So subventionieren Junge die Rentner

Pensionierte erhalten jährlich 6,8 Prozent des obligatorischen Teils ihres angesparten Vermögens. Unser Geldexperte erklärt, warum das viel zu hoch ist.

Schrumpfende Renten: Erwerbstätige werden künftig tiefere Renten erhalten als heutige Rentner. Foto: iStock

Eine pensionierte Person erhält aktuell als Rente jährlich 6,8% des obligatorischen Teils ihres während der Erwerbstätigkeit angesparten Vermögens. Sie erhält jedoch nichts von der durch die Pensionskasse erwirtschafteten Rendite aus der Anlage des restlichen Vermögens nach der Pensionierung. Ich frage mich, ob dieser Ertrag eigentlich nicht den Rentnern zustehen würde? S.N.

Bei den Pensionskassen kommt hierzulande das Kapitaldeckungsverfahren zur Anwendung. Dabei wird über viele Jahre hinweg ein Altersguthaben gebildet. Dieses setzt sich aus den Beiträgen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber und den jährlich erwirtschafteten Renditen auf dem Kapital zusammen und ist dann bei der Pensionierung die Basis für die Renten.

Beim Kapitaldeckungsverfahren spart jeder Versicherte der Pensionskasse für sich selbst. Die einen sparen mehr, weil sie mehr Beiträge leisten oder sogar noch freiwillige Einzahlungen tätigen, die anderen etwas weniger. Entsprechend sind die Renten unterschiedlich, die man bei der Pensionierung erhält.

Anders bei der AHV. Dort kommt das Umlageverfahren zum Zug. Hier werden die eingezahlten Gelder laufend für andere Versicherte genutzt. Die laufenden Verpflichtungen werden somit mit den laufenden Einnahmen finanziert.

Bei der Pensionskasse wird gespart, solange man erwerbstätig ist und als Versicherter der Pensionskasse aktiv Beiträge leistet. Mit dem Erreichen des Rentenalters bzw. der Pensionierung wird nicht mehr gespart, sondern das durch die Beiträge und die Kapitalrenditen angehäufte Geld in die Rente umgewandelt. Der Sparprozess ist abgeschlossen – somit bekommt man auch keine Renditen mehr auf dem Geld, dafür aber die Rente.

Anders ist es, wenn Sie das Kapital beziehen: Dann können Sie auf der Basis des Kapitals einen Vermögensverzehr vornehmen und sich monatlich einen bestimmten Betrag auszahlen lassen. Das übrige Geld können Sie hingegen weiter investieren und im positiven Fall von einer Rendite profitieren.

Sie tragen aber gleich im doppelten Sinne ein Risiko: einerseits das Anlagerisiko, anderseits das Langlebigkeitsrisiko. Wenn jemand sehr alt wird, reicht unter Umständen das Kapital nicht. Beim Rentenbezug indes trägt die Pensionskasse beide Risiken, die nicht zu unterschätzen sind.

Dazu kommt, dass wir heute bei den Pensionskassen eine Umverteilung von den Jungen zu den Rentnerinnen beobachten. Laut Erhebungen der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK) werden schon seit fünf Jahren jedes Jahr mehr als 7 Milliarden Franken von aktiven Versicherten und Arbeitgebern zu den Rentenbezügern umverteilt. Die aktiven Erwerbstätigen subventionieren somit die Rentner.

Schon heute ist klar, dass die heute Erwerbstätigen künftig tiefere Renten erhalten als die heutigen Rentner, da die Umwandlungssätze für die Berechnung der Renten bei den meisten Pensionskassen deutlich gesunken sind. Im obligatorischen Teil beträgt der gesetzliche Umwandlungssatz zwar immer noch 6,8 Prozent, was laut den Pensionskassen angesichts der gestiegenen Lebenserwartung und der rekordtiefen Zinsen viel zu hoch ist.

Im überobligatorischen Teil sind die Umwandlungssätze hingegen stark reduziert worden, was alles in allem dazu führt, dass die Renten gesamthaft zurückgehen. Die aktuellen Rentner hingegen müssen keine Kürzungen in Kauf nehmen. Die bestehenden Renten sind tabu.