Wie Sie auch im Alter sorglos leben können

Kein Konsumverzicht im Alter: Man kann sich von seiner Bank jeden Monat einen bestimmten Betrag auszahlen lassen. Wie bei einer Rente. Entsprechend nimmt aber das Vermögen ab. Foto: iStock

Ich habe meine Wohnung zu einem guten Preis verkauft und bin auf Vermögensverzehr angewiesen. Nach allen Abzügen von Steuern, Gebühren und verschiedenen Anschaffungen verbleiben mir gute 500’000 Franken Kapital. Ich bin 73 Jahre alt und möchte mein Geld zur Hälfte in Sicherheit wissen. Nach und nach werde ich mein Geld zur ZKB transferieren. Was würden Sie mir raten, könnte ich vielleicht 200’000 Franken in Aktien – etwa in Dividendenperlen – investieren? R.S.

Da Sie das Geld aus Ihrem Wohnungsverkauf für Ihren Lebensunterhalt brauchen, können Sie sich per Dauerauftrag von Ihrer Bank jeden Monat einen bestimmten Betrag auszahlen lassen. Sie erhalten dann ähnlich wie bei einer Rente einen fixen Betrag. Entsprechend nimmt das Vermögen ab. Diesen Vermögensverzehr müssen Sie, anders als eine AHV- oder Pensionskassenrente, nicht versteuern. Das Geld wurde ja bereits früher versteuert.

Besser, als nur einfach das Geld auf das Konto bei einer sicheren Bank zu legen und dann jeweils einen monatlichen Betrag zu beziehen, ist aus meiner Sicht eine Kombination von Bezug und Ertrag. Möglich ist das, indem Sie bei der Bank einen Fondsentnahmeplan einrichten. Damit können Sie sich regelmässig Beträge auszahlen lassen und gleichzeitig das noch nicht aufgebrauchte Geld – oder sinnvollerweise nur einen Teil davon – weiterhin in breit diversifizierte Anlagefonds investieren und damit eine Rendite erzielen, die weit besser ist als der mickrige Zins auf dem Bankkonto. So haben Sie die Chance, dass Ihr Vermögen länger reicht oder Sie mehr beziehen können.

Allerdings gehen Sie auch ein Anlagerisiko ein. Im schlechten Fall sitzen Sie auf Buchverlusten, oder Ihr Vermögen reicht weniger lange. Ob für Sie die Rechnung aufgeht, hängt nicht zuletzt von Ihrer Strategie und von Ihrer Diversifikation ab.

Ich würde eher eine konservative Strategie nutzen. Damit schmälern sich zwar Ihre Renditemöglichkeiten, sie tragen aber geringere Risiken. Lassen Sie sich diesbezüglich von Ihrer Bank beraten und Ihre genauen Möglichkeiten aufzeigen.

Wenn Sie einen schönen Ertrag auf einem Teil Ihres Geldes wünschen, könnten Sie auch, so wie Sie es in Ihrer Frage ansprechen, in Schweizer Dividendenperlen wie Nestlé, Swisscom, Swiss Re, Zurich, Swiss Life, Roche oder Novartis investieren. So erreichen Sie jährliche Dividendenrenditen zwischen zwei und fünf Prozent.

Das Problem dabei: Dividenden sind nie garantiert. Zudem tragen Sie das volle Anlagerisiko, mit Einzeltiteln ein Klumpenrisiko und sind bei Aktien starken Kursschwankungen ausgesetzt. Falls Sie die Aktien langfristig behalten, verlieren für Sie die Schwankungen etwas an Bedeutung, da Sie nur an den Dividenden interessiert sind. Sobald aber das übrige Vermögen aufgebraucht ist und Sie auch das Geld, das in Dividendenperlen angelegt ist, nutzen müssen, spielt es eine Rolle, ob der Aktienkurs hoch oder tief ist, weil Sie dann verkaufen müssen.

Sie sollten sich also auch da genau überlegen, wie viel Risiko Sie eingehen wollen und können, und einen möglichen späteren Ausstieg langfristig planen, da Sie sonst allenfalls auf Buchverlusten sitzen und vielleicht zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt die Dividendenperlen verkaufen müssten. Daher würde ich nicht gleich alles Geld investieren, sondern nur einen Teil.

8 Kommentare zu «Wie Sie auch im Alter sorglos leben können»

  • Pius Tschirky sagt:

    Wandern Sie auf die Philippinen oder nach Thailand aus und leben dort bis an Ihr Lebensende in Saus und Braus.

    • Zufferey Marcel sagt:

      Ganz genau: Aber die Inflationsraten sollten sie dabei ganz sicher nicht aus den Augen verlieren- sonst ist das Vermögen am Ende gar noch schneller verbraucht, als in der Schweiz..!

    • beat graf sagt:

      Nein, danke, Herr Tschirky. Da möchte ich nicht hin. Ein umliegendes eurpäisches Land wäre mir lieber.

      • Pius Tschirky sagt:

        Wenn Sie ein Konto in der Schweiz behalten in CHF, denke ich mir sollte das kein Problem sein, Herr Zufferey. War 1997 das erste Mal auf den Philppinen und damals gab es für einen Franken gerade mal 16 Pesos. Heute sind es über 50. Hat mich gereut, dass ich nicht damals mich in Pesos verschuldete und ein Haus gekauft habe auf Kredit. Würde ganz sicher nicht ein Konto dort auf den Philppinen in Pesos eröffnen. Ich denke sie meinen diese Inflation?

      • urs brand sagt:

        Wie wärs mit Portugal – als Schweizer Bürger müssen Sie auf Ihrer Rente keine Steuern bezahlen. Mildes Klima, keine Steuern, nicht zu weit weg von der Schweiz – das wäre doch mehr als dä 5er und’s Weggli

  • Carmen Heidelberger sagt:

    Das Bild zum Artikel zeigt sehr schön, was bei uns mit Leben gemeint ist, welchen Zweck Humankapital erfüllen soll.

    • Karl Knapp sagt:

      Das Bild zeigt uns nur: kaufen Sie sich einmalig eine braune Hose und eine beige Jacke (1 x mit Alter 65 erstanden, 20 Jahre haltbar) und Sie fallen gottseidank aus allen Marketing-Zielgruppen raus. Wie Generationen von Senioren vor uns.

  • Hobbyberater sagt:

    Ich würde nicht auf Einzelaktien setzen. Da kann es immer Probleme geben. Ein Aktienfonds mit weltweiter Anlageperspektive wäre wahrscheinlich risikoärmer. Angesichts des Börsenzyklus vorsichtshalber gestaffelt kaufen.

    Auswandern ist mit 73 Jahren ein grosser Schritt. Das sollte man nicht leichtfertig tun. Da es fast überall günstiger ist als in der Schweiz, würde ich nach Präferenz vorgehen. Sprache, Kultur, Landschaft, Wetter usw.

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