Cembra baut sinnvoll aus

Cembra Money Bank: Erhofft sich Synergien. Foto: Steffen Schmidt/Keystone

Das Kreditinstitut Cembra Money Bank legt einen Zahn zu, und die Aktionäre applaudieren. Anfang Woche hatte die Bank die Übernahme des Konkurrenten Cashgate für 277 Millionen Franken bekannt gegeben. Das Finanzierungsportfolio steigt somit um 30 Prozent. Die Übernahme ist sinnvoll und ermöglicht dank Synergien Einsparungen in der Höhe von 25 bis 30 Millionen Franken ab 2021. Um den Zukauf zu stemmen, hat Cembra im Verlauf der Woche bereits 1,2 Millionen eigene Aktien verkauft, eine Wandelanleihe platziert und zusätzliches Kernkapital in Form einer AT1-Anleihe herausgegeben. Das hatte die Bank auch so angekündigt. Ihr fliesst so mehr Geld zu, als es für die Übernahme eigentlich bräuchte. Was mich in diesem Zusammenhang erstaunt, ist der Kurs. Trotz all der Massnahmen und obwohl die Zielmarke für die Kapitalausstattung von 18 auf 17 Prozent reduziert wurde, haben die Aktien zugelegt. Rund 5 Prozent seit der Ankündigung am Montag. Das zeigt mir, dass die Bank auf dem richtigen Weg ist. Die Dividendenrendite ist wegen des Kursanstiegs zwar auf 3,8 Prozent zurückgegangen, dürfte dank der Erweiterung aber wieder Potenzial haben. Ich bliebe dabei. Kaufen

Gewinn wird noch nicht gemacht

Aktien aus dem Gesundheitssektor gehören in jedes Portefeuille. Die wachsende Bevölkerung, die Alterung und der medizinische Fortschritt sorgen für ein attraktives Wachstum. Erst im Entstehen ist der Markt für Versandapotheken. Die Frauenfelder Zur Rose will führender E-Health-Dienstleister in Europa werden. In der Schweiz ist das Unternehmen nach Galenica Nummer zwei. Doch die Musik wird in den nächsten Jahren ausserhalb des Heimmarkts spielen. In Deutschland, dem grössten Markt für Arzneimittel, hat Zur Rose viermal zugeschlagen und ist mit einem Anteil von 31 Prozent Nummer eins unter den Online-Apotheken. Dadurch wird sie im laufenden Jahr fast ein Drittel an Grösse gewinnen. Nur: Gewinn macht Zur Rose noch nicht. Die Aktionäre müssen sich gedulden, bis sie eine Dividende erhalten. Ich gehe davon aus, dass spätestens 2022 ein Überschuss resultiert. Es bleibt die Ungewissheit, ob es Zur Rose gelingen wird, die vielen Übernahmen reibungslos zu integrieren und die erhofften Synergien auszuschöpfen. Ich würde vorerst abwarten. Halten

Umsätze auf Wachstumskurs

Hätten Sie es gewusst? Der grösste europäische Motorradbauer hat die SIX als Hauptbörse. Die Rede ist von der österreichischen KTM Industries, die im ersten Halbjahr den Absatz von Motorrädern der Marken KTM und Husqvarna wiederum schön erhöht hat: 7 Prozent auf rund 136 000 Stück. Geholfen haben ein schwungvoller europäischer Gesamtmarkt, in dem die Zulassungen mehr als 10 Prozent gestiegen sind, sowie die strategische Allianz mit Bajaj in Indien. Dank deren Vertiefung resultierte dort ein Absatzwachstum von rund 30 Prozent. Mit diesen Zahlen scheint die Gruppe gut unterwegs zu sein, ihre Jahresziele zu erreichen, namentlich die vorsichtige Umsatzprognose. Sie sagt für 2019 und 2020 nur je 1 bis 5 Prozent Wachstum voraus, doch schon im Jahr darauf will die Gesellschaft wieder auf 9 bis 11 Prozent beschleunigen. Die operative Marge soll durchweg zwischen 8 und 10 Prozent liegen. Der rundum beeindruckende Leistungsausweis und die guten Perspektiven haben allerdings ihren Preis: Die Bewertung ist stattlich – was für KTM Industries aber nicht ungewöhnlich ist. Risikofähige können den Einstieg erwägen. Kaufen

Nachfrage zieht wieder an

Seit Anfang Jahr haben die Titel von Sulzer um mehr als ein Drittel zugelegt. Der Schub lässt sich leicht erklären, denn die Geschäfte der Industriegruppe laufen gut. Der massive Kurseinbruch von letztem Herbst war übertrieben und ist bis jetzt nicht egalisiert worden. Sulzer beliefert vorwiegend die Öl- und Gasindustrie sowie die Chemie mit Pumpen und Anlagen. Nach einer ausgeprägten Investitionsflaute in der Branche zieht die Nachfrage seit 2018 wieder an, was sich im Auftragseingang von Sulzer zeigt, der letztes Jahr 12 Prozent stieg und im ersten Quartal dieses Jahres weitere 10 Prozent. Ich gehe davon aus, dass der steigende Trend bis ins nächste Jahr anhält, denn nur schon der Ersatzbedarf in den meisten Abnehmerbranchen ist hoch. Im Gewinn von Sulzer wird sich die Geschäftsbelebung des Ölmarktes mit Verzögerung zeigen. Erst allmählich kommen margenstärkere Geschäfte zum Tragen, die erst jetzt, da sich der Markt erholt, hereingeholt werden können. Kaufen

Regulatorische Unwägbarkeiten

Tabakkonzerne haben es nicht leicht. In den USA sinkt das Verkaufsvolumen von Zigaretten immer schneller. Zwar können die Gesellschaften den Umsatzrückgang dank Preiserhöhungen verlangsamen. Eine positive Entwicklung mit dem Verkauf von Zigaretten hat die Branche aber seit Jahren nicht mehr gesehen. Für Kopfzerbrechen sorgen derzeit auch E-Zigaretten. Der Boom auf den Pausenplätzen der USA hat den Regulator auf den Plan gerufen. Besonders betroffen ist Juul. Die Firma mit Sitz in San Francisco dominiert den Markt für elektrische Zigaretten mit seinen Geräten, die an lang gezogene USB-Sticks erinnern. Drei von vier Dollar, die in den USA für E-Zigaretten ausgegeben werden, landen in der Kasse von Juul. Atria, die in den USA mit Marken wie Marlboro und Chesterfield am Start ist, hat letzten Dezember 35 Prozent von Juul übernommen und dafür 12,8 Milliarden Dollar bezahlt. Damit will sich der Konzern für die Zukunft wappnen. Im Aktienkurs ausgezahlt hat sich diese Transaktion aber noch nicht. Für Anleger drängt sich wegen des Nachfrageschwunds im klassischen Geschäft für Zigaretten und der regulatorischen Unsicherheiten im Geschäft mit elektrischen Zigaretten derzeit kein Engagement auf. Verkaufen

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