So risikobehaftet sind UBS-Aktien

Viele Bankpapiere werden in nächster Zeit unter Druck geraten. Darunter auch die UBS-Aktien.

Sind günstig und haben eine hohe Dividendenrendite: UBS-Aktien. Foto: Keystone

Die UBS-Aktie ist unter 10 Franken gefallen. Ich habe ein ausgewogenes Depot ohne die UBS und überlege mir, ob ich zukaufen soll. Die Risiken sind mir bewusst, den Zeithorizont, um auf einen höheren Kurs zu warten, hätte ich. C.H.

Dass die UBS-Papiere unter 10 Franken gefallen sind, hat bei den Investoren durchaus eine psychologische Wirkung. Die Aktie notiert so tief wie seit sieben Jahren nicht mehr. Auch im Vergleich zum Gesamtmarkt haben sich die Papiere im bisherigen Jahr enttäuschend entwickelt.

Das hat mehrere Gründe. Die Turbulenzen und die vielen Unsicherheitsfaktoren an den Finanzmärkten bringen auch für den Geschäftsgang der UBS im zweiten Halbjahr viele Fragezeichen. Jedenfalls machen es die weiter sinkenden Zinsen und die immer mehr zur Vorsicht neigenden Kundinnen und Kunden für die UBS schwierig, ihre Wachstumspläne umzusetzen.

Zwar waren die Zahlen zum zweiten Quartal keineswegs schlecht. Bei genauerem Hinschauen stellt man aber fest, dass in der Kernsparte Vermögensverwaltung der bereinigte Vorsteuergewinn weiter schrumpfte. Ursprünglich hat die Bank in Aussicht gestellt, den bereinigten Vorsteuergewinn in der Vermögensverwaltung bis 2021 um 10 bis 15 Prozent zu steigern. Ich habe grosse Zweifel, dass dieses Ziel erreicht werden kann.

Viele Kunden dürften sich angesichts der zahlreichen Marktunsicherheiten und den Ängsten vor einer Rezession mit Neuengagements zurückhalten und sich wohl eher konservativ verhalten. Wenn weniger Transaktionen getätigt werden, drückt das die Marge. Zudem dürfte der Nettozinsertrag im Zuge der weiteren Zinssenkungen weiter abnehmen.

Über das eigentliche Geschäft hinaus Sorgen machen mir im Falle der UBS aber auch die rechtlichen Risiken. In diesem Sommer hat das Bundesgericht grünes Licht gegeben für die Weitergabe von UBS-Kundendaten an ausländische Steuerbehörden. Das schwächt die Bank im milliardenschweren Verfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung und Geldwäsche, das gegen die Bank in Frankreich in Gange ist.

Bereits zuvor hatte ein französisches Gericht die UBS in erster Instanz zu einer Zahlung von insgesamt 4,5 Milliarden Euro verurteilt. Immerhin hat die UBS das Urteil angefochten. Das Bundesgerichtsurteil hat ihre Position in dem Rechtsstreit aber verschlechtert. Auf jeden Fall dürfte die Bank noch während Jahren mit dem Rechtsstreit in Frankreich konfrontiert sein.

Darüber hinaus hat das aus meiner Sicht höchst problematische Bundesgerichtsurteil auch Türen für ähnliche Anfragen von anderen Staaten weit geöffnet. Bereits wurde bekannt, dass nach Frankreich und Belgien auch Italien Auskünfte zu ehemaligen UBS-Kunden einfordert. Es drohen somit weitere Rechtsstreitigkeiten, welche die Bank viel Geld kosten könnten.

Sie haben recht, dass die UBS-Aktien günstig sind und sich durch eine hohe Dividendenrendite auszeichnen. Dennoch bin ich skeptisch. Wenn Sie jetzt bei den UBS-Papieren einsteigen, haben Sie keine Garantie, dass die Papiere nicht noch tiefer sinken. Vor allem aber brauchen Sie einen langen Atem.

Nicht nur die UBS-Aktien, auch die meisten anderen Bankpapiere dürften in nächster Zeit unter Druck bleiben.

5 Kommentare zu «So risikobehaftet sind UBS-Aktien»

  • Peter Rohner sagt:

    Bei Einzelaktien lohnt es sich, neben einer Fundamentalanalyse auch auf das Momentum zu achten:
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Fundamentalanalyse
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Momentum_(Chartanalyse)

    Aktien, die runter gegangen sind, haben die Tendenz, weiterhin runter zu gehen — und umgekehrt.

    Was sicher ist: Bei der UBS-Aktie ist keine Eile nötig (bei den anderen Bankentiteln auch nicht). Beobachten, warten, kaufen, warten, ärgern, nochmals kaufen, warten, zweifeln, freuen usw.

    Wie schön habe ich es da als ETF-Käufer: Kaufen und mich den wirklich schönen und interessanten Dinge im Leben zuwenden 😉

    • Heinrich Blatti sagt:

      Für mich gehören auch die Finanzmärkte mit all den einfachen bis komplexen Produkten zu den wirklich schönen und interessanten Dingen im Leben. Jedem Tierchen sein Plaisierchen…

  • Alain Surlemur sagt:

    Sehen Sie sich mal die Kurse der europäischen Grossbankaktien im Langfristigen Chart, also > 20 Jahre an. Si ewerden feststellen dass damit als Buy and Hold Investor kein Geld zu verdienen war.

    Wenn es den Grossbanken gut läuft profitiern zuerst einmal die „unverzichtbaren Spezialisten“ und „famosen Manager“ mit höheren Boni. Die Aktionäre bekommen eventuell die Brosamen in Form einer kleinen Dividendenerhöhung.
    Läufts mal nicht so gut wird als Erstes die Dividende gestrichen

    Kopf, ich gewinne, Zahl, du verlierst

    Ich fasse solche Papiere nicht mal mit einer Zange an. Die Zockerei überlasse ich den Spekulanten

    • urs brand sagt:

      Dumm nur, dass jeder und jede in der Schweiz über den AHV Fond und die Pensionskasse so oder so in diesen Bankaktien investiert ist, ob Mann/Frau will oder nicht.

  • Joe Miller sagt:

    Schon traurig zuzusehen, wie einstige Flaggschiffe der CH-Wirtschaft vor die Hunde gehen….
    Das Bundesgerichtsurteil war wohl ein tragischer – möglicherweise durch Gruppendynamik und einer Verkettung ungünstiger menschlicher Gefühle – so ausgefallen ist, dass es wohl nicht nur die UBS sondern den Finanzplatz als solches schwächt. Unter Fr. 10.– wird die UBS ein Uebernahmekandiat u.U. auch durch chinesische oder arabische Finanzinstitute.

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