Öl- und Gasmulti Royal Dutch Shell setzt auf Strom

Royal Dutch Shell: Das Unternehmen sieht den Einstieg in den Strommarkt als Absicherung gegen den lahmenden Ölsektor.             Foto: Andrey Rudakov/Getty Images

Erinnern Sie sich noch an den Werbeslogan des Zürcher Verkehrsverbunds? Auf den S-Bahn-Zügen stand etwa: «Ich bin auch ein Schiff». Ähnliches könnte es bald bei Royal Dutch Shell heissen. «Ich bin auch ein Stromversorger», würde der Slogan dann beim niederländischen Öl- und Gasmulti lauten. Er will nämlich bis ins Jahr 2030 zum grössten Stromkonzern der Welt aufsteigen. Erste Schritte auf dieses Ziel hin hat Shell bereits gemacht: Der Multi stieg in ein Konsortium zum Bau eines Offshore-Windparks vor der Küste der Niederlande ein, kaufte einen ­Solarstromproduzenten in den USA, akquirierte einen Batterie­pakete­hersteller für Haushalte in Deutschland, erwarb eine Firma in Grossbritannien, die Ladestationen für Elektrofahrzeuge bereitstellt, und er kaufte ein britisches Versorgungsunternehmen, das 850 000 Haushalte mit Strom und Gas beliefert. Shell sieht den Einstieg in den Strommarkt als Absicherung gegen den zunehmend lahmenden Ölsektor. Die Aktien sind mit einem Kurs-Gewinn-­Verhältnis für 2019 von 12 günstig ­bewertet und werfen aktuell eine hohe Dividendenrendite von 5,9 Prozent ab. Kaufen

Eine neue Ära beginnt

Ab Dienstag heisst es für Anleger: Bessere Sicht an der Börse. Dann werden die Aktien von Alcon zum ersten Mal gehandelt. Novartis entlässt das Augenheilmittelunternehmen in die Selbstständigkeit, weil der Basler Konzern sich auf das Pharmageschäft konzentrieren will. Zu Recht: Mit dem Einstieg in die Medizinaltechnik hat der damalige CEO Daniel Vasella einen Fehlgriff getan. Der über 50 Milliarden Franken teure Zukauf «war nicht wirklich ein finanzieller Erfolg», musste Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt im März in einem Interview einräumen. Nun beginnt für Alcon eine neue Ära. Ich denke, in der Freiheit wird das Unternehmen frische Kräfte freisetzen – und Marktanteile, die in den vergangenen Jahren verloren gingen, zurückerobern. Werden die Margen wie geplant vergrössert, sollte der Gewinn schön steigen. Doch erfahrungsgemäss dauert es nach einer Abspaltung ein, zwei Jahre, bis die Dynamik einsetzt. Verkaufen würde ich die Alcon-Aktien nicht, aber es braucht Geduld. Halten

Die Bank kommt nicht vom Fleck

Des einen Freud, des anderen Leid. Aufgrund seiner Grösse wird Alcon mit seinem Start an der Börse in den Schweizer Leitindex SMI aufgenommen werden. Die Privatbank Julius Bär fliegt im Gegenzug raus. Per 10. April ist es so weit. Es ist das vorläufige Ende einer schwierigen Zeit für die Zürcher Privatbank. Seit einem Jahr scheint die Bank nicht vom Fleck zu kommen. Kundengelder, die sie anzieht, werden durch schwache Börsen wegerodiert. Dadurch schmilzt die Basis künftiger Gewinne; das heisst: Die Bank ist weniger wert. Ob ein Kostensenkungsprogramm im Umfang von 100 Millionen Franken den gewünschten Erfolg bringt, ist offen. Mit dem Ausschluss aus dem SMI dürften die Titel nochmals unter Druck geraten, da Anleger, die sich an den Leitindex halten, zu Verkäufen gezwungen sind. Erstaunt hat mich deshalb, dass die Titel nach Bekanntgabe des SMI-Ausschlusses an Wert zugelegt haben, 13 Prozent in einer Woche. Angeblich soll die UBS daran interessiert sein. Als Kaufsignal reicht das nicht. Ich würde mir die Aktien erst wieder anschauen, wenn sich die Lage an den Kapitalmärkten verbessert hat und die Börsen steigen. Meiden

Ein paar zusätzliche Muskeln

Ems-Chemie kommt aus dem Fitnessstudio. Obwohl der Besuch keineswegs dringlich war, dachte sich das Management schon vor einem Jahr, ein paar zusätzliche Muskeln könnten angesichts einer sich eintrübenden Wirtschaft nicht schaden. So hat Ems mit den Umsatzzahlen zum ersten Quartal alle Erwartungen übertroffen. Man ging von einem Rückgang aus – wegen der hohen Vergleichsbasis, des schwächeren Wirtschaftsumfelds, der stotternden Automobilindustrie und wegen des erstarkten Frankens durchaus nachvollziehbar. Doch Ems meldete ein organisches Umsatzwachstum von 3 Prozent. Möglich wurde das durch leistungs­fähige Produkte und innovative Anwendungen sowie durch die Marktoffensive in den USA. Aus der Aussage, wonach im Rahmen des Fitnessprogramms 470 Effizienzmassnahmen umgesetzt wurden, «die nun ihre volle Wirkung zeigen», schliesse ich auf anhaltend hohe Margen. Die Signale, die das Unternehmen aussendet, gefallen. Zusammen mit einer für Ems massvollen Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 24 gilt ­daher: Kaufen

Neue Digitaldruckmaschine

Die Aktien von Bobst gehörten letztes Jahr zu den grössten Verlierern an der Schweizer Börse und notieren auch 2019 trotz des Erholungstrends erneut niedriger. Der Kurseinbruch um rund die Hälfte ist verständlich. Das Unternehmen hat zweimal die Gewinnprognosen senken müssen und für letztes Jahr eine Halbierung des Gewinns ausgewiesen, was sich mit der Kurshalbierung der Aktien deckt. Doch: Der Umsatz ist letztes Jahr leicht gestiegen und sollte 2019 gehalten werden können. In der Tat musste Bobst viel Geld aufwenden, um Kinderkrankheiten bei einer neuen Maschinengeneration auszubügeln und einen Produktionsstandort zu restrukturieren. Doch der Kostendruck entstand auch durch einen Investitionsschub. Bobst entwickelt eine neue Digitaldruckmaschine, was einiges kostet, aber noch keinen Ertrag bringt. Dazu wird in China und in den Aufbau eines dichteren Servicenetzes investiert. Die Probleme lassen sich lösen, die Investitionen schaffen Wachstum in der Zukunft. Bobst holt Anlauf zu einem Ergebnissprung in einigen Jahren. Wer da dabei sein will, sollte jetzt handeln: Kaufen

1 Kommentar zu «Öl- und Gasmulti Royal Dutch Shell setzt auf Strom»

  • Maike sagt:

    Timeo Danaos et dona ferentes – ich würde es SHELL gerne abnehmen, das sie jetzt auf Strom umsatteln. Wenn sie wirklich so zukunftsorientiert agieren, während alle anderen nur zögerlich nachkommen, dann wären sie in ein paar Jahren wirklich weit vorne.

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