Lassen Sie sich vom SMI-Hoch nicht blenden

10’000-Punkte: Für die einen ein Anstoss, mehr Aktien zu kaufen. Für andere ein Anlass, um Kursgewinne zu realisieren. Rational gesehen sollte man solchen Rekorden nicht zu viel Gewicht beimessen. Foto: iStock

Der Swiss-Market-Index hat mit über 10’000 Punkten einen Rekord erreicht. Welche Bedeutung hat das aus Ihrer Sicht für die Börse und die Anleger? C.U.

Für die Börse ist es nur eine Momentaufnahme – ebenso wie der Kursauszug jeweils per Ende eines Jahres nur eine Momentaufnahme ist. Denn einen Handelstag später ergibt sich bereits wieder ein anderes Bild.

Psychologisch hingegen hat das Erreichen solcher runden Marken aber eine starke Wirkung auf die Anleger, zumal der SMI der wichtigste Aktienindex der Schweiz ist, die 20 grössten Titel aus dem SPI umfasst und rund 80 Prozent der Gesamtkapitalisierung des Schweizer Aktienmarktes abdeckt.

Für die einen ist die 10’000-Punkte-Marke ein Anstoss, noch mehr Aktien zu kaufen, weil Sie hoffen, dass die Hausse noch lange weitergeht. Für andere ist es ein Anlass, um allfällige Kursgewinne zu realisieren und die Aktien zu verkaufen, weil sie befürchten, dass die Papiere nun besonders teuer seien.

Rational gesehen sollte man solchen Rekordmarken aber nicht zu viel Gewicht beimessen, auch wenn sie eine gute Hilfe sind, um die Börsengeschichte zu veranschaulichen. Bei der Lancierung am 30. Juni 1988 notierte der Swiss-Market-Index – allerdings sowohl punkto Anzahl Firmen als auch punkto Zusammensetzung nicht identisch mit dem heutigen Index – laut der Börsenbetreiberin SIX auf 1500 Zählern. Fast 31 Jahre später wurde nach zahlreichen Hochs und Tiefs die 10’000-Punkte-Marke überschritten.

Für Sie als Anleger bedeutend ist dabei der Hinweis, dass der Swiss-Market-Index ein sogenannter Preisindex ist. Bei einem Preisindex werden lediglich die Kurse der im Index enthaltenen Wertpapiere zugrunde gelegt. Erträge aus Dividendenzahlungen oder sonstige Erträge und Kapitalveränderungen werden nicht berücksichtigt.

Der deutlich breitere Swiss-Performance-Index (SPI) hingegen ist, anders als der SMI, ein Performanceindex: Dabei werden Bardividenden, Zinszahlungen oder sonstige Einnahmen aus dem Besitz von Wertpapieren wie Bezugsrechterlöse bei Aktien so gehandhabt, als ob sie wieder in Wertpapiere des Indexes reinvestiert werden. Bei der Beurteilung der Wertsteigerung des SMI in den letzten 31 Jahren müsste man zusätzlich also auch die Dividenden über die lange Zeit mitberücksichtigen.

Nichtsdestotrotz dient die historische Marke von 10’000 Punkten beim SMI als gute Veranschaulichung, was mit einem Geldbetrag über lange Zeit passiert, wenn man diesen in Aktien – in diesem Fall in Schweizer Blue Chips investiert: Aus 1500 Franken wären seit 1988 10’000 Franken geworden, wobei die Dividenden noch dazu gekommen wären.

Das Beispiel ist wichtig für all jene, die für ihr Alter langfristig vorsorgen und in der steuerbegünstigen Säule 3a sparen. Wenn sie ihr Vorsorgegeld einfach auf dem Konto liegen lassen, wird daraus in 30 Jahren nur wenig mehr Geld. Wenn sie es indes in Aktien investieren, vermehrfacht sich der Betrag.

Bei einem Prozent Zins wären in 31 Jahren dank Zins und Zinseszins aus 1500 Franken nur gerade 2042 Franken geworden. Bei einer jährlichen Rendite von 6,3 Prozent wären es hingegen fast 10’000 Franken geworden. Eine solche Durchschnittsrendite auf lange Zeit ist fast nur mit Aktien möglich. Daher rate ich jungen Menschen, ihr 3.-Säule-Geld in günstige Vorsorgefonds mit möglichst hohem Aktienanteil zu investieren.

Der Preis für die höheren Renditechancen – das macht auch die historische Entwicklung des SMI deutlich – sind allerdings dramatische Kursschwankungen und phasenweise auch eigentliche Börsencrashs, wie wir sie 1987, nach der Jahrtausendwende und im Zuge der Finanzkrise 2008/09 erlebten. Die muss man mental aushalten können.

9 Kommentare zu «Lassen Sie sich vom SMI-Hoch nicht blenden»

  • Claude Fontana sagt:

    Die Wellen türmen sich, bis sie brechen.

  • Jürg Wyler sagt:

    Da werden Äpfel mit Birnen verglichen. Die Performance von Aktien in den letzten 31 Jahren im Vergleich zum Zins der auf dem heutigen Stand, der für die Zukunft kalkuliert wird. Es gab auch mal eine Hochzins-Zeit, hatte mal einige Kassen-Obligation mit 7% Zinsen!

    Was auch nicht erwähnt wurde, ist die historisch einmalige Situation, dass die EZB und andere Notenbanken den Markt mit Billionen von Gratisgeld geflutet haben, was natürlich die Indexes aufgeblasen hat. Somit ist der Blick in die Vergangenheit irrelevant. Der Ausblick in die Zukunft ist wie im Kaffeesatz lesen.

  • mario simon sagt:

    Tag 1 der Börsenäquivalenz !
    Oh, haben heute so viele gehofft, vor allem in der EU, das unsere Börsen krachen. Eben nichts ist passiert, wir leben, die Börse lebt und wir lassen uns nicht brechen.

  • Josef Marti sagt:

    In Aktien investiert man nur wenn man das Geld gar nicht braucht, dies wird einem ja so immer wieder eingetrichtert, schliesslich können einem dann die drastischen Schwankungen und Einstürze egal sein. Dies ist aber sehr ungerecht und stossend. Man sollte nur in Aktien investierten dürfen mit einer offiziellen amtlichen Bewilligung der Nachkommen und des Pflegeheims.

  • Peter Rohner sagt:

    @Josef Marti

    Ab 10 Jahren Anlagedauer sind Aktien ziemlich sicher (nicht Einzelaktien, aber Indexfonds oder ETFs). Ideal, um die 3a-Gelder zu parkieren.

    Das Leben ist immer „ungerecht und stossend“. Die Schönen haben gegenüber den Hässlichen Vorteile, die Klugen gegenüber den Dummen, die Gesunden gegenüber den Kranken, die Reichen gegenüber den Armen usw. Schlau ist, wer das beste aus seinem Leben macht. Jammern nützt da nichts.

  • Karl Knapp sagt:

    In den 80ern habe ich CHF 1500 in einem einzigen Abend verbraten, mit netter Begleitung. Die Erinnerung ist viel schöner als jetzt 10000 auf dem Konto. Sage ich offen als alter Geizhals.

    • Wal Honey sagt:

      @Karl Knapp

      Recht haben Sie! Ich gebe heute ein halbes Vermögen aus, um mir nette Stunden mit schönen Frauen zu gönnen. Einfach deshalb, weil ich es mir leisten kann und nicht als reichster Toter auf dem Friedhof landen will.

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