Warum Frauen bei der Vorsorge im Nachteil sind

Zwischen Stuhl und Bank: Bei kleinem Arbeitspensum ist man von der PK ausgeschlossen und kann keine 2.-Säule-Beiträge zahlen. Foto: iStock

Viele Eltern wollten Teilzeit arbeiten, stand kürzlich in der «SonntagsZeitung». Auch ich gehöre dazu. Ich arbeite 20 Prozent und mein Mann Vollzeit. Aber ich habe auch gelesen, dass die Teilzeitarbeit Nachteile bei der Vorsorge bringt. Was kann ich tun? Y.N.

Sie nehmen in Ihrer Frage Bezug auf die von der «SonntagsZeitung» veröffentlichte Studie der Swiss Life. Sie zeigt, dass über ein Drittel der Erwerbstätigen hierzulande teilzeiterwerbstätig sind, deutlich mehr – vor allem Eltern – aber für die Kindererziehung oder eine Weiterbildung ihr Pensum reduzieren möchten.

Interessant an den Zahlen ist, dass in der Schweiz fast 60 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Männer Teilzeit tätig sind. Gerade für Frauen ergeben sich aus der Teilzeittätigkeit erhebliche Risiken für die Altersvorsorge – insbesondere dann, wenn eine Frau nur ein tiefes Arbeitspensum hat, so wie es bei Ihnen der Fall ist.

Als Erwerbstätige in Teilzeit müssen Sie wenigstens einen Jahreslohn von 21’330 Franken erreichen, um Aufnahme in die Pensionskasse zu finden. Das Problem bei den meisten Teilzeitarbeitenden ist der Koordinationsabzug. Dieser liegt aktuell bei 24’885 Franken und wird zur Ermittlung des versicherten Lohnes von Ihrem Jahreslohn in Abzug gebracht.

Bei einem kleinen Arbeitspensum gerät man vorsorgemässig somit zwischen Stuhl und Bank – man ist von der Pensionskasse ausgeschlossen und kann keine Beiträge in seine wichtige 2. Säule zahlen. Vor allem zahlt auch der Arbeitgeber keine Beiträge, was für diesen günstig kommt, für Sie aber ein grosser Nachteil ist, insbesondere wenn man, wie dies viele Frauen tun, während vieler Jahre nur mit einem geringen Pensum Teilzeit arbeitet. So kommt es über die Jahre hinweg zu gravierenden Vorsorgelücken.

Dazu ergeben sich auch Nachteile bei der AHV: Wegen des geringen Arbeitspensums fallen auch die AHV-Beiträge kleiner aus, was dazu führt, dass man später im Alter eine kleinere Rente – unter Umständen gar nur die Minimalrente von 1175 Franken – erhält.

Noch schlechter gestellt als Sie sind jene Frauen, die wegen der Erziehung der Kinder gar nicht erwerbstätig sind. Diesen empfehle ich, unbedingt eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen und die Vorsorge zu stärken. Aus meiner Sicht ist es nicht sinnvoll, wenn Frauen, selbst wenn sie Kinder haben, ihre Erwerbstätigkeit aufgeben. Sie sollten möglichst immer wenigstens teilweise im Erwerbsleben bleiben.

Auch Sie sollten für die Optimierung Ihrer Altersvorsorge Ihr Arbeitspensum deutlich erhöhen – wenigstens auf ein Pensum, damit sie wieder in die Pensionskasse aufgenommen werden. Als Teilzeitarbeitende sollte man zudem Arbeitgeber bevorzugen, die den Koordinationsabzug dem jeweiligen Beschäftigungsgrad anpassen. So ist man bei der Pensionskasse auch als Teilzeitarbeitende besser versichert.

