Wie hoch ist das Risiko einer Deflation?

Der Handelsstreit zwischen den USA und China beeinflusst die Zinsentscheidungen der Notenbank. Foto: Getty Images

Wir haben zurzeit null bis Negativzinsen, die Einkaufsmanagerindizes entwickeln sich weltweit negativ, die Industrieproduktion in Europa schrumpft und die Wirtschaftslage in Europa verschlechtert sich. Dazu kommen Schutzzölle weltweit wegen US-Präsident Trump. Zudem sind in den USA die kurzfristigen Zinsen höher als die langfristigen Zinsen. All dies sind für mich Anzeichen, dass wir in vielleicht zwei Jahren in eine Deflation steuern. Meiner Meinung nach liegt das Risiko bei 70 Prozent. Was ist Ihre Meinung? K. E.

Ihre Liste von aktuellen Unsicherheitsfaktoren könnten wir noch verlängern – etwa durch die weltweiten Schuldenberge. Viele Länder – dazu zählen neben unseren Nachbarländern Italien und Frankreich auch die USA und viele weitere Staaten – sitzen auf hohen Schulden.

Kritisch für die Märkte sind auch die verschiedenen geopolitischen Krisenherde wie der Konflikt zwischen dem Iran und den USA, aber auch Nordkorea, die Türkei oder Venezuela, um nur einige Beispiele zu nennen. Geopolitische Ereignisse können nicht nur eine Korrektur an den Finanzmärkten auslösen, sondern auch konjunkturelle Folgen haben wie damals die Terroranschläge in den USA im Jahr 2001.

Ich teile Ihre grundsätzliche Meinung, dass wir mit einer Vielzahl von Unsicherheitsfaktoren konfrontiert sind. Die Tatsache, dass die US-Notenbank eine Zinswende vornimmt und die Leitzinsen wieder senkt, sollte uns zu denken geben. Für die Aktienmärkte und die Unternehmen sind tiefe Zinsen an sich positiv. Entsprechend haben die Börsen auf die Ankündigung, dass die Zinsen auch in den USA wieder sinken werden und in Europa ein Zinsanstieg in weiterer Ferne ist, erfreut reagiert.

Die negative Seite ist allerdings, dass die Notenbanken die Zinsen senken oder zumindest rekordtief halten, weil sie ernsthafte konjunkturelle Sorgen haben und damit rechnen, dass sich der Handelsstreit zwischen den USA und China über kurz oder lang negativ auf die Weltkonjunktur auswirkt.

Die Zinswende in den USA von steigenden zu wieder sinkenden Zinsen ist für die Konjunktur ein Alarmsignal. Die Notenbanken verhalten sich wieder wie die Feuerwehr, die einen Brand löschen muss. In diesem Fall versuchen die Notenbanken, mit tiefen Zinsen den Brand – sprich die konjunkturelle Abkühlung – zu verhindern und die Wirtschaft am Laufen zu halten. Die Frage stellt sich, wie lange diese Rechnung aufgeht und was die Notenbanken machen, wenn wir mit grossen geopolitischen Ereignissen konfrontiert sind.

Punkto Deflation bin ich vorderhand indes nicht so pessimistisch wie Sie. Sie haben zu Recht eine Vielzahl von Unsicherheitsfaktoren aufgezählt, und ich habe die Liste noch verlängert. Ebenso besteht aber eine Wahrscheinlichkeit, dass sich einige Unsicherheitsfaktoren zum Positiven wenden.

Offensichtlich ist das beim Handelsstreit zwischen den USA und China. Zwar gibt es momentan noch keine Anzeichen, dass eine Lösung des heiklen Konflikts zwischen den zwei grössten Volkswirtschaften der Welt gelingt. Immerhin konnte aber beim Treffen zwischen US-Präsident Trump und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping am Rande des G-20-Gipfels in Japan eine weitere Eskalation abgewendet werden. Beide Seiten haben ein grosses Interesse an einer Lösung und müssen ihr Gesicht wahren können. Und US-Präsident Trump will wieder gewählt werden. Dafür braucht er eine gut laufende Wirtschaft.

All das spricht dafür, dass der Handelskonflikt nicht ganz aus dem Ruder läuft. Wenn nur schon der Handelsstreit beigelegt werden könnte, wäre aus meiner Sicht die grösste Gefahr für die Weltwirtschaft gebannt und das von Ihnen angesprochene Deflationsrisiko deutlich geringer.

4 Kommentare zu «Wie hoch ist das Risiko einer Deflation?»

  • Karl Knapp sagt:

    Ich wette gelegentlich mit Kollegen, und oft vergeblich, weil die Annahmen zu „gummig“ sind. Deshalb würde mich die Formel interessieren, die 24 Monate und 70% ergibt ?

    • Claire Deneuve sagt:

      Knapp: Die Formel lautet in etwa so:
      Das geometrische Mittel aus der Wurzel des Magensäure-PH-Wertes mal Umfang des Magengeschwürs.

  • Claude Fontana sagt:

    Es ist republikanischer Standard, den Demokraten eine marode Wirtschaft zu hinterlassen. und wenn sie lange genug im Amt sind, um das lösen zu müssen, gibt es Krieg, Öffentlich inszeniert, zum Ablenken.

  • asfsdtae sagt:

    Spieler Du bist ein Quaselkopf

Kommentar

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