Die Grossbanken müssen sich strecken

Marktschrei(b)er

Paradeplatz in Zürich: Die Grossbanken UBS und Credit Suisse standen diese Woche im Fokus der Anleger. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Die Schweizer Grossbanken haben diese Woche ihre Zahlen für das erste Quartal geliefert. Diese sind nicht so schlecht wie ursprünglich erwartet, doch keinesfalls rosig. Im Januar hat sich die negative Marktlage des letzten Quartals 2018 fortgesetzt. Kunden halten sich mit Investitionen zurück, die Handelsvolumen sind geringer als noch im guten ersten Quartal 2018. Das drückt auf das Geschäft mit der Vermögensverwaltung und dem Investmentbanking, genau die zwei Bereiche, in denen UBS und Credit Suisse eigentlich stark sind.

Positiv zu werten ist dagegen der starke Zufluss an Neugeld. Das bildet die Basis für zukünftige Er­träge. Positiv stimmt mich auch, dass sich im März die Stimmung an den Märkten spürbar aufgehellt hat, was für das zweite Quartal hoffen lässt. Allerdings müssen sich beide Grossen strecken, um 2019 die angepeilte Eigenkapitalrendite von 10 Prozent zu erreichen. Dieser Wert gilt als Minimum dessen, was als wertschaffend für Banken dieser Grösse und Komplexität angesehen wird. Die Aktien von beiden scheinen zwar nicht teuer, doch um kaufenswert zu sein, müssen die Grossbanken bessere Zahlen präsentieren. Meiden

Trügerische Quartalszahlen

Auch der Lift- und Rolltreppenhersteller Schindler hat diese Woche Quartalszahlen vorgelegt – und dabei die Börsianer enttäuscht. Zwar sind Umsatz und Auftragseingang um rund 5 Prozent gewachsen, was angesichts des flauen Konjunkturumfelds sehr solide anmutet. Doch wurde der Gewinn unter anderem durch höhere Rohmaterial- und Lohnkosten belastet, was zu einem Rückgang der Profitabilität führte – das kam den Investoren in den falschen Hals. Doch ist bei Quartalszahlen immer zu berücksichtigen, dass es sich um Momentaufnahmen handelt, die manchmal den Blick für den wirklichen Ergebnistrend eher verstellen als erhellen.

Ich beobachte Schindler schon lange und stelle fest: Das Unternehmen hat wiederholt seine Klasse bewiesen, es wächst schneller als die allermeisten Industrieunternehmen, und der Gewinnverlauf ist kaum zyklisch. Es gibt in meinen Augen keinen ersichtlichen Grund, dass sich das ändern könnte. Zur Stabilität trägt zudem bei, dass ein sub­stanzieller Teil der Einnahmen aus Serviceleistungen stammt, die auch dann zuverlässig fliessen, wenn die Wirtschaft in eine Rezession gerät. Der Kursrückrückgang ist eine Kaufgelegenheit. Kaufen

Wachstumsziele übertroffen

Der Logistiker Kühne + Nagel konnte den Markt mit seinem Erstquartalsabschluss dagegen positiv überraschen. Die Monate Januar bis März fielen unerwartet stark aus. Ende 2018 hatte das Unternehmen noch unter der globalen Wachstumsverlangsamung und dem Handelsstreit gelitten: Die Warenströme flachten ab, der Dezember fiel unerwartet schwach aus. Im Ausblick gab sich Konzernchef Detlef Trefzger Anfang Jahr nur vorsichtig zuversichtlich. Nun wurden die Wachstumsziele dennoch in drei von vier Segmenten übertroffen.