Zusätzlich rate ich Ihnen, gemäss Ihren Möglichkeiten freiwillig über die steuerbegünstigte Säule 3a für Ihr Alter vorzusorgen. Ideal wäre es, wenn Sie möglichst 20 Prozent Ihres heutigen Einkommens in die Säule 3a transferieren könnten wie es für Erwerbstätige ohne Pensionskasse erlaubt ist. Ab dem Zeitpunkt, in dem Sie Ihr Pensum erhöhen und wieder der Pensionskasse angehören, sollten Sie möglichst den Maximalbetrag von momentan 6826 Franken in die Säule 3a zahlen.

Auch kleinere Beiträge lohnen sich, falls Sie den Maximalbetrag nicht aufbringen können. Diese Einzahlungen können Sie im Folgejahr von den Steuern abziehen. Zusätzlich sollten Sie das Säule-3a-Geld in kostengünstigen Vorsorgefonds anlegen. So erreichen Sie über die Jahre hinweg mehr Rendite, was Ihnen ebenfalls hilft, Ihre Altersvorsorge zu verbessern.

11 Kommentare zu «Warum Frauen bei der Vorsorge im Nachteil sind»

  • Manfred Stierli sagt:

    Vorsicht bei 3a Vorsorgefonds; Nicht, dass man am Schluss weniger hat, als man einzahlt.
    Dann gibt es noch die Säule 3b, welche zwar nicht steuerbegünstigt, dafür aber flexibler ist.
    Ich habe für meine Frau noch was anderes gemacht, was allerdings so nicht jeder kann und Teils auch riskant ist. Ich habe ihr in ihrem Ursprungsland, Land gekauft, welches nach 15 Jahren, bereits das 10-fache an Wert hat.

  • Hobbyberater sagt:

    1.) Der Koordinationsabzug ist ein Hindernis beim Einstieg in die 2. Säule. Deswegen wird seine Senkung immer wieder diskutiert bzw. wurde auch schon eingeführt.
    2.) Die 3. Säule ist eine gute Möglichkeit Geld anzulegen (sofern Geld übrig ist) und Steuern zu sparen. Bei langem Anlegehorizont am besten mit hohem Aktienanteil.
    3.) Im Scheidungsfall ist der weniger verdienende Ehepartner gut abgesichert und erhält einen substanziellen Anteil des Pensionskassengeldes des Besserverdienenden.

  • Markus Müller sagt:

    Tatsächlich: Wenn Teilzeit gearbeit wird und nicht in die 2. Säule BVG einbezahlt wird geht die grösste Gefahr dass man in eine Vorsorgelücke gerät darin dass man nicht konsequent jeden Monat für sich Spareinlagen, am besten in einer Säule 3b also der freien Vorsorge, tätigt. Dazu gehört dass man sich auch mit dem Aktiensparen beschäftigt und sich darüber und über Finanzangelegenheiten wie Zinsen, Spareinlagen und Investments in Aktien generell informiert und eventuelle Mythen ausräumt. Eine Person deren Pensionierung noch 40 Jahre in der Zukunft liegt kann natürlich anderst investieren als eine Person die noch 10 Jahre zu arbeiten hat.

  • M. Vetterli sagt:

    In der 2.Säule sind die Teilzeitarbeitenden sehr häufig nicht versichert. Vorschlag des SAV und der Gewerkschaften möchten den Koordinationsabzug nun halbieren.
    Durch Berücksichtigung des Beschäftigungsgrads beim Koordinationsabzug könnte man eine Gleichstellung gleich aller Teilzeit- zu den Vollbeschäftigten herstellen. Niemand verdient bei einer 100%-Anstellung ein Jahressalär von unter 24885.-.
    Allerdings muss die dadurch entstehende Verteuerung des AN in Betracht gezogen werden. Im Tieflohnbereich existieren Anstellungen, welche nur via Teilzeitverträge, durch Unterschreitung der Eintrittsschwelle, überlebensfähig sind.
    Auch bei Umsetzung des SAV/Gewerk.-Vorschlag muss man sich bewusst sein, dass eine gewisse Anzahl, sehr oft von Frauen eingenommene, Anstellungen vernichtet werden.

