Wie man sich einfach ein Portfolio bildet

Mit ETFs oder Indexfonds kann man breit diversifiziert und kostengünstig investieren.

Diversifikation: Für alle grossen Anlageklassen gibt es Exchange Traded Funds (ETFs), die ganze Märkte abdecken. Foto: iStock

Wir haben bei einer Bank einen verwalteten Fonds und möchten auch wegen der hohen Gebühren lieber selber in ETFs investieren. Welche ETFs müssten wir haben, um einigermassen weltweit diversifiziert investiert zu sein? Unser derzeitiger Fond hat einen Aktienanteil von maximal 40 Prozent. Wir könnten sukzessive bis zu 250’000 Franken investieren und haben einen mittelfristigen Zeithorizont. A.P.

Damit Sie eine gute Diversifikation für Ihr Vermögen erreichen, müssten Sie alle wichtigen Anlageklassen wie Aktien, Obligationen, Rohstoffe, Immobilien und alternative Anlagen berücksichtigen. Für alle der grossen Anlageklassen gibt es Exchange Traded Funds (ETFs), mit denen Sie einen ganzen Markt oder sogar den globalen Markt abdecken können. Bei den Anleihen könnten Sie einen ETF nutzen, der sich am globalen Anleihenindex Bloomberg Barclays Global Aggregate Bond Index orientiert.

Attraktiv ist aus meiner Sicht auch ein ETF auf den US-Unternehmensobligationen-Index Bloomberg Barclays US Corporate 10+. Diesen könnten Sie mit dem Produkt SPDR Barclays 10+ Year US Corporate Bond UCITS ETF abdecken.

Abrunden könnten Sie den Anleihenanteil mit einen Instrument auf den Emerging Markets Staatsanleihen-Index J.P. Morgan EMBI Global Core mit dem Produkt iShares J.P. Morgan USD Emerging Markets Bond UCITS ETF (Acc). Die Anlageklasse Rohstoffe könnten Sie mit dem UBS ETF (IE) Bloomberg Commodity CMCI SF UCITS international breit diversifiziert abbilden.

Leicht abdecken können Sie die Anlageklasse Aktien – entweder mit einem ETF auf den bekannten Weltaktienindex MSCI-World-Index, oder indem Sie verschiedene ETFs nutzen, die sich am SMI, dem SLI, dem Euro Stoxx 50, Dow Jones oder S&P 500 und weiteren bekannten Aktienindices ausrichten. Gerade im Aktiensegment gibt es eine Vielzahl von ETFs, mit denen Sie alle wichtigen Märkte kostengünstig einbeziehen können.

Noch besser als nur einzelne ETFs zu nutzen, mit denen Sie jeweils die ganze Anlageklasse abdecken, finde ich es, wenn Sie pro Anlageklasse verschiedene ETFs einsetzen. So erreichen Sie eine noch weit breitere Diversifikation. Dank der geringen Gebühren ist dies auch für kleine Anlagebeträge problemlos möglich. Zudem können Sie die ETFs ähnlich wie Aktien während der üblichen Börsenzeiten jederzeit handeln.

Lassen Sie sich von Ihrer Bank für den vorgesehen Anlagebetrag ein breit diversifiziertes Portfolio auf der Basis von ETFs zusammenstellen. Leider machen das nicht alle Banken gleich gerne. Aber wenn Sie mit mehreren Banken sprechen, was ich Ihnen ohnehin empfehle, sehen Sie rasch, welche Institute auf Ihre Bedürfnisse eingehen und welche nicht.

Eine mögliche Alternative zu den von Ihnen erwähnten Exchange Traded Funds sind übrigens auch Indexfonds der grossen Fondsfirmen wie Swisscanto, CS oder UBS. Diese sind ebenfalls passiv verwaltet und daher günstig und richten sich ebenso wie die ETFs nach einem bestimmten Index. Auch mit solchen Indexfonds der verschiedenen Fondsanbieter können Sie kostengünstig und einfach ein breit diversifiziertes Portfolio zusammenstellen lassen.

Unabhängig davon tragen Sie immer das volle Anlagerisiko. Sie sollten sich somit genau überlegen, wie viel Risiken Sie tragen wollen, und können und Ihr Portfolio gemäss Ihrer Risikobereitschaft ausrichten und regelmässig überwachen. Denn anders als bei Ihrem aktiv verwalteten Fonds, wo der Fondsmanager die Positionen laufend überwacht, müssen Sie bei der Selbstanlage mittels ETFs das Depot und die einzelnen Positionen selbst im Auge behalten.

