Wer soll bei Comet AG die Wende schaffen?

Der frühere Börsenstar taumelt: An der kommenden Generalversammlung hat die umstrittene Besetzung des Verwaltungsrates der Comet AG eine besonders hohe Brisanz.  Foto: Keystone

Als Aktionär von Comet AG soll ich mein Stimmrecht ausüben, habe aber zu wenige Informationen, um mich zu entscheiden. Empfehlen Sie mir, im Sinne des Verwaltungsrates abzustimmen, oder die Anträge von Veraison zu unterstützen? C.K.

Früher war Comet ein Börsenstar. In guten Zeiten erreichte die Aktie einen Höchstkurs von fast 170 Franken. Inzwischen aber notieren die Papiere unter 90 Franken, nachdem der Hersteller von Röntgenmodulen und Vakuumkondensatoren im letzten Jahr einen Gewinneinbruch und tiefere Umsätze verzeichnete. Der Betriebsgewinn hatte sich fast halbiert, und der Reingewinn sank im Vergleich zum Vorjahr auf rund ein Drittel.

Skeptisch sind die Anleger auch, weil eine Wende bei Comet noch nicht sichtbar ist. Genaue Prognosen für das laufende Jahr will das Management keine machen, was bei den Investoren die Befürchtung weckt, dass der Turnaround noch nicht so schnell erfolgt. Immerhin glaubt das Management, dass die eingeleiteten Restrukturierungsmassnahmen greifen.

Comet leidet unter den schwierigen Marktverhältnissen im Halbleitermarkt. Ursprünglich setzte sich die Gruppe bis 2020 noch ein Umsatzziel von 500 Millionen Franken und wollte in diesem Jahr eine Ebitda-Marge von 16 bis 18 Prozent erreichen. Nach der Gewinnwarnung im vergangenen Jahr, welche die Aktie massiv unter Druck brachte, sind diese ambitionierten Ziele in weite Ferne gerückt. In der Division Plasma Control Technologies erwartet Comet im ersten Semester gar einen um 10 bis 20 Prozent tieferen Umsatz im Vergleich zu den Zahlen des zweiten Semesters des letzten Jahres.

Etwas mehr Umsatz bringen sollte 2019 die Division X-Ray Systems und eine Ebitda-Marge von 6 Prozent erreichen. Der Bereich X-Ray Modules soll umsatzmässig in etwa wie im Vorjahr wachsen.

Vor diesem Hintergrund hat an der kommenden Generalversammlung die Besetzung des Verwaltungsrates und insbesondere des Präsidiums hohe Brisanz. Dabei liegen sich der Comet-Verwaltungsrat und die Grossaktionärin Veraison Capital in den Haaren. Veraison Capital ist ein unabhängiger Asset Manager, der über 10 Prozent an Comet hält und regelmässig signifikante Beteiligungen an kleineren und mittleren börsenkotierten Unternehmen erwirbt mit dem Ziel, als aktiver Grossinvestor für alle Aktionäre eine Wertsteigerung zu erwirken.

Anders als der Verwaltungsrat, der Christoph Kutter für das Präsidium portiert, schlägt Veraison die Zuwahl von Heinz Kundert in den VR und seine Wahl als Verwaltungsratspräsident vor. Kutter ist Physiker und Direktor der Fraunhofer-Einrichtung für Mikrosysteme und Festkörper-Technologien EMFT in München und Professor für Polytronische Systeme an der Universität der Bundeswehr München.

Veraison hingegen ist überzeugt, dass es mit Heinz Kundert eher gelingt, das Investorenvertrauen zurückzugewinnen und eine Wertsteigerung zu erzielen. Kundert ist Chef der Rheintaler VAT Group. Hier hat er die Produktion in zwei Jahren fast verdoppelt und eine hohe Marge von über 30 Prozent erreicht. In letzter Zeit musste der Vakuumventile-Hersteller aber im Werk Haag aufgrund von tieferen Auftragseingängen Kurzarbeit einführen.

Dennoch bietet Heinz Kundert aus meiner Sicht Gewähr, dass Comet rascher wieder auf Wachstumskurs gebracht werden kann. Ich würde an der GV auf ihn und die Strategie von Veraison setzen, da diese mehr Druck macht, dass für die Aktionäre eine Wertsteigerung erreicht wird. Eine Garantie dafür haben Sie nicht. Angesichts des eingebrochenen Aktienkurses würde ich mich aber dennoch für eine Strategie entscheiden, die bewusst ambitionierte Ziele setzt und diese zusammen mit dem Grossaktionär Veraison, der in der Vergangenheit etwa bei Goldbach gute Erfolge erzielte, auch zügig umsetzen will.

Als Aktionär sollten Sie sich überlegen, wem Sie es eher zutrauen, dass er eine Wende beim Unternehmen hinkriegt und den Aktionärswert nachhaltig steigert.

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