Warum der Ölpreis tief bleiben wird

Kein Geschäft mit dem schwarzen Gold? Letztlich entscheidet die internationale Nachfrage über den Ölpreis. Foto: Reuters

Ich habe verschiedene Ölaktien im Depot. Darum interessiert mich Ihre Meinung zum Ölpreis. Rechnen Sie auch mit einem anziehenden Ölpreis? A. U.

Nachdem der Ölpreis noch im Frühling deutlich angezogen hatte, hat er inzwischen wieder an Terrain verloren. Die Notierungen für ein Fass Rohöl der Sorte Brent stiegen im Frühling zeitweise auf rund 75 Dollar. Seither haben sie wieder auf unter 65 Dollar nachgegeben. Seit Jahresbeginn notiert der Ölpreis aber immer noch klar im Plus.

Ins internationale Scheinwerferlicht getreten ist die Debatte um den Ölpreis vor dem Hintergrund der erhöhten Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Nachdem die USA öffentlich den Iran beschuldigten, hinter den Angriffen auf zwei Öltanker im Golf von Oman zu stehen, befürchten viele, dass es mittelfristig zu einer militärischen Eskalation zwischen den beiden ohnehin schon verfeindeten Staaten kommen könnte.

Dieses Risiko kann man nicht ausschliessen, obschon US-Präsident Trump immer wieder betont, dass die USA weit weniger als früher Weltpolizist spielen wollen und er möglichst keine US-Soldaten in militärische Konflikte im Ausland schicken möchte. Die Spannungen in der Golfregion könnten den Ölpreis zeitweise durchaus etwas antreiben.

Interessant ist aber, dass die Ölnotierungen auf die Angriffe auf die zwei Öltanker im Golf von Oman nur kurz anzogen, inzwischen aber wieder nachgegeben haben. Das bedeutet, dass der Markt andere Faktoren als die geopolitischen Risiken in der Golfregion weit stärker gewichtet.

Dass der Ölpreis momentan nicht stärker ansteigt, hat meines Erachtens mit der Konjunktur zu tun. Die Ölnotierungen sind stark von der internationalen Nachfrage abhängig. Wenn die Wirtschaft auf Hochtouren läuft, braucht es mehr Öl. Wenn der Wirtschaftsmotor aber ins Stottern kommt, nimmt auch die Nachfrage nach dem schwarzen Gold ab.

Auch der internationale Handelsstreit zwischen den USA und China hat negative Konsequenzen für die Weltwirtschaft. In den USA präsentiert sich die Wirtschaft noch als robust, doch dürfte sich der Handelsstreit auch dort negativ auswirken, sodass sich die US-Notenbank veranlasst sieht, die Zinsen in diesem Jahr zu senken. Auch China leidet unter dem Handelsstreit. Damit fehlen für die Weltwirtschaft wichtige Impulse. Und in Europa beobachten wir schon seit Monaten eine abnehmende Wachstumsdynamik.

All diese Faktoren zusammen haben zur Folge, dass die Nachfrage nach Rohöl künftig kaum steigen wird, womit auch der Ölpreis – von geopolitischen Krisen abgesehen – wenig Potenzial nach oben hat. Das überschattet auch die bevorstehende Konferenz des Ölkartells Opec. Dieses wird versuchen, die Ölförderung unter seinen Mitgliedsländern weiter zu begrenzen, damit der Ölpreis nicht stärker sinkt. Allerdings gehen die Interessen unter den Mitgliedsstaaten stark auseinander, wie die Spannungen zwischen den verfeindeten Golfstaaten Iran und Saudiarabien regelmässig zeigen.

Haupttreiber für den Ölpreis bleibt die Nachfrage. Und diese dürfte angesichts der vielen konjunkturellen Unsicherheitsfaktoren in den nächsten Monaten sicher nicht anziehen.

1 Kommentar zu «Warum der Ölpreis tief bleiben wird»

  • Claude Fontana sagt:

    OPEC+ nicht vergessen, Putin hat eingewilligt, beim fördern zusammen mit der OPEC etwas zurückzuschrauben, damit die USA ihre Plörre auch noch los wird.

Kommentar

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