Warum Alcon jetzt zwingend liefern muss

Im Sinne der Aktionäre: Durch die Abspaltung von Alcon hat Novartis einen klaren Mehrwert geschaffen. Foto: Keystone

Ich besitze 1232 Novartis-Aktien. Mit einem Schreiben der Bank hatte ich 246 Alcon-Aktien eingebucht bekommen. Ist das nun ein Geschenk? Und wie beurteilen Sie die Alcon-Aktien in der Zukunft? C.S.

Nein, ein Geschenk war das nicht, sondern eine reine Abspaltung von Novartis. Der Pharmariese war zum Schluss gekommen, dass sich die Augenheilsparte Alcon als selbstständiges Unternehmen besser entwickeln wird, als wenn es Teil von Novartis geblieben wäre. Deshalb haben alle Novartis-Aktionäre, so wie Sie, am 9. April im Rahmen des Spin-off jeweils für fünf Novartis-Aktien einen Alcon-Titel erhalten.

Aufgrund der hohen Börsenkapitalisierung wurde Alcon gleich von Beginn weg Teil des Swiss Market Index. Nach einem guten Start kam der Kurs zwischenzeitlich unter Druck, weil viele Aktionäre sich von den neu erhaltenen Alcon-Aktien getrennt haben. In der Zwischenzeit hat der Kurs wieder stark angezogen.

Für Sie als Aktionär ist die Rechnung mehr als nur aufgegangen. Mit der Abspaltung der Augensparte Alcon hat Novartis einen Wandel hin zu einem fokussierten Pharmaunternehmen vollzogen und verspricht künftig ein stärkeres Gewinnwachstum. Durch die Abspaltung hat Novartis für die Aktionäre einen Mehrwert geschaffen.

Schwieriger ist die Frage, ob das so bleibt und wie erfolgreich sich Alcon als eigenständiges Unternehmen künftig entwickeln kann. Positiv eingeschätzt werden die Perspektiven von Alcon offensichtlich von den Grossaktionären Blackrock und Capital Group. Der US-Vermögensverwalter Blackrock und der amerikanische Investmentmanager Capital Group haben ihre Alcon-Bestände nicht verkauft und besitzen einen Anteil von 5,37 bzw. 4,69 Prozent an Alcon.

Interessant ist, dass beide Gesellschaften ihre Beteiligung, die sie ebenfalls wie Sie durch die Abspaltung von Alcon aus Novartis erhalten haben, nach der Abspaltung noch weiter aufgestockt haben. Das ist auch für die Privataktionäre wie Sie ein positives Signal. Grössere Pakete an Alcon halten aufgrund der Abspaltung weiter Novartis mit 3,8 Prozent und die Sandoz-Familienstiftung mit 3,3 Prozent.

Der Augenheilkunde-Konzern hat angekündigt, dass er weiter wachsen werde und auch am Schweizer Standort in Genf zusätzliche Arbeitsplätze schaffen werde. Allerdings werden das nicht Forschungsjobs sein, sondern Arbeitsplätze in den Bereichen Treasury Management, Finanzdienstleistungen und im Steuer- und Infrastrukturbereich. Um das Wachstum voranzutreiben, hat Alcon weitere Firmenübernahmen in Aussicht gestellt, nicht zuletzt mit dem Ziel, sich Zugang zu neuen Technologien zu verschaffen.

Bei Novartis war Alcon in der Vergangenheit lange ein Sorgenkind. Es scheint, dass sich die Sparte innerhalb der Novartis-Strukturen tatsächlich nicht richtig entfalten konnte. Kritische Stimmen glauben sogar, dass Alcon von der Novartis-Führung vernachlässigt wurde. Ich traue Alcon durchaus weiteres Wachstum zu. Chancen sehe ich insbesondere in Asien, vor allem in China, und in Lateinamerika.

Im aktuellen Kurs sind meines Erachtens allerdings schon viele positive Wachstumserwartungen drin. Die muss Alcon künftig zuerst noch erfüllen und beweisen, dass man in den nächsten Jahren tatsächlich die Umsätze jedes Jahr im mittleren einstelligen Prozentbereich erhöhen wird. Daher erwarte ich nach dem schönen Anstieg seit der Abspaltung bei den Alcon-Papieren in den nächsten Monaten keine eigentlichen Höhenflüge mehr.

3 Kommentare zu «Warum Alcon jetzt zwingend liefern muss»

  • Kurt Seiler sagt:

    Abgespalten wird immer was nicht mehr ins Konzept passt – heisst zu wenig Rendite abwirft.
    Abgespalten von Novartis wurde auch mal Ciba Spezialitätenchemie.
    … nach zehn Jahren gab es sie nicht mehr.

    • Stefan Schollmeier sagt:

      Alcon als Marktführer im Bereich Augen-Chirurgie (mit riesigen Abstand zur Nr. 2) und Nummer 2 im Bereich Kontaktlinsen, wird sich sicher behaupten. Die Mitarbeiter sind hoch motiviert, da die Abspaltung die von Novartis auferlegten Fesseln löst. (Alcon war innerhalb Novartis benachteiligt.) Der Alcon Konzern steckt gerade in einer Transformation hin zum eigenständigen Unternehmen, was aber auch Vorteile bringt. Jetzt wird einmal alles unter die Lupe genommen und sinnlose Bürokratie abgeschafft.

  • Otto Ingold sagt:

    Ich habe meine gesplitteten Alkon Aktien sofort wieder in Novartis Aktien umgetauscht und glaube so das Richtige getan zu haben.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.