Wie kann ich nachhaltig investieren?

Grüne Etikette? Der Begriff «Nachhaltigkeit» ist nicht selten ein Marketinginstrument. Foto: iStock

Unsere Tochter geht ans Gymnasium und hat uns aufgefordert, unser Depot voll auf nachhaltige Anlagen auszurichten. Ihre Argumente können wir gut verstehen, aber wir wollen auf unserem Ersparten doch eine rechte Rendite erzielen. Ist das möglich? Und was halten Sie von nachhaltigen Anlagen? C.R.

Nachhaltige Anlagen sind stark im Trend – nicht erst, seit viele junge Menschen wegen des Klimawandels auf die Strasse gehen. Besonders bei institutionellen Anlegern wie Pensionskassen und Versicherungen sind nachhaltige Anlagen hoch im Kurs.

Das Problem ist meines Erachtens, dass unter nachhaltigen Anlagen längst nicht alle dasselbe verstehen. Und dass der Begriff «Nachhaltigkeit» bei Unternehmen nicht selten ein Marketinginstrument ist – faktisch eine grüne oder soziale Etikette, um in der Öffentlichkeit gut dazustehen. Das ist dann reine Kosmetik.

In der professionellen Finanzwelt gibt es heute aber klare Kriterien für die Beurteilung der Nachhaltigkeit. Gut etabliert haben sich dabei die ESG-Kriterien. Das Kürzel ESG steht für die englischen Begriffe Environmental, Social und Governance – gemeint sind die Aspekte Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.

Es geht also nicht nur darum, ob ein Unternehmen sich dafür einsetzt, dass es keine bleibenden Schäden an der Umwelt anrichtet und Ressourcen klug nutzt, sondern auch, dass es auf soziale Aspekte etwa im Umgang mit den Mitarbeitenden, Lieferanten – auch in Schwellenländern – und mit weiteren Stakeholdern achtet und eine zeitgemässe Unternehmensführung realisiert und auch Themen wie Gleichstellung ernst nimmt.

Auf der Investmentseite haben sich viele institutionelle Anleger und immer mehr auch private Investoren zum Ziel gesetzt, möglichst nur in Firmen zu investieren, welche die ESG-Kriterien zu einem hohen Mass erfüllen.

Die meisten grösseren Banken bieten Ihnen als Kunden Researchmaterial, anhand dessen Sie sehen, wie einzelne Börsenfirmen gemäss ESG-Kriterien eingestuft werden. Ihre Bank kann Ihnen auch ein Portfolio, das auf ESG-Kriterien ausgerichtet ist, zusammenstellen. Bei kleineren Beträgen können Sie Anlagefonds nutzen, die sich auf nachhaltige Anlagen fokussieren. Meist sind diese punkto Gebühren etwas teurer, da der Auswahlprozess bei nachhaltigen Investments aufwendiger ist.

Keine Sorgen müssen Sie sich wegen der Rendite machen. Eine Vielzahl von internationalen Studien hat gezeigt, dass die Rendite von nachhaltigen Anlagen nicht schlechter ist als jene von traditionellen Anlagen. In einigen Fällen sollte der Nachhaltigkeitsansatz sogar zu einer langfristig besseren Rendite führen, da aufgrund der ESG-Kriterien Risiken, die nicht nur für die Umwelt und die Menschen, sondern auch aus Sicht von Investoren schädlich sind, eher erkannt werden.

So gesehen, spricht meines Erachtens nichts dagegen, dass Sie Ihr Portfolio auf nachhaltige Anlagen ausrichten. Problematisch finde ich hingegen, wenn die Anlageentscheide nicht mehr nach professionellen Investmentkriterien inklusive ESG gefällt werden, sondern nur noch nach politisch-ideologischen Kriterien. Nur weil etwas gut gemeint ist, führt dies nicht zu unternehmerischem Erfolg.

Auch wenn eine Unternehmensidee punkto Umwelt gut klingt und die Leute hinter der Firma besonders nett und sozial sind, heisst dies noch lange nicht, dass das Unternehmen am Markt Erfolg haben wird. Die Gesetze der Marktwirtschaft gelten auch bei Anlagen gemäss ESG-Kriterien.

Man sollte Professionalität nicht durch Ideologie ersetzen, sonst läuft man beim Wunsch, nachhaltig zu investieren, Gefahr, nicht nur eine schlechte Rendite zu erzielen, sondern sogar noch Geld zu verlieren.

4 Kommentare zu «Wie kann ich nachhaltig investieren?»

  • Peter Rohner sagt:

    Es gibt unzählige ETFs mit einem ESG- oder SRI-Zusatz im Namen. Mit diesen ETFs ist es sehr leicht und günstig möglich, nachhaltig zu investieren.

    Einfach die ETF-Suchmaschine von justETF.com anwerfen, schon wird man von Möglichkeiten überschüttet. In den Factsheets der ETFs sind die Einzelheiten zu erfahren.

  • Peter Rohner sagt:

    Wer keine ETFs (bzw. Fonds) kaufen will, sondern Einzelaktien, der soll in den Factsheets der ESG- oder SRI-ETFs nachsehen, welche Unternehmen nachhaltig sind (bzw. die Nachhaltigkeits-Kriterien erfüllen).

    Man geht übrigens davon aus, dass nachhaltige Firmen langfristig besser abschneiden als die restlichen Firmen (da nicht nachhaltige Firmen mit Strafzahlungen, Reparationszahlungen etc. zu rechnen haben; zudem werden rücksichtslose Firmen immer unbeliebter und deshalb gemieden).

  • abundance sagt:

    Bei dieser Schlagzeile kommt mir spontan – verbringen Sie viel mehr Zeit mit Ihren Kindern, Enkeln und Mitmenschen. Sie sind die Zukunft, in die wir unsere Energie und Achtsamkeit investieren sollten 😉

  • Barbara Zürcher sagt:

    Kriterien wie die ESG sind ein Ersatz dafür, dass wir in einer zunehmend anonymen Welt die Leute nicht mehr persönlich kennen, mit denen wir geschäften. Direktdarlehen an Alternativenergie-Genossenschaften wie die ADEV werfen noch Zinsen ab, ebenso die Depositenkassen mancher Baugenossenschaften. Voraussetzung ist das Vertrauen, dass es nicht zu Veruntreuungen kommt. Aber wer genug vorig hat und entsprechende Ziele unterstützt, kann gut kleinere Beträge an solchen Orten liegen lassen. Hilfreich fand ich Andreas Missbachs Buch „Saubere Renditen“, inzwischen leider über zehn Jahre alt, einiges bleibt trotzdem gültig. Vollkommene Transparenz, wohin das Geld geht, hat man bei der ABS, die alle Kredite im Jahresbericht auflistet. Persönlich nehme ich gewisse Zinseinbussen dafür gern in Kauf.

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