Die Grenzen unseres Geldschöpfens

Warum es gefährlich ist, wenn die Notenbank immer mehr Geld druckt.

Franken in Serie: Seit der Finanzkrise ist die Geldmenge in der Schweiz um über 1000 Prozent gestiegen. Foto: PD

Einmal mehr wird die Schweizer Wirtschaft durch den starken Franken belastet. Offenbar flüchten wieder einige Nationalbanken, Banken und Anleger in den Schweizer Franken. Ich wundere mich, weshalb die Nationalbank nicht einfach Schweizer Franken druckt und damit Fremdwährungen kauft. Wenn der Hype vorbei ist, könnten die Schweizer Franken wieder zurückgekauft und vernichtet werden. Wo ist das Problem bei dieser Überlegung? H.N.

Was Sie anregen, macht die Schweizerische Nationalbank bereits seit langem: Sie kauft im grossen Stil Fremdwährungen und versucht so, den Franken abzuschwächen. Dass die Nationalbank auch in den letzten Wochen regelmässig an den Devisenmärkten interveniert hat, zeigen die Sichtguthaben der inländischen Banken. Die sind stark gestiegen.

Möglich sind die enormen Käufe von Fremdwährungen durch eine Ausweitung der Geldmenge. Vereinfacht gesagt, bedeutet das, dass die Nationalbank, so wie alle anderen grossen Notenbanken der Welt, längst die Notenpresse angeworfen hat und Geld druckt. Sie hat mehr Franken ins System gegeben und dadurch die Geldmenge ausgeweitet.

Hierzulande hat das ein enormes Ausmass angenommen: Seit der Finanzkrise vor rund zehn Jahren ist die Geldmenge in der Schweiz um über 1000 Prozent gestiegen und übertrifft selbst die Ausweitung der Geldmenge der Europäischen Zentralbank, die ebenfalls seit Jahren eine ultralockere Geldpolitik verfolgt. Diese ausgeweitete Geldmenge zurückzufahren, ohne dass die Konjunktur Schaden nimmt, ist sehr schwierig.

Was die Notenbanken seit Jahren mit ihrer Politik des spottbilligen Geldes und den Negativzinsen hierzulande praktizieren, ist aus meiner Sicht ein gefährliches Experiment mit unsicherem Ausgang. Interessant ist, dass die Devisenkäufe der Nationalbank momentan nur noch bedingt greifen: Trotz der Interventionen der SNB zugunsten des Euro notiert die europäische Einheitswährung seit Wochen unter 1.09 Franken. Über kurz oder lang dürfte der Euro zum Franken sogar noch weiter an Wert verlieren.

Die Nationalbank ist stark von der Europäischen Zentralbank abhängig. Wenn diese bis Ende Jahr die Zinsen noch mehr senkt, wovon man ausgehen kann, kommt die SNB erneut unter Zugzwang. Wenn sie nichts tut, wird der Franken noch stärker. Aufgrund der massiven Devisenkäufe hat sich die Bilanz der Nationalbank stark aufgebläht. Die damit verbundenen Risiken werden aus meiner Sicht unterschätzt, da die Notenbank ihre Bilanz nicht einfach locker abbauen kann.

Ohnehin halte ich es für falsch, wenn nur die Nachteile des starken Frankens beleuchtet werden. Die Stärke unserer Währung ist Ausdruck von Vertrauen in den Franken und in die Stabilität unseres Landes. Deswegen flüchten in unsicheren Zeiten viele ausländische Investoren in den Schweizer Franken. Die Erstarkung des Frankens ist nicht einfach ein Hype, sondern hat nachvollziehbare Gründe.

Zweifellos hat der starke Franken negative Auswirkungen für den Export und den Tourismus. Gleichzeitig sollte man aber auch die negativen Folgen der Negativzinsen der Nationalbank für die Altersvorsorge und die Sparer vor Augen halten. Zudem hat der starke Franken für die Konsumentinnen auch Vorteile. Durch den Kauf von Euro und Dollar kann die Nationalbank temporär gegen eine weitere Erstarkung des Frankens ankämpfen.

Auf lange Sicht funktioniert das aber nicht. Sollten die globalen Unsicherheitsfaktoren weiter zunehmen, der Handelsstreit zwischen den USA und China weiter ungelöst bleiben und sich die Konjunktur in Europa stark abschwächen, verlieren die Devisenkäufe der SNB zunehmend an Wirkung, und eine weitere Abwertung des Euro zum Franken dürfte kaum vermeidbar sein.