Leidet die Pensionskasse, müssen alle bluten

Worst-Case-Szenario: Im Zuge einer Teilliquidation müssen sich die PK-Versicherten am Defizit beteiligen. Foto: iStock

Welche Nachteile können mir im schlimmsten Fall entstehen, wenn meine Pensionskasse aufgrund einer weiteren Reduktion des Deckungsgrades saniert werden müsste? G.R.

Solange eine mit einer deutlichen Reduktion des Deckungsgrades verbundene Unterdeckung einer Kasse nur vorübergehender Natur ist, muss noch nicht zwingend eine Sanierung angeordnet werden. Denn eine temporäre Unterdeckung einer Vorsorgeeinrichtung ist erlaubt, vorausgesetzt, dass die Pensionskasse ihre laufenden Leistungen erbringen kann.

Wenn das aber nicht mehr gegeben ist, die Unterdeckung länger anhält und der Deckungsgrad unter die Marke von 90 Prozent zurückgeht, sind Massnahmen angezeigt.

Die häufigste Sanierungsmassnahme ist, dass die Verzinsung auf dem überobligatorischen Anteil des Kapitals stark gesenkt oder sogar ganz aufgehoben wird. Im überobligatorischen Teil sind die Kassen bei der Verzinsung frei.

Im Zuge einer Sanierung können die Kassen in zeitlich beschränktem Rahmen auch den für den obligatorischen Teil des Kapitals vorgeschriebenen Mindestzins unterschreiten. Faktisch kann es vorkommen, dass man dann über alles mit einer Nullverzinsung des Geldes konfrontiert ist. Häufig werden bei einer Sanierung einer Kasse aber auch Sanierungsbeiträge von den aktiven Arbeitnehmenden erhoben.

Auch kann eine Kasse anordnen, dass während einer Sanierung Vorbezüge für die Finanzierung von selbst bewohntem Wohneigentum aus der Kasse temporär nicht mehr möglich sind. Weiter wird eine Kasse im Rahmen einer Sanierung mit grösster Wahrscheinlichkeit auch den Umwandlungssatz auf dem überobligatorischen Teil des Kapitals weiter senken, womit die künftigen Renten noch mehr abnehmen würden.

In die Pflicht genommen werden bei einer Kassensanierung nicht nur die Versicherten, sondern auch die Arbeitgeber. Denn die Versicherten dürfen nur maximal für die Hälfte der Beiträge zur Kasse gebeten werden. Privilegiert sind allerdings auch da die Rentnerinnen und Rentner. Sie müssen anders als die Mitarbeitenden in der Regel keine Beiträge an die Sanierung zahlen.

Heikel würde es, wenn es zu einer Teilliquidation einer Kasse mit Unterdeckung käme. Hier gilt gemäss Rechtssprechung, dass sich alle Versicherten gleichermassen am Defizit einer Kasse beteiligen müssen, sobald es zu einer Teilliquidation kommt. In diesem Fall besteht durchaus ein Restrisiko, dass Sie zum Beispiel einen Teil Ihrer freiwilligen Einzahlung in Ihre Kasse in die Unterdeckung verlieren würden.

Im Zuge einer Teilliquidation einer Kasse müssen sich die austretenden Versicherten ebenfalls am Defizit beteiligen, was im schlimmsten Fall dazu führen kann, dass sie einen Teil ihres Guthabens verlieren können.