Beeindruckt hat mich insbesondere das Plus in der Seefracht, wo Kühne + Nagel bereits die Nummer eins ist. Lediglich bei der Luftfracht sanken die Volumen; hier hat das Unternehmen die Zielvorgabe gekappt. Die Anleger reagierten am Donnerstag begeistert, der Aktienkurs legte um 5 Prozent zu. Damit ist die Bewertung nicht länger tief, sondern entspricht ungefähr dem langjährigen Durchschnitt. Ein Kauf drängt sich derzeit nicht auf. Halten

Euphorische Anleger

Die Geschäftsleitung von Valora dürfte erleichtert sein. Der Kioskbetreiber hat am Donnerstag von den SBB den Zuschlag für die Bewirtschaftung aller schweizweit ausgeschriebenen 262 Kiosk- und Convenience-Flächen bis 2030 erhalten. Die SBB-Flächen sind für das Geschäft von Valora entscheidend, machen sie doch rund ein Viertel der Schweizer Retail-Standorte aus. Der Detailhandel Schweiz erzielte 2018 insgesamt einen Umsatz von 1,19 Milliarden Franken. Entsprechend hatte die Unsicherheit infolge der Neuausschreibung zuletzt auf den Aktien gelastet. Wie gross der Druck war, zeigte die Kursreaktion. Die Titel schossen zwischenzeitlich 10 Prozent in die Höhe – bis Gewinnmitnahmen einsetzten.

Zwar werden sich die zusätzlich notwendigen Investitionen zunächst negativ auf die Entwicklung des Gewinns auswirken, mittelfristig ist der Zuschlag aber ein Erfolg. Gemessen an der erwarteten Gewinnentwicklung für 2019, bleiben die Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 attraktiv bewertet. Auch die Dividendenrendite von 4,8 Prozent gefällt mir. Dosiert kaufen

Unsichere Perspektiven

Die Nutzung von sozialen Medien wird in der Regel in MAU gemessen, den Monthly Active Users. Twitter hat diese Messmethode allerdings wenig Glück gebracht. Quartal für Quartal war einzig die Zahl der monatlich aktiven Nutzer im Visier der Anleger. Im Februar hat der Kurzmitteilungsdienst die Erhebungsmethode daher umgestellt auf die mDAU, die Monetizable Daily Active Users, also die Zahl an Nutzern, die für Werbekunden relevant sind und sich zu Geld machen lassen. Und siehe da: Um 11 Prozent auf 134 Millionen sind die mDAU im zweiten Quartal gestiegen. Die Aktien legten deutlich zu.

Mir fehlt aber noch der Beweis, dass aus den Nutzern tatsächlich in ähnlicher Art und Weise Profit geschlagen werden kann wie etwa bei Facebook. Nachdenklich stimmt auch eine Aussage von Chef Jack Dorsey: So soll es – seiner Meinung nach – für die Nutzer interessanter sein, bestimmten Themen zu folgen statt wie bislang ausgewählten Nutzern. Anscheinend fehlt dem Amerikaner noch immer die enge Bindung zur Nutzerschaft. Ein Engagement in den Papieren drängt sich unter dem aktuellen Management nicht auf. Meiden

6 Kommentare zu «Die Grossbanken müssen sich strecken»

  • Nadine Binsberger sagt:

    Die Produkte sind qualitativ so gut, dass sie ökonomisch Schaden anrichten – zumindest in unserem Wachstumszwangs-Kapitalismus. Z.B. Schindler würde gut daran tun, nur noch Einweg-Lifte oder Wegwerf-Rolltreppen anzubieten. Ökologisch zwar nicht optimal, aber es lässt den Umsatz stabilisieren. Danach müssen die Vorzüge eines eigenen privaten Lifts für jede einzelne Wohnung beliebt gemacht werden. Davon würde nicht nur die Liftbranche profitieren, sondern auch die Baubranche. Früher gab es auch nicht in jedem Haushalt eine Waschmaschine oder einen Fernseher oder ein Telefon, aber heute ist das normal.

