Kapital statt Rente beinhaltet einige Risiken

Wer sein Kapital bezieht, trägt das Langlebigkeitsrisiko: Das bezogene Geld aus der Pensionskasse muss bis ans Lebensende reichen. In vielen Fällen dürfte das eng werden. Foto: iStock

Meine Nachbarin (60) macht sich Sorgen, wie Sie nach der Pensionierung ihren Lebensunterhalt bestreitet. Sie besitzt ein Haus mit einer Hypothek von 250’000 Franken sowie mehrere 3.-Säule-Konten sowie einiges an liquiden Mitteln. Gemäss Pensionskassen-Ausweis kann sie bei Arbeitsende mit einem PK-Kapital von 200’000 Franken rechnen und will das Kapital beziehen. Ich habe ihr geraten, weiteres Geld in die PK einzuzahlen. Was meinen Sie zu meinem Vorschlag? L.A.

Ihre Nachbarin macht sich zu Recht Sorgen, wie sie ihren Lebensunterhalt nach der Pensionierung finanziert. Daher finde ich Ihren Vorschlag, die zweite Säule durch einen weiteren Einkauf in die Pensionskasse zu stärken, grundsätzlich sinnvoll, zumal Ihre Nachbarin weiter erwerbstätig ist. Voraussetzung ist aber, dass die Pensionskasse finanziell robust dasteht und über einen guten Deckungsgrad verfügt.

Freiwillige Einzahlungen in die Pensionskasse haben über die Stärkung der Altersvorsorge hinaus den Pluspunkt, dass man den vollen Betrag, den man einzahlt, von den Steuern abziehen darf und somit einiges an Steuern spart.

Falls jemand nach der Pensionierung das Kapital beziehen will, ist allerdings zu beachten, dass gemäss der neusten Rechtsprechung des Bundesgerichts innert drei Jahren nach einem Einkauf kein Kapitalbezug mehr zulässig ist. Es besteht somit eine dreijährige Sperrfrist, die sich auf volle Jahr bezieht. Wenn diese nicht eingehalten ist, verliert man den Steuervorteil.

Nicht klar ist mir in dem von Ihnen geschilderten Fall, warum Ihre Nachbarin unbedingt das Kapital aus der Pensionskasse beziehen will. Wenn Sie das macht, muss sie in der Lage sein, erstens das Geld, das sie nicht sofort braucht, sinnvoll zu investieren, wobei sie dann das ganze Anlagerisiko trägt. Falls Sie nicht gute Kenntnisse im Anlagebereich besitzt, würde ich davon abraten. Ansonsten läuft sie Gefahr, dass Sie bei einer unglücklichen Anlage später auf hohen Buchverlusten sitzt und zu wenig Geld für ihren Lebensunterhalt hat.

Zweitens trägt sie bei einem Kapitalbezug das Langlebigkeitsrisiko. Das bezogene Geld aus der Pensionskasse muss bis ans Lebensende reichen. Im konkreten Fall dürfte das eng werden. Wenn sie indes die Rente bezieht, hat sie bis ans Lebensende von der Pensionskasse eine Rente garantiert. Die Pensionskasse muss dann das Langlebigkeitsrisiko tragen. Wenngleich die Rente nicht hoch ausfällt, hat sie wenigstens nicht auch noch das Langlebigkeitsrisiko zu tragen.

Vor diesem Hintergrund würde ich mir nochmals genau überlegen, ob es wirklich sinnvoll ist, das Kapital statt einer Rente zu beziehen. Ich rate Ihrer Nachbarin, die Hilfe von Vorsorgeexperten bei einer Bank oder Versicherung in Anspruch zu nehmen und eine detaillierte Pensionsplanung zu erstellen. Dann sieht sie im Detail, was sie finanziell nach der Pensionierung zu erwarten hat und welche Massnahmen jetzt noch vor der Pensionierung zur Stärkung der Vorsorge noch im Erwerbsleben die beste Wirkung entfalten.