Günstiges Feriengeld dank Revolut?

Gewusst, wie: Das britische Start-up Revolut bietet günstige Wechselkurse, eignet sich aber nicht für jedermann. Foto: Getty Images

Weshalb wird bei Beiträgen über Feriengeld oft Revolut nicht erwähnt? Das ist doch die Zukunft. Sorglos weltweit unterwegs, ohne Gebühren. Keiner unserer Kollegen würde auf Revolut verzichten. P.E.

Das britische Start-up Revolut hat in der Tat einige Pluspunkte zu bieten: Man spart einiges an Gebühren und profitiert von besseren Kursen beim Geldwechsel und Geldüberweisen.

Wenn Sie Ihr Feriengeld via Revolut von Schweizerfranken in eine Fremdwährung wechseln, wird zum Interbankenkurs abgerechnet. Der Interbankenkurs wird unter den Banken verwendet und entspricht den rasch wechselnden Werten am an Wochentagen während 24 Stunden laufenden internationalen Devisenmarkt.

Wenn Sie hingegen bei einer traditionellen Bank Ihre Schweizerfranken wechseln, wird für den Geldwechsel der Devisen- oder der Notenkurs verwendet. Dabei wird auf den Interbankenkurs die Marge der Bank draufgeschlagen. Sie bekommen somit für die gleichen Franken weniger von der Ferienwährung. Wie viel es ausmacht, können Sie selbst überprüfen, wenn Sie den Interbankenkurs mit dem Devisen- oder Notenkurs Ihrer Bank vergleichen.

Über die Wechselkurse hinaus fallen je nach Art, wie Sie Ihr Feriengeld wechseln oder beziehen, noch weitere Gebühren an. Verschiedene Banken wie etwa die UBS verlangen für jene, die bei ihr Geld wechseln, aber nicht anderweitig bereits Kunde der Grossbank sind, eine Zusatzgebühr für die Dienstleistung.

Auch beim Bezug von Fremdwährungen via Bancomat im Ausland fallen mehr oder weniger hohe Gebühren an. Wenn Sie mit der Maestrokarte im Ausland am Bancomat Fremdwährungen beziehen, müssen Sie pro Bezug mit rund fünf Franken Gebühren rechnen.

Noch teuer ist der Geldbezug via Kreditkarte, von dem ich abrate. Beim Bezahlen mit der Kreditkarte wird eine prozentuale Gebühr abgerechnet, bei der Maestrokarte hingegen eine kleine fixe Gebühr pro Bezahlvorgang via Karte im Ausland. Daher fährt man meines Erachtens besser, wenn man Kleinbeträge mit der Kreditkarte zahlt und grössere mit der Maestrokarte – oder aber indem man wie Sie schreiben, die Revolut-Karte nutzt.

Diese ist allerdings nur bedingt mit den anderen Plastikkarten vergleichbar. Da Sie vorgängig Geld einschiessen müssen, ist die Revolut-Karte keine Kreditkarte. Immerhin ist aber das mit der Karte verbundene Konto gebührenfrei.

Ganz ohne Gebühren kommt aber auch Revolut nicht aus: Während die erste Karte nichts kostet, zahlt man für weitere Karten rund sieben Franken. Zudem gibt es Restriktionen, die man beachten sollte: Wenn Sie Beträge von mehr als 6000 Euro monatlich wechseln, kommt eine Gebühr von 0,5 Prozent zum Zug. Private dürften in der Regel aber kaum so viel wechseln.

Ausserdem sollte man beachten, dass jeweils beim Wechseln am Wochenende und bei einigen Währungen ein Aufschlag verrechnet wird. Man sollte somit nur wochentags wechseln. Begrenzungen gibt es zudem beim Bargeldbezug: Kostenlos können Sie nur 200 Euro pro Monat weltweit ohne Gebühren beziehen. Bei Beträgen über 200 Euro wird eine Gebühr von 2 Prozent verrechnet.

Also: Ganz gratis ist auch Revolut nicht. Dennoch ist der Service des Start-ups punkto Gebühren und Kurse attraktiv, was erklärt, dass die Banken die Revolut-Karte nicht erwähnen oder propagieren, obwohl seit einiger Zeit über eine Bankverbindung bei der Credit Suisse die Möglichkeit besteht, dass man aus der Schweiz aus Geld direkt auf sein Revolut-Konto einzahlen kann. Aber es ist naheliegend, dass die hiesigen Banken wenig Interesse an einer Weiterverbreitung von Revolut haben, da so ihre Margen dahinschmelzen.

Bei allen Pluspunkten hat Revolut aus meiner Sicht allerdings auch gewichtige Nachteile. Wenn Sie Ihr Geld auf Ihr Revolut-Konto überweisen, kommen Sie nicht in den Genuss der Schweizer Einlagensicherung. Bei einem Zusammenbruch von Revolut wäre ihr Geld unter Umständen verloren, obwohl es auch in der EU, wo Revolut registriert ist, einen gesetzlichen Einlagenschutz gibt. Ich zweifle aber, dass Sie im Krisenfall locker wieder zu Ihrem Geld kommen würden.

Probleme sehe ich auch bei der Regulierung. Das Start-up verfügt über eine litauische Bankenlizenz, was in Fachkreisen Fragen aufgeworfen hat, ob alle Compliance-Vorschriften ähnlich strikt gehandhabt werden wie etwa in der Schweiz. Zudem frage ich mich, ob die Datensicherheit wirklich vollumfänglich gesichert ist.

Was an den Berichten über eine angeblich problematische Unternehmenskultur dran ist, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen, zumindest schaden diese der Reputation der Jungfirma, deren Dienste auch mit Apple Pay verknüpfbar sind.

Revolut ist meines Erachtens eine Alternative zum klassischen Geldwechsel für Leute, die technikaffin sind, keine Betreuung brauchen und einigermassen gut Englisch sprechen: Falls es nämlich im Umgang mit den Revolut-Diensten ein Problem gibt, kann man sich online zwar an die Firma wenden, muss sich aber in Englisch verständigen können. Und man sollte in der Lage sein, die aus meiner Sicht erhöhten Risiken tragen zu können.