24 Kommentare zu «Wie man sich einfach ein Portfolio bildet»

  • Peter Rohner sagt:

    Um ein breit diversifiziertes Portfolio aufzubauen, lohnt sich ein Blick in die ETF-Factsheets von „ComStage Vermögensstrategie“:

    https://www.justetf.com/ch/find-etf.html?query=Vermögensstrategie

    Diese empfehlenswerten Vermögensstrategien kann man auch selbst mit ETFs nachbauen und die einzelnen Komponenten nach eigenem Gusto gewichten (natürlich kann man sich auch den Aufwand sparen und direkt die ComStage-ETFs kaufen; sie sind für Schweizer etwas Deutschland-lastig, aber mit einem TER von ca. 0.5% absolut ok).

    • Karl Fenner sagt:

      Die von Ihnen vorgeschlagenen Fonds sind mit ein paar Millionen Anlagevermögen aber sehr klein. Hier läuft man Gefahr, dass die Fonds bald wieder aufgelöst werden.

      • Peter Rohner sagt:

        Ja, da haben Sie absolut recht. Ich selbst kaufe nur ETFs ab einem Volumen von 100 Mio. (USD/EUR/CHF). Einer der 3 Vermögensstrategie-ETFs kommt diesem Kriterium aber schon sehr nahe.

      • Esther sagt:

        Guten Tag,
        Wenn sie sich mit Sachbüchern, der Zeitschrift
        K–Geld oder im Internet schlau machen können sie online bei jeder Bank und Postfinance alles selber kaufen und verkaufen. Wenn sie sich trotzdem lieber bei einer Bank beraten lassen, hilft es ihnen sehr wenn sie wissen was man ihnen verkaufen will.
        Bei der Bank und dem VZ gibt es keine neutralen Berater, es sind Verkäufer der hauseigenen Produkte.
        Wenn man sich ein bisschen auskennt ist es haarsträubend was einem die sogenannten Berater verkaufen wollen.

  • Paul Kellenberger sagt:

    Mit dieser Fragestellung kann ich auch den kostenlosen workshop vom VZ Vermögenszentrum empfehlen.
    https://finanzportal.vermoegenszentrum.ch/Wissen-Tools/Wissen-Tools/Workshops/Kostenlose-Workshops.html

    • Peter Rohner sagt:

      Ja, diese kostenlosen Workshops sind absolut lohnenswert. Natürlich darf man nicht vergessen, dass es sich hier um Werbeveranstaltungen vom Vermögenszentrum handelt mit dem Ziel, Kunden zu akquirieren.

      Aus meiner Sicht ist das Vermögenszentrum ein sehr guter Ort, um sein Vermögen zu verwalten (v.a. für Leute, die sich nicht selbst gross um die Vermögensverwaltung kümmern möchten).

      • rita frey sagt:

        Man muss beim VZ einfach einen grossen Bogen um alles „regelbasierte“ machen. War selber man bei so einer Infoveranstaltung dabei, die sogenannten „Experten“ vom VZ machen jeden nur möglichen Fehler und glauben danach selber, mit einfachen Regeln den Markt zu schlagen zu können.

      • Peter Rohner sagt:

        @rita
        Ja, ich gebe dir völlig recht. Diese regelbasierten Anlagestrategien sind Quatsch und arten oft in ein wildes Kaufen und Verkaufen aus (langsam sollte ja unter den Fachleuten bekannt sein, dass Markttiming nicht funktioniert). Ich selbst bin ein grosser Fan von „Buy and Hold“.

  • Peter Rohner sagt:

    Ein Blick auf die AReRo-Weltstrategie lohnt sich auch:
    https://www.justetf.com/ch/public-portfolio-profile.html?publicPortfolioId=13959173

    Den AReRo-Fonds kann man auch direkt kaufen (ISIN: LU0360863863).

  • Max sagt:

    Kann mir jemand einen guten Online-Broker für ETF empfehlen oder würden sie das über eine normale Bank machen? Danke.

    • Julian Hofer sagt:

      Schweizer Broker haben eine erhöhte Gebührenstruktur, grösstenteils noch mit Depotgebühren, meiner Meinung nach ein absolut anachronistisches Merkmal. Ich empfehle ausländische, insbesondere Interactive Brokers, evtl. Degiro. Es könnte sein, dass auch einige deutsche Direktbanken Depots für Schweizer anbieten. Dort gibt es auch den sogenannten Sparplan (regelmässiger Kauf, auch mit kleinen Summen, zu vernünftigen Orderkosten), wovon offenbar auch noch nie eine Schweizer Bank gehört hat. Tant pis!

      • Peter Rohner sagt:

        Ich kann Swissquote sehr empfehlen. Viele ETFs können für ca. 9 CHF pro Transaktion gehandelt werden (= günstig). Einen Brokervergleich für die Schweiz gibt es hier:
        https://www.justetf.com/ch/online-broker-vergleich/etfs-kaufen.html

      • Peter Rohner sagt:

        Ja, dass es in der Schweiz keine ETF-Sparpläne gibt, mutet schon etwas seltsam an (in Deutschland ist das gang und gäbe).

