Nie eine Million auf ein einziges Pferd setzen!

Unbeschwert in die Pension: Bei der Altersvorsorge sollte man kein Klumpenrisiko eingehen. Foto: iStock

Infolge Pensionierung erhalte ich eine Kapitalauszahlung von fast 600’000 Franken. Daneben habe ich noch rund 350’000 Franken Erspartes und eine Hypothek. 290’000 Franken aus der 3. Säule sind im UBS Vitainvest 50 World. Ist es sinnvoll, auch mein ganzes PK-Geld weiter in diesen Fonds zu investieren? J.D.

Der Fonds UBS Vitainvest 50 World hat den Vorteil, dass Sie damit Ihr Geld breit diversifiziert anlegen können. Der Aktienanteil liegt zwischen 43 bis 50 Prozent, wobei Aktien weltweit genutzt werden, was sinnvoll ist. Darüber hinaus fliessen 39 Prozent der Gelder in Anleihen, hauptsächlich in Fremdwährungsanleihen, die mehr Rendite bringen, sowie 11 Prozent in Immobilien und der Rest in liquide Mittel.

Der hohe Aktienanteil verspricht Ihnen auf lange Sicht eine attraktivere Rendite, hat aber zur Konsequenz, dass Sie bei diesem Anlagevehikel mit stärkeren Kursschwankungen rechnen müssen. Phasenweise kann es auch zu erheblichen Buchverlusten kommen.

Der Fonds ist meines Erachtens professionell geführt. Einen Nachteil sehe ich aber in den Kosten: Mit einer Gesamtkostenkennziffer Total Expense Ratio TER von 1,59 Prozent ist der Fonds nicht billig. Die Kennziffer zeigt, dass Sie erst etwas verdienen, wenn der Fonds mehr als 1,6 Prozent Rendite erreicht. Denn diese bleiben bei der Bank, wobei auch noch weitere Bankgebühren wie Depotgebühren usw. zu berücksichtigen wären. Doch das ist auch bei anderen Wertschriften der Fall.

Auch unabhängig von den Kosten würde ich nicht noch weitere Gelder in diesen Fonds investieren. Sie haben ja bereits eine hohe Summe von 290’000 Franken in diesem einen Vehikel parkiert. Damit gehen Sie ein Klumpenrisiko ein. Zwar bietet der Fonds selbst eine breite Diversifikation weltweit und investiert sinnvoll in verschiedene Anlageklassen. Dennoch kann sich auch ein breit diversifizierter Fonds einmal schlecht entwickeln.

Dann würde das voll auf Ihr Vermögen durchschlagen – erst recht, wenn Sie auch noch die rund 600’000 Franken, die Sie aus der Kapitalauszahlung erhalten, ebenfalls in diesen einen Fonds investieren. Faktisch würden Sie fast eine Million Franken in einen einzigen Fonds anlegen. Das halte ich für falsch und riskant.

Stattdessen würde ich bei einer solchen Summe eine Vielzahl verschiedener Wertschriften nutzen. Dann senken Sie Ihr Klumpenrisiko erheblich. Statt nur einen einzigen Fonds zu wählen, würde ich von Ihrer Bank einen Anlagevorschlag für die ganze Summe verlangen.

Dabei können Sie prüfen, ob Sie Ihr Geld von der Bank verwalten lassen wollen, was Sie allerdings auch etwas kostet, oder ob Sie es anhand eines Anlagevorschlags der Bank selbst anlegen und verwalten möchten. Zusätzlich würde ich von zwei weiteren Banken eine Gegenofferte inklusive Gebühren einholen. Dann können Sie vergleichen. Als Basis macht es durchaus Sinn, Anlagefonds zu nutzen.

Allerdings können Sie für verschiedene Anlageklassen auch passiv geführte Indexfonds sowie Exchange Traded Funds einsetzen. Indexfonds und ETFs weisen deutlich tiefere Gebühren aus. Es bleibt somit mehr Rendite bei Ihnen. Indexfonds bekommen Sie von grossen Fondsanbietern wie UBS, Swisscanto und CS sowie einer Vielzahl von ausländischen Fondsfirmen.

Da Sie gemäss Ihrer Beschreibung auf Erträge angewiesen sind, würde ich auch Schweizer Dividendenperlen wie Zürich, Swiss Re, Swiss Life, Helvetia, Swisscom, Nestlé, Roche, Novartis, Adecco oder LafargeHolcim nutzen, die schöne Dividendenrenditen von rund drei bis sechs Prozent ermöglichen. Auch können Sie sich zudem breit diversifizierte Fonds mit internationalen Dividendenperlen offerieren lassen.

Nichts destotrotz werden Sie nicht um einen Vermögensverzehr herumkommen. Diesen Aspekt sollten Sie bei Ihrer Anlagestrategie zwingend berücksichtigen. Zumindest ein Teil Ihres Geldes sollte nur mit einem kurzen Anlagehorizont investiert werden, da Sie dann schrittweise darauf zurückgreifen können müssen.