  • Sandro sagt:

    Der Titel ist wieder einmal billige Stimmungsmache. Die erwähnten Nachteile haben nichts damit zu tun, ob man eine Frau oder ein Mann ist. Die obligatorische Altersvorsorge ist nun einmal auf dem Erwerbseinkommen aufgebaut – das gilt auch für den Mann. Ich kenne viele kinderlose Singlefrauen, die nur Teilzeit arbeiten, weil sie mehr Freizeit haben wollen. Das Gejammer danach, die Renten seien zu klein, ist dann absurd. Zudem steht es jeder Person frei, eine freiwillige Altersvorsorge aufzubauen. Aber auch das kostet – wie alles im Leben. Den 5er und das Weggli gibt es nun mal nicht – egal ob Mann oder Frau.

  • Peter Meister sagt:

    Nicht die Frauen sind bei der Vorsorge im Nachteil, sondern all diejenigen, welche zumindest für einige Zeit nur ein reduziertes Pensum arbeiten, ganz unabhängig vom Geschlecht!!!

  • J. Steiner sagt:

    Ja, Säule 3a ist super aber ganz ehrlich, ein Grossteil vermag es schlicht und einfach nicht überhaupt, geschweige denn 2x den Maximalbetrag einzuzahlen!

    Anderes Problem, dass sich viele, anscheinend auch Herr Spieler, nicht vorstellen können. Ein höheres Arbeitspensum bei dem Elternteil, der Teilzeit arbeitet, bedingt auch mehr Kosten bei der Kinderbetreuung, was mitunter dazu führen kann, dass reell nicht mehr oder im Extremfall sogar weniger Geld zur Verfügung steht!

    Finanz-/Vermögensberater/-experten sowie die meisten Politiker haben KEINE Ahnung von den Sorgen einer Durchschnittsfamilie. Euch geht es allen viel zu gut!

    • Christine Kistler sagt:

      Das ist so, die Kinderbetreueung ist sehr teuer und die Abzüge bekommen nur die , die ordentlich viel Steuern zahlen. In Städten werden manchmal die Beiträge subventioniert. Kinderbetreuungskosten hin oder her, das dicke Ende kommt in der Rente….. Hoffe, hier werden Veränderungen eingeleitet.

    • Hobbyberater sagt:

      @J. Steiner: Vielen Dank für diese klaren Worte.

  • Stefan Marti sagt:

    Supi Idee Herr Spieler. Blöd einfach, dass Migros, Coop etc ganz bewusst nur Arbeitsplätze offerieren, die unterhalb der PK Grenze liegen. Was nun? Irgendwie ein Wunschdenken. Aenlich der Idee das Rentenalter zu erhöhen. Woher die Arbeitsplätze dafür kommen, interessiert diese Riege nicht. Trotz massiv veränderten Parametern gegenüber der Zeit als die PK Pflicht eingeführt worden ist, halten alle an diesem abstrusen Konstrukt PK fest. Keiner denkt an andere Wege. PK wie Sparen 3a nützt nur und ausschliesslich der Finanzbranche. Für die PK Einzahler wirds zum Totalverlust. Mit seiner ausbezahlten 3. Säule Rente wird er/sie bald nur noch die Miete bezahlen können. Paradoxerweise an eine andere PK… Grundeinkommen, Digitalsteuer, weniger Bauernsubventionen….ja nicht. Ist des Teufels.

  • Margrit sagt:

    Lieber Herr Steiner,Sie haben ja im allgemeinen recht. Aber: Wer jetzt die Nachteile eines grossen Arbeitspensums in Kauf nimmt, hat spaeter eine bessere Altersvorsorge und viel groessere Karrierechancen. Es lohnt sich, moeglichst viel in eine gute Kinderbetreuung zu investieren – die Kinder bleiben ja nicht immer klein. Spaeter hat man dann hoffentlich Zeit, als ganze Familie das Doppeleinkommen zu genießen. Margrit

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