Soll ich mich vorzeitig pensionieren lassen?

Früher pensionieren, bloss weil der Umwandlungssatz sinkt? Ziemlich sicher ist die Rente höher bei ordentlicher Pensionierung mit 65 – selbst wenn die Kasse den Umwandlungssatz reduziert. Foto: iStock

Ich werde im Sommer 63. Meine Frage ist, ob ich mich mit 64 oder regulär mit 65 pensionieren lassen soll. Ich habe die finanziellen Möglichkeiten, diese eineinhalb Jahre ohne Rente zu finanzieren. Ich frage mich deshalb, weil der Umwandlungssatz Jahr für Jahr gesenkt wird. A.B.

Es ist tatsächlich so, dass die meisten Pensionskassen den Umwandlungssatz bereits gesenkt haben. Zum Teil deutlich. Für den obligatorischen Teil gilt zwar nach wie vor der gesetzlich vorgeschriebene, hohe Umwandlungssatz von 6,8 Prozent, da das Schweizer Stimmvolk ja eine Senkung an der Urne abgelehnt hatte. Für den überobligatorischen Teil des Vorsorgekapitals sind die Pensionskassen indes frei. Sie dürfen auch einen deutlich tieferen Umwandlungssatz anwenden.

Da viele Arbeitnehmer Geld im obligatorischen und überobligatorischen Teil haben, führt das dazu, dass die Pensionskassen beim Umwandlungssatz eine Mischrechnung machen. Der übergreifende Umwandlungssatz, mit dem Ihre Rente berechnet wird, liegt zum Beispiel dann nur noch bei rund 5 Prozent. Das ist erlaubt, solange nachgewiesen werden kann, dass das Geld aus dem obligatorischen Teil immer noch mit einem Umwandlungssatz von 6,8 Prozent umgewandelt wird.

Da der Deckungsgrad vieler Kassen nach dem schwachen Anlagejahr 2018 abgenommen hat, halte ich es für wahrscheinlich, dass einige Kassen den Umwandlungssatz noch mehr senken werden. Gleichzeitig würde es auf dem politischen Parkett eine neue Reform brauchen, welche auch den Umwandlungssatz im obligatorischen Teil reduziert. Ich sehe aber politisch wenige Chancen, dass im obligatorischen Teil eine rasche Senkung Realität wird.

Falls Sie genau wüssten, dass Ihre Kasse den Umwandlungssatz nochmals deutlich reduziert, könnte es Sinn machen, eine um ein Jahr frühere Pensionierung im Detail zu prüfen. Auf Vorrat würde ich aber keine frühere Pensionierung anstreben, nur weil der Umwandlungssatz vielleicht nochmals sinkt. Denn mit der früheren Pensionierung haben Sie bis ans Lebensende eine tiefere Rente sowohl bei der Pensionskasse als auch bei der AHV, wenn Sie diese ebenfalls vorzeitig beziehen. Ich gehe davon aus, dass Sie damit finanziell deutlich schlechter fahren würden. Genau kann ich es natürlich nicht sagen, da ich Ihre Leistungszahlen nicht kenne.

Ich rate Ihnen, erstens die Entwicklung bei Ihrer Pensionskasse genau im Blick zu behalten – insbesondere auch jene des Deckungsgrades. Weiter würde ich direkt mit der Pensionskasse das Gespräch suchen und mit ihr Ihre Überlegungen diskutieren. Die Kasse kann Ihnen genau ausrechnen, wie sich eine um ein Jahr frühere Pensionierung auf Ihre Rente bis ans Lebensende auswirkt.

Auch eine allfällige Senkung des Umwandlungssatzes können Sie dann anhand Ihres Vorsorgeguthabens einfach ausrechnen. Dann sehen Sie die Differenz. Ziemlich sicher ist Ihre Rente höher, wenn Sie sich ordentlich mit 65 pensionieren lassen – selbst wenn die Kasse den Umwandlungssatz nochmals leicht reduziert.