten noch einmal eine Lockerung der Geldpolitik vorsieht. Laut EZB könnten die Leitzinsen nicht nur tief bleiben, sondern bis Mitte 2020 nochmals sinken. Auch neue Anleihenkäufe werden geprüft, ebenso wie ein Staffelsystem, um die Folgen der jahrelangen Strafzinsen für Banken abzumildern.

Da die Schweizerische Nationalbank stark vom Kurs der EZB abhängig ist, weil der Franken sonst an Stärke gewinnt, bedeutet dies, dass die Zinsen auch bei uns auf einem historischen Tief bleiben oder sogar noch tiefer gehen könnten. Falls nämlich die EZB die Zinsen tatsächlich senkt, könnte die Nationalbank gezwungen sein, den bisherigen Negativzins von 0,75 Prozent auf –1 Prozent auszuweiten.

Aus meiner Sicht haben Sie keinen unmittelbaren Handlungsbedarf bei Ihrer erst im Dezember des nächsten Jahres auslaufenden Hypothek. Aus Sicht der Bank sieht die Sache natürlich anders aus. Sie hat ein Interesse, ihre bestehenden Kunden möglichst auch in Zukunft an sich zu binden. Das ist verständlich, denn Hypotheken sind für die Banken ein gutes Geschäft, und es herrscht ein harter Konkurrenzkampf unter Banken und vermehrt auch unter Versicherungen und Pensionskassen.

Sie könnten ja noch auf die Idee kommen, bei einem Konkurrenten eine Gegenofferte einzuholen und aus Sicht der Bank im schlimmsten Fall abspringen. Teilweise verlangen Institute auch noch Gebühren, wenn man die tiefen Zinsen bereits früh fixieren will. Angesichts der derzeitigen Zinsaussichten können Sie sich das aus meiner Sicht sparen.

Hinzu kommt, dass ich es verstehe, wenn Sie sich gerade im Alter eine gewisse Flexibilität bewahren möchten. Immerhin – und das finde ich positiv – bemüht sich Ihre Bank um Sie und gewährt Ihnen trotz Ihres höheren Alters weiter eine Hypothek, was bei einigen Banken nicht in jedem Fall garantiert ist.

Nehmen Sie es daher locker und machen Sie vorerst einmal gar nichts. Ich würde die Geldpolitik der Nationalbank und auch die Hypozinsen weiter im Auge behalten und dann im Laufe des nächsten Jahres in einem Gespräch mit der Bank Ihre Optionen ausleuchten. Grund für Eile gibt es definitiv nicht, auch wenn die Bank drängt.