        Das Vermögenszentrum bietet das Produkt „Sparen mit ETF“ an; dieses geht in Richtung ETF-Sparplan (Verwaltungskosten = ETF-TER + 0.55% = nicht ganz billig, aber ok, da hier ein regelmässiges Rebalancing enthalten ist).

  • Peter Schneider sagt:

    Den dow jones zu empfehlen, wo Werte ohne jegliche Marktgewichtung zusammenaddiert werden, ist einfach abstrus. Für US-werte gibts den SP500 oder ein wenig technologielastiger den Nasdaq 100 ETF.

  • Lucas Wyrsch sagt:

    Statt ETFs ziehe ich ETNs vor, wobei börsenkotierte Venture Kapital und Private Equity Firmen über die Wells Fargo Business Development Company Index ETNs BDCS (8.72%), BDCL (22.69%), BDCZ (9.29%) und LBDC (21.04%) mit jeweilt 43 Indexbestanteilen abgedeckt werden!
    .
    Am sichersten sind allerdings ETNs, welche durch Immobilien abgesichert sind wie MORL (24.27%), MRRL (21.74%), LRET (7.22%) und REML (21.67%).
    .
    BDCS, BDCL, BDCZ, LBDC, MORL, MRRL und LRET werden von der UBS administriert und REML von der Credit Suisse.

    • Peter Rohner sagt:

      ETNs (und ETCs) eignen sich nicht für den Laien (da hier ein ungesichertes Kreditrisiko besteht und man diese Wertpapiere ständig im Aug behalten muss —> siehe Wikipedia). Für vorsichtige (und kluge) Leute also nur ETFs.

  • Martin Horn sagt:

    Ihr diskutiert hier vor allem ueber ETFs. Hallo Hallo!! Alle Indices sind in den letzten Wochen abgestuerzt und damit auch alle ETFs.
    Also jeder der so investiert macht die ganze Volatilitaet und somit das extreme Auf und Ab mit.
    Nur weil ETFs billig sind was Spesen betrifft, sind sie deshalb nur beschraenkt gut.
    Alternative ist und sind die vielen guten alten Fonds. Zwar etwas teurer vielleicht, aber dafuer aktiv verwaltet und breiter Diversifiziert.

    • Peter Rohner sagt:

      Das ist Unsinn, was Sie da erzählen. Natürlich gehen ETFs runter, wenn der Markt runter geht, aber das ist bei aktiven Fonds nicht anders (mit dem Unterschied, dass diese noch mehr an Wert verlieren als vergleichbare ETFs).

      Wer in Aktien-ETFs investiert, muss langfristig denken (ab 10 Jahre) und Buy-And-Hold betreiben (für aktive Fonds gilt natürlich dasselbe, nur fressen da die hohen Kosten die Rendite weg).

  • Karl-Heinz sagt:

    Ich bin bisher mit ETF´s sehr gut gefahren. Meine Kritereien waren 1. Größe der
    enthaltenen Unternehmen. 2. Langjährige (min. 5 Jahre) gute Ergebnisse mit relativ geringer Volatilität. 3. Vorzugsweise stabiler als der Index.
    Ich hatte vor vielen Jahren ein Anlegermagazin abonniert, es war die Zeit meiner größten Verluste. Ich vertraue heute keinem Ratgeber mehr sondern ausschließlich den Ergebnissen der Vergangenheit.

  • BeCarefull sagt:

    Vergessen Sie nicht das Gegenpartei Risiko bei indirekter Replizierung des Index. Wird bei vielen ETF gemacht und birgt in Kriesenzeiten grosse Risiken

    • Peter Rohner sagt:

      Da gilt es einfach: Synthetische bzw. Swap-basierte ETFs meiden und auf Voll- bzw. Teil-Replizierer setzen (was eh der Normalfall ist).

  • Thomas sagt:

    Ich kann truewealth sehr empfehlen. Investiert ausschliesslich in ETF, wird standartmässig ganz breit diversivizert, wenn du willst kannst du sogar alles selber auswählen. Kosten ca o.5 p.A

  • Roland Vogt sagt:

    Mich würden die Beweggründe für diesen Artikel interessieren. Er liest sich so, als wäre er von der Presseabteilung eines Fondsvertriebs verfasst worden und steht auch etwas im Widerspruch zur sonstigen Haltung des Autors.

    Gerade seine täglichen Berichte implizieren ja, dass es wichtig sei, um das kurzfristige Geschehen zu wissen und sein Portfolio immer wieder entsprechend anzupassen.
    Wer einen ETF kauft, hat per se die gegenteilige Haltung. Er triff keine Entscheidungen (ausser der Produktwahl) und überlässt die Performance-Generierung im guten Glauben vollkommen dem Markt.

Kommentar

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