  • erich schweizer sagt:

    Der Marktschreiber würde besser Aktien vorstellen die sehr tief bewertet sind.
    Bei den Grossbanken ist er wie die meisten Analysten ziemlich falsch gelegen.
    Die grössten Gewinne konnte man dieses Jahr mit CS Aktien machen und die zwei werden natürlich noch viel höher steigen.
    In zwei Jahren werden CS und UBS wohl bei ca 18 – 22 Fr. stehen.
    Momentan müsste man Mobilezone, APG, Dufry, Implenia, Sunrise, Tamedia und auch Zur Rose zum Kauf empfehlen.
    Alle diese Aktien sind unterbewertet und können auch bei fallender Börse stark steigen.
    Auf keinen Fall sollte man momentan die total überbewerteten Aktien aus den USA (Apple, Facebook, Amazon etc) kaufen oder auch einige (zu gut gelaufene) Schweizer Titel wie Nestle, Novartis oder Roche.

    • Silvia Fröhlich sagt:

      „Momentan müsste man Mobilezone, APG, Dufry, Implenia, Sunrise, Tamedia und auch Zur Rose zum Kauf empfehlen“ > weshalb, weil der Aktienkurs einmal höher war (braucht aber einiges bessere Argumente als historische Kurse anzuschauen)?
      Was soll bei APG besser werden (heisst nicht, dass schlecht ist)? Was ist so top an Dufry? Schreibt zur Rose etwa Gewinn (oder eher Abenteuerspekulation bei Kapitalvernichtung in die Zukunft)? Weshalb glauben Sie, dass diese Aktien unterbewertet sind? Worin sehen/entdeckten Sie dort Alpha?

    • Silvia Froehlich sagt:

      APG > Dividendenkürzung, Handelsvolumen Freitag = 471 Stk.
      Sunrise > Kapitalerhöhung
      Implenia (da war doch auch eine sonderbare Schlagzeile)
      Tamedia > Handelsvolumen (Kurs zwischen 80 und 110, völlig normal)
      CS und UBS (tja, ist der DOW hoch so sind diese Institute, ebenso europ. Banken wie BNP, CA, usw., auch etwas höher gehandelt, der grosse Durchbruch nach Oben ist noch nicht ganz ersichtlich, dazu fehlen mehrere, kräftig- erfolgreiche Ergebnisberichte)
      Alles Abenteuer (die Kurse sind nicht umsonst eher etwas abgeschlagen).

    • J.Oppliger sagt:

      Herr Schweizer, Ihre Behauptung mit CS Aktien stimmt nicht. Mit anderen Aktien wie z.Bsp. Lafarge Holcim und Straumann konnte man 2019 bisher grössere Kursgewinne machen. Ihre Erwartung von weit höheren Kursen bei den beiden Grossbanken ist mir schleierhaft. Diese produzieren im Verhältnis zur Grösse nur wenig Gewinn und werden auch bei der mancherorts erwarteten Rezession mit Beginn noch vor 2021 leiden. Dafür sehe ich Nestle weiterhin kaufenswert, weil der neue initiative CEO mit Power die Firma umbaut und die Aussichten jetzt richtig rosig sind. Strategische Verkäufe, gute Zukäufe sowie Aktienrückkäufe peppen die Firma auf und kommen auch den Aktionären zugute wie auch jedes Jahr eine erhöhte Dividende bei kleinstem Risiko langfristig betrachtet im Vergleich zu anderen Sektoren.

  • Tom Schott sagt:

    Das übliche perverse Gejammer von wegen wie schwierig das Umfeld für die Banken sei und wie sehr die Marktsituation auf das Geschäft drücke. Damit kann man dann bestens die nächsten Gebührenerhöhungen und die Streichung des allerletzten Tausendstelprozents Zins auf den Sparkonti begründen! Aber wenn’s dann ums Begründen der Boni geht, heisst’s plötzlich nicht mehr „ungenügende Performance wegen schwierigem Markt“ sondern – oh Wunder! – „erneute rekordhohe Gewinnsteigerung dank göttlichem Management“… In Wirklichkeit schwimmen diese Abzocker im Geld und erzielen für sich selbst 10% Rendite, aber nicht etwa wegen fähiger Firmenführung sondern weil das Geld schlicht und einfach den Sparern „legal“ geklaut wird.

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