Der Haken bei Staatsanleihen

Obligationen tragen zur Diversifizierung des Portfolios bei. Doch Anleger sollten die Risiken kennen.

Staatsanleihen sind nicht per se sicher: Mit ihnen verliert man phasenweise auch Geld. Foto: iStock

Meine Geldanlage besteht im Moment aus einzelnen Qualitätsaktien, ETFs, Immobilienfonds und etwa zu 5 Prozent aus einem Gold-ETF. Nun habe ich gehört, dass Obligationen zur Diversifizierung beitragen. Ich fand einen interessanten ETF, den iShares USD Treasury Bond 20+yr UCITS ETF (Dist). Was sind Ihre Gedanken dazu? P.S.

Es stimmt, dass Obligationen zur weiteren Diversifizierung Ihres Portfolios beitragen. Anleihen sind wie Aktien, Immobilien und Rohstoffe eine der wichtigsten Anlageklassen. Daher macht es grundsätzlich Sinn, wenn Sie in Ihrem breit diversifizierten Depot auch Obligationen aufnehmen.

Mit dem von Ihnen erwähnten Exchange Traded Fund iShares USD Treasury Bond 20+yr UCITS setzen Sie kostengünstig voll auf US-Staatsanleihen, denn das Produkt bildet möglichst genau einen Index nach, der aus auf US-Dollar lautenden Staatsanleihen mit langer Laufzeit besteht, die vom amerikanischen Staat herausgegeben wurden.

Diese US-Treasury-Bonds sind ebenso wie die Schweizer Bundesobligationen bei vielen Investoren beliebt, weil sie eine sehr hohe Sicherheit bieten. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Ihr Geld nicht mehr zurückerhalten, ist bei diesen Papieren sehr gering.

Staatsanleihen sind allerdings nicht per se sicher. Wenn Sie statt der US-Treasury-Bonds etwa auf argentinische Staatsanleihen setzen würden, müssten Sie damit rechnen, dass Sie Ihr investiertes Geld teilweise oder ganz verlieren, weil der Staat Argentinien wieder mal pleite ist. Daher sollte man auch bei einem Investment in Staatsanleihen genau auf die Schuldnerbonität achten. Bei einem Investment in US-Staatsanleihen, wie Sie es planen, besteht indes kaum ein Ausfallrisiko.

Einen Haken hat die Anlage in sichere Staatsanleihen allerdings in anderer Hinsicht. Die meisten Investoren sind sich bei einem Investment in Staatsanleihen nicht bewusst, dass Sie damit in vielen Phasen real Geld verlieren. Man sollte nicht nur den Zins, den die Anleihe verspricht, anschauen, sondern auch die Teuerung und die Gebühren mitberücksichtigen.

In einer neuen Studie weist Christoph Schenk, Chief Investment Officer der Zürcher Kantonalbank, auf die Problematik der real erzielten Negativrenditen bei vielen Staatsanleihen hin. Im Falle der Schweizer Bundesobligationen ist es heute offensichtlich, dass man ein Verlustgeschäft macht, da sich die Rendite der zehnjährigen Eidgenossen mehr als Minus eins Prozent im Negativbereich bewegt. In anderen Phasen war dies weniger offensichtlich.

Die Analyse von Christoph Schenk kommt für konservativ investierende Anleger zu einem ernüchternden Schluss: «Seit 1960 waren in 30 Prozent aller Perioden die Realrenditen der Staatsanleihen der USA, Frankreich, Deutschland, der Schweiz und Kanada negativ».

Es ist somit nicht ein ganz neues Phänomen, dass man mit Staatsanleihen phasenweise Geld verliert. «Negative Realrenditen sind historisch gesehen nichts Spezielles. Neu ist, dass die negativen Realrenditen quasi nackt auf dem Tisch liegen», sagt Schenk. In der Vergangenheit hätten positive Nominalrenditen die reale Enteignung kaschiert. Und: «Aktuell haben nur die USA und Kanada von den erwähnten Staaten noch positive Realrenditen». Damit wären Sie mit Ihrem Fokus nur auf US-Treasury-Bonds im positiven Bereich. Doch auch dies könnte sich ändern.

Christoph Schenk kommt in seiner Studie über real erzielte Negativrenditen nämlich zum Schluss: «Investoren werden sich an die Tatsache gewöhnen müssen, dass zur Verhinderung einer Rezession die Zentralbanken keine Fluchtplätze in sicheren Anlagen bereitstellen werden. Die Zentralbanken sagen uns damit: Brauche dein Geld oder investiere es! Wenn du dies nicht tust, werden wir dich ärmer machen in Form von negativen Realrenditen und entlasten so gleichzeitig die Staaten als Schuldner».

Vor diesem Hintergrund würde ich Staatsanleihen im Depot nur schwach gewichten und lieber stärker auf Qualitätsaktien wie Nestlé, Roche und Novartis setzen, die Ihnen im aktuellen Tiefzinsumfeld auch real eine positive Rendite abwerfen.

Allerdings müssen Sie mit den damit verbundenen starken Kursschwankungen leben können und sich bewusst sein, dass auch hohe Dividendenrenditen nie garantiert sind.