Georg Fischer fährt Achterbahn

Das Geschäftsportfolio hat sich in den letzten Jahren hin zu mehr Stabilität verändert: Ein Mitarbeiter der Georg Fischer AgieCharmilles bei der Montage einer Maschine. Foto: Keystone

Die Aktien der Industriegruppe Georg Fischer sind an der Börse für ihre hohen Kursschwankungen bekannt. Nach dem harschen Rückgang im letzten Jahr von 1400 auf 750 Franken haben sich die Titel im Frühling bis auf 1050 Franken erholt. Dann kam ein etwas enttäuschendes Halbjahresergebnis mit einem Gewinnrückgang um 34 Prozent. Die Kurse rutschten erneut unter 800 Franken. Im Zug der jüngsten Erholungsbewegung in zyklischen Aktien, denen Georg Fischer zugehören, sind jetzt wieder Kurse gegen 900 Franken zu sehen. Für mich steht diese Volatilität im Kontrast zur mittelfristigen Unternehmensentwicklung. Das Geschäftsportfolio hat sich in den letzten Jahren hin zu mehr Stabilität verändert. Nur noch ein Fünftel des Umsatzes entfällt auf die Autoindustrie, knapp die Hälfte dagegen auf das ziemlich defensive und profitable Geschäft mit Rohrleitungssystemen. Dazu kommt, dass der Gewinnrückschlag vom ersten Semester wohl den Tiefpunkt des Abschwungs von Georg Fischers Ergebnis markiert. Die Marge soll von den angepeilten rund 8 Prozent im laufenden Jahr auf 9 bis 10 Prozent im Jahr 2020 steigen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14 scheinen mir die Titel zudem moderat bewertet. Schweizer Industrieaktien weisen im Durchschnitt ein KGV von 19 auf. Kaufen

Dormakaba sind eine Überlegung wert

«Buy on bad news», so lautet eine alte Börsenregel. Ob ich diese auch auf Dormakaba anwenden kann? Der Sicherheitstechniker hat am Donnerstag ein Jahresergebnis vorgelegt, das noch ein wenig glanzloser ausfiel, als es Marktbeobachter ohnehin erwartet hatten. Der Kurs gab zwar etwas nach, brach aber nicht wirklich ein; der Markt hatte also weitgehend eingepreist, was da wohl kommen würde. Geradezu mündelsichere Kaufkurse, sozusagen «No Brainer», sind das zwar nicht (davon könnte ab unter 600 Franken die Rede sein), und die sehr zurückhaltend formulierte Guidance der Unternehmensleitung ist nicht der Treibstoff für eine Kursrakete. Dennoch: Ich denke, eine Tranche Dormakaba erträgt es im Depot durchaus. Die Einstufung des Unternehmenswerts ist nicht mehr so fantastisch wie anno 2017, sondern realistisch. Allein schon die Dividendenrendite von derzeit rund 2,4 Prozent ist recht erbaulich, und ich gehe davon aus, dass die Dividende weiter steigen dürfte, Franken für Franken. Im Negativzinsumfeld, in dem das Halten von Bargeld keinen Ertrag bzw. sogar Kosten bringt, sind solche – vielleicht gar beruhigend langweilige – Mid Caps durchaus eine Überlegung wert. Dosiert kaufen

Abwarten bei Landis + Gyr

Immer wieder bin ich erstaunt, wie flott es an der Börse gehen kann: Landis + Gyr war Ende 2018 noch die am häufigsten leer verkaufte Aktie des Swiss-Performance-Indexes. Seither hat der Kurs um über 50 Prozent zugelegt. Aus den Top 10 der leer verkauften Titel ist die Herstellerin von Stromzählern verschwunden. In der Schweiz ist die Energieversorgung zwar noch lange nicht überall 3-D – digitalisiert, dekarbonisiert, dezentralisiert –, und damit sind nicht alle Energieversorgungsunternehmen smarte Kunden der Firma mit Sitz in Zug. International hingegen machen einige Länder vorwärts und passen die Regulierung an. Das spürt Landis + Gyr. Sie differenziert sich mit Dienstleistungen zur Analyse von Energieproduktion und -verbrauch und stattet nicht mehr bloss Kellerräume mit altbackenen Geräten aus, für die sich kaum jemand interessiert. Auch die Aktien bekamen in den Monaten seit Publikation der zuletzt überraschend guten Geschäftszahlen viel Aufmerksamkeit – und heute sind mir die Titel nun zu teuer. Zudem kämpft Landis + Gyr weiterhin mit Lieferengpässen. Abwarten

Randvolle Auftragsbücher bei Stadler Rail

Die Aktien von Stadler Rail hingegen gefallen mir. Ich gebe es zu, ich bin ein Zugfan. Aber man soll sich ja bei Investments nicht allein durch seine persönlichen Vorlieben leiten lassen. Seit dem ersten Tag nach dem Börsengang ist der Aktienkurs zwar praktisch gleich hoch, aber das kann sich ja noch ändern. Denn die Auftragsbücher des Zugbauers sind mit Bestellungen für 14 Milliarden Franken proppenvoll. Und das Betriebsergebnis soll mittelfristig bei 8 bis 9 Prozent liegen, was über dem Branchendurchschnitt liegt. Vertrauen in die Aktien gibt mir auch Ankeraktionär und Verwaltungsratspräsident Peter Spuhler, ein Unternehmer durch und durch. Er sorgt aber auch als Investor dafür, dass der Schienenbauer Aufträge erhält, indem er Kunden finanziell unter die Arme greift, damit sie bei Stadler Züge kaufen. Und öffentliche Transportmittel mit guter Umweltbilanz sind wegen des Bevölkerungswachstums, der Urbanisierung und des Klimawandels immer mehr gefragt. Kaufen

Trainline verkauft die meisten Zugtickets

Ich bleibe gerade beim Zugverkehr. Sie haben diese Situation sicher auch schon erlebt: Sie brauchen dringend ein Zug- oder Busticket, doch weit und breit ist kein freier Billettautomat in Sicht. Kein Wunder, lösen immer mehr Reisende ihr Ticket bequem per Smartphone – etwa über die App von Train­line. Das britische Unternehmen ist der europäische Marktführer und agiert inzwischen als Vertriebspartner für mehr als zweihundert Verkehrsbetriebe, darunter auch die SBB. Einnahmen generiert Trainline primär über die Provisionen, die es von den Verkehrsbetrieben für elektronisch verkaufte Billette erhält. Dank immer höheren Passagierzahlen und der steigenden Popularität des Onlinekanals dürfte das Unternehmen auch in den kommenden Jahren stark wachsen. Zudem profitiert es vom Netzwerkeffekt. Denn mit jeder neuen Kooperation verbessert sich die Fähigkeit, möglichst effiziente und kundenfreundliche Verbindungen anzubieten. Kaufen

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