Hochdorf vor ungewisser ­Zukunft

Kontrolle der Milchpulverproduktion: Hochdorf verkauft wohl alle unter dem alten Chef akquirierten Gesellschaften. Foto: Urs Flüeler/Keystone

Noch vor wenigen Monaten liess der Milchverarbeiter Hochdorf seine Aktionäre wissen: «Die Situation der Hochdorf-Gruppe ist nicht so dramatisch, wie das in den Medien dargestellt wird.» Dem Schreiben war ein Disput über die Wahl in den Verwaltungsrat vorausgegangen. Grossaktionärin ZMP Invest warf dem Gremium unter Präsident Daniel Suter vor, seine Kontrollfunktion nicht wahrgenommen und die Krise des Unternehmens mitverantwortet zu haben. Kurz darauf wurden an der Generalversammlung die drei von ZMP nominierten Kandidaten in den Verwaltungsrat gewählt. Dieser legt nun die Karten auf den Tisch. Nun zeigt sich, wie schlimm es wirklich um Hochdorf steht: Die Finanzierung ist vorläufig gesichert, schrieb das Unternehmen am vergangenen Montag – mit vorläufig sind die «nächsten Monate» gemeint. Die Führung sieht nur einen Ausweg: Alle unter dem ehemaligen Chef akquirierten Gesellschaften werden wohl verkauft oder abgeschrieben. Der Schaden ist beträchtlich. Zudem hat Hochdorf Zeit verloren, um sich in dem rückläufigen Markt erfolgreich für die Zukunft zu rüsten. Verkaufen

Lukrative Krebsmittel

Aktien von kleinen Biotech-Unternehmen sind nicht jedermanns Sache. Oft haben sie kein Produkt im Markt, die Forschungs- und Entwicklungsrisiken sind hoch. Flüssige Mittel werden oft rascher verbrannt, als den Aktionären lieb ist. Basilea ist da insofern eine Ausnahme, als es zwei Produkte kommerzialisiert hat, eines gegen Pilzinfektionen und ein Antibiotikum gegen Lungenentzündung bei Krebspatienten, die eine Chemotherapie machen. Die beiden Mittel dürften 2019 für Basilea mindestens 100 Millionen Franken Einnahmen generieren. Doch eine Erfolgsstory war Basilea bislang trotzdem nicht. Die Aktien notieren klar unter dem Emissionspreis von 2004. Dieses Jahr weist der Trend seit Mitte Januar nach unten, obschon die Gesellschaft keine einzige negative Meldung veröffentlicht hat. Im Gegenteil, das Ergebnis 2018 übertraf die Erwartungen, der Ausblick ist gut, und in der Forschungspipeline mit Krebsmitteln gibt es Fortschritte. Ich denke, unter einem Börsenkurs von 50 Franken sind Basilea-Papiere eine Kaufüberlegung wert. Sie eignen sich jedoch nur für risikofähige Investoren. Kaufen

Geschäfte mit der Cloud

Das Geschäftsmodell von Also ist nicht sonderlich sexy. Der IT-Distributor versteht sich darauf, Waren vom Hersteller zum Arbeitnehmer zu bringen, etwa Smartphones von Apple zur Swisscom-Filiale. Darin allerdings ist das Unternehmen mit Sitz im innerschweizerischen Emmen ziemlich gut. Das liegt nicht zuletzt an der straffen Führung des Chefs Gustavo Möller-Hergt. Er trimmt das Unternehmen auf Profitabilität. Darüber hinaus zielt der Deutsch-Peruaner auf neue Geschäftsfelder, beispielsweise in der Cloud, also durch Dienstleistungen über das Internet, oder im Internet der Dinge, in dem Maschinen miteinander kommunizieren. Services rund um die beiden Felder versprechen deutlich höhere Gewinnspannen als das angestammte Distributionsgeschäft. Für mich ist Möller-Hergt der richtige Mann an der Spitze des Unternehmens, um den Kraftakt der Transformation zu stemmen. Als Beimischung ins ­Depot sind die Tech-Titel, die mit einer Dividendenrendite von 2,8 Prozent locken, eine Überlegung wert. Dosiert kaufen

Teure Altlasten

Der Technologie-Konzern ABB hat sich einiges vorgenommen. Nicht nur die grosse, traditionsreiche Stromnetz-Division wurde nach Japan verkauft, auch intern wird die ganze Organisation umgebaut. Und weitere Unternehmensteile werden abgespalten. Vergangene Woche gab ABB bekannt, das Geschäft mit Solar-Wechselrichtern nach Italien zu geben. Ob ABB dafür etwas lösen konnte, ist nicht bekannt. Fest steht: Die Solarstrom-Verteilungsanlagen loszuwerden, wird teuer: Mindestens 470 Millionen Franken wird ABB aufwenden müssen, um sich von einem Bereich zu trennen, der zuletzt lediglich einen Umsatz von 290 Millionen erwirtschaftete. Dass diese Portfolio-Bereinigung ABB so viel Wert ist, zeigt, dass das Konglomerat noch unprofi­table Geschäftsfelder hat und es kurzfristig teuer kommt, diese Altlasten abzuwerfen. Für mich steht fest, dass sich ABB langsam fit trimmt. Doch bis sich das Ergebnis aus den Bereinigungen auch finanziell positiv niederschlägt, wird es noch einige Monate, wenn nicht Jahre dauern. Abwarten

Schwieriges Hypothekargeschäft

Ein Wert, der mir immer wieder ins Auge sticht, sind die Titel der Hypothekarbank Lenzburg. Sie hat am Mittwoch die Berichtssaison als erste Retailbank eröffnet. Die positive Entwicklung bei Ertrag und Gewinn sind gut und schön, aber die Entwicklung im Hypothekargeschäft bereitet mir Sorgen. Neben den Zinserträgen stagniert jetzt auch das Wachstum der Hypothekarforderungen mit einem minimen Plus von 0,6 Prozent. Das sind keine guten Aussichten für die Branche, die Margendruck gerne mit höheren Volumen kompensiert. Gut möglich, dass die Schweizer Retailbanken in den nächsten Wochen ähnliche Entwicklungen präsentieren. Besser läuft es der «Hypi» mit dem Vertrieb ihres eigenen Kernbankensystems Fin­star. Die Einnahmen sind um 29 Prozent gestiegen, mittlerweile trägt das Segment am drittstärksten zum Ertrag bei. Unbeeindruckt von den jüngsten Zahlen bleiben die Aktien. Die dünnen Handelsvolumina – es sind 72 000 Aktien im Umlauf – bremsen mögliche Kursentwicklungen. Für regio­nale Anleger kann die schmale, aber stabile Dividendenrendite von 2,5 Prozent wegen der geringen Volatilität der Titel ein Kaufgrund sein. Kaufen

 

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