Wie man weitsichtig vom Vermögen leben kann

Das Grundprinzip des Fondsauszahlungsplans ist einfach: Man lässt sich – zum Beispiel jeden Monat oder jedes Vierteljahr – steuerfrei einen festgelegten Betrag auszahlen. Der Rest bleibt investiert. Foto: iStock

Ich habe in den letzten 20 Jahren jeden Monat einen festen Betrag in Fondssparpläne investiert. So hat sich ein ansehnliches Vermögen gebildet. Jetzt habe ich mich frühzeitig pensionieren lassen und will einen Teil dieses Vermögens verzehren. Dazu würde ich mir gerne monatlich etwas auszahlen lassen. Wie kann ich vorgehen? C. J.

Für Ihr Vorhaben empfehle ich Ihnen einen Fondsauszahlungsplan. Einige Banken nennen dieses Produkt auch Fondsentnahmeplan. Auch Versicherungen bieten entsprechende Instrumente an. Das Grundprinzip ist immer das Gleiche: Sie lassen sich von Ihrem in Fonds investierten Vermögen regelmässig – zum Beispiel jeden Monat oder jedes Vierteljahr – steuerfrei einen von Ihnen im Voraus festgelegten Betrag auszahlen.

Dieses Vorgehen hat den grossen Pluspunkt, dass all das Geld, das Sie noch nicht gleich beziehen, weil sie es noch nicht brauchen, weiter investiert bleibt und somit eine Rendite abwirft. Wenn das gleiche Geld einfach auf dem Konto liegen bleiben würde, machen Sie null Rendite oder verlieren unter Berücksichtigung von Gebühren und der Teuerung faktisch sogar Geld. Je nach Art der Fonds, die Sie wählen, können Sie mit dem Fondsauszahlungsplan hingegen auf dem jeweils verbliebenen Geld eine Rendite von vielleicht drei bis fünf Prozent pro Jahr erwirtschaften.

So wie Sie in der Vergangenheit während 20 Jahren für Ihr Ziel gespart haben, können Sie auch den Fondsauszahlungsplan gestalten. Sie können zum Beispiel einen Zeitraum von zehn oder zwanzig Jahre wählen und sich die entsprechenden Beträge auszahlen lassen. Während dieser langen Zeit macht es renditemässig einen grossen Unterschied, ob Ihr Geld weiter investiert ist oder nicht, da der Zinseszinseffekt Ihre Rendite auf die lange Anlagedauer deutlich erhöht.

Der Nachteil ist, dass Sie das Anlagerisiko tragen. Wenn sich während der Anlagedauer die Finanzmärkte negativ entwickeln, laufen Sie Gefahr, dass Sie auf Buchverlusten sitzen und im schlimmsten Fall später zu wenig Geld für Ihren Auszahlungsplan zur Verfügung haben. Darum ist die Wahl der passenden Strategie und der geeigneten Fonds sehr wichtig. Die müssen genau auf Ihr Risikoprofil abgestimmt sein, wobei auch da die Regel gilt: Je mehr Rendite Sie wünschen, desto höher sind Ihre Risiken.

Unterschiede gibt es je nach Bank bei den Gebühren. Hier ist es wichtig, dass Sie die Angebote genau vergleichen. Ich würde ein Angebot wählen, bei dem Sie keine Gebühr für die Ausgabe und Rücknahme der Fondsanteile bezahlen. Ansonsten würden Sie regelmässig Gebühren bezahlen, die Ihr Vermögen belasten.

Auch die Gebühren bei den genutzten Fonds würde ich vor einem Abschluss eines solchen Auszahlungsplanes genau anschauen. Auch da gibt es grosse Unterschiede. Das Preisschild für die Fonds ist die Gesamtkostenkennziffer Total Expense Ratio TER. Je tiefer die ist, desto mehr bleibt bei Ihnen. Generell sind die Gebühren bei passiv verwalteten Fonds oder Exchange Traded Funds deutlich geringer.

Unabhängig davon bezahlen Sie aber weiterhin Depotgebühren. Wenn Sie dank der Fonds aber eine deutlich höhere Rendite auf Ihrem noch nicht beanspruchten Geld erwirtschaften, als wenn es auf dem Konto liegt, geht für Sie die Rechnung dennoch auf.

Auch würde ich darauf achten, dass Sie bei Ihrem Fondsauszahlungsplan flexibel bleiben und die Auszahlungen oder die Dauer zu einem späteren Zeitpunkt auch problemlos anpassen können, falls sich Ihre Bedürfnisse verändern.

9 Kommentare zu «Wie man weitsichtig vom Vermögen leben kann»

  • Hobbyberater sagt:

    Ich würde dazu raten, nicht jeden Monat einen bestimmten Betrag zu entnehmen, sondern eine feste Anzahl Anteile. Dann wissen Sie genau, wie lange der Auszahlplan laufen wird. Diese Vorgehensweise hat zwar den Nachteil, dass es nicht jeden Monat denselben Betrag gibt. Aber es schützt auch davor, dass in Krisenzeiten mehr Anteile zu schlechten Preisen verkauft werden müssen (umgekehrter Cost-Average-Effekt). Ansonsten könnte der Fonds schneller schrumpfen als erwartet.

  • simon hottinger sagt:

    ich würde einen anteil für ein jahr entnehmen und den rest in dividenden starke titel investieren! so kommt jedes jahr etwas dazu und das vermögen bleibt erhalten! es gibt so zwar schwankungen bei den auszahlungen, aber im notfall kann immer noch verkauft werden!

    • Hobbyberater sagt:

      @Simon Göttinger Ich habe eine Verständnisfrage. Wieso bleibt Ihrer Meinung nach das Vermögen erhalten? Auch dividendenstarke Titel erleiden Kursverluste oder können Konkurs gehen.

      • simon hottinger sagt:

        Risiko gibt es immer und ja man kann alles verlieren! Kursschwankungen und Dividenden Schwankungen wird es geben, aber ein Totalverlust eher nicht. mit den Dividendenaktien aus smi und spi ist das eher unwahrscheinlich und wenn doch, dann ist die Welt einer Katastrophe nahe oder ein 3 Weltkrieg!

      • J.Oppliger sagt:

        Sie meinen vielleicht Bankentitel, aber bei einer Nestle Aktie, die dieses Jahr sehr stark gestiegen ist, müssen Sie am wenigsten Angst haben auf lange Frist mit deren jetztigem CEO, weil sie jedes Jahr eine höhere Dividende bezahlt und konsequent auf Erfolg getrimmt wird. Dies ist, bei einer Nullzinspolitik und in Anbetracht von auch in Zukunft kaum mehr gross steigenden Zinsen wegen fast überall sehr hohen Schulden, sehr gut.

      • Hobbyberater sagt:

        @Simon Hottinger (Sorry für die automatische Rechtschreibkorrektur). Ich dachte eher an die Jahre 2008/2009, an Swissair, ABB, Bankaktien usw.

  • Karl K. sagt:

    Herr Spieler ! Dass man das selbst ersparte Vermögen „steuerfrei“ wieder abholen darf, hielt ich bisher für eine Selbstverständlichkeit. Bringen Sie also nicht Ueli Maurer auf dumme Ideen !!!

  • Peter Rohner sagt:

    Mit dem ganzen Geld könnte man auch einen ETF kaufen (z.B. ETF auf MSCI ACWI oder FTSE All World) und dann monatlich 0.5% vom aktuellen Vermögen verkaufen und verbrauchen. Auf diese Weise schwankt zwar der monatlich beziehbare Betrag, dafür reicht aber das Vermögen praktisch ewig (und die Erben bekommen auch noch was).

    • Hobbyberater sagt:

      @ Peter Rohner Das ist ein sehr guter Vorschlag. Durch die breite Streuung und den langen Anlagehorizont sollten sich die Risiken in Grenzen halten. Nur die Buchverluste, die es bei Aktien immer gibt, muss man aushalten können.

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