Vermeiden Sie unnötige Extras

Welche Art der Vermögensverwaltung passt im Alter? In der Vorsorge sollte man sich genau bewusst sein, welche Risiken Sie eingehen möchten und welche Dienstleistungen Sie überhaupt brauchen. Foto: iStock

Meine Schwester (60) und ihr Mann (84) haben aus ihrem Hausverkauf ein Vermögen von 800’000 Franken realisiert. Sie müssen von diesem Geld leben und haben keine weiteren, festen Einkünfte, ausser der minimalen AHV-Rente. Von ihrer Hausbank haben sie einen Vorschlag bekommen, der auf drei Säulen beruht: Sparkonto ca. 30 Prozent, Aktien mit Dividendenrendite ca. 40 Prozent, Fonds mit zwei Drittel Immobilien und einem Drittel Aktien ca. 30 Prozent. Die Kosten für dieses UBS Advice betragen 0,8–0,9 Prozent p.a. Das empfinde ich als relativ hoch. Was ist Ihre Meinung? U.B.

Das Bankpaket UBS Advice enthält eine Reihe von Dienstleistungen. Allerdings ist es nicht eine klassische Vermögensverwaltung, bei der man die Verwaltung des eigenen Geldes vollständig an die Bank delegiert. Vielmehr bekommt man von der Bank professionelle Unterstützung bei der Erarbeitung der Anlagestrategie und der Eruierung des eigenen Risikoprofils. Man bleibt aber selbst im Fahrersitz und am Steuer und trifft aufgrund der Beratung selbst die Anlageentscheide.

Ein Pluspunkt ist auch die kontinuierliche Überwachung des Depots durch die Bank. Mit einer Software werden die Risiken laufend überwacht und mit den Risikoeinschätzungen der Bank abgeglichen. Je nach Konstellation wird dem Kunden dann beispielsweise der Verkauf von bestimmten Wertschriften oder der Kauf anderer empfohlen.

In der Pauschalgebühr inbegriffen sind auch die Gebühren für die Wertschriftenkäufe und -verkäufe sowie die Beratung. Dazu Depot- und Kontoführung, die Jahresgebühr von Maestro- und Kreditkarte sowie weitere Dienstleistungen.

Ich frage mich, ob sich dieses Paket für Ihre Schwester und Ihren Mann wirklich lohnt. Sinnvoll ist dieses meines Erachtens nur, wenn man die zahlreichen Dienstleistungen wirklich in Anspruch nimmt. Darum rate ich, diesen Punkt vor einem Abschluss genau zu überprüfen.

Ihrer Beschreibung entnehme ich, dass Ihre Schwester und Ihr Mann stark auf Erträge aus dem Kapital angewiesen sind. Auffallend beim Vorschlag der Bank ist der hohe Aktienanteil. Über den eigentlichen Aktienanteil hinaus enthalten ja auch die Fonds Aktien. Das hat zur Folge, dass bei dem Depot mit starken Kursschwankungen zu rechnen ist. Was das bedeutet, haben die Anleger in den letzten Monaten schmerzlich erfahren.

Ihre Schwester und Ihr Mann benötigen also eine hohe Risikobereitschaft. Wenn dies gegeben ist und sie primär an den Dividenden interessiert sind und trotz starker Turbulenzen wirklich gut schlafen können, sind Aktien mit einer hohen Dividendenrendite sowie Immobilienfonds mit hoher Aussschüttung eine attraktive Ertragsquelle.

Falls sie die Gebühren reduzieren möchten, können sie die Dividendenperlen wie Swiss Re, Zurich, Swiss Life, Nestlé, Novartis, Roche, Adecco, LafargeHolcim, UBS oder Helvetia auch unabhängig von einem Bankpaket selbst erwerben. Da sie nur an der Dividende interessiert sind, wollen sie die Titel ja auch nicht mehr verkaufen, sondern langfristig halten.

Dennoch fallen neben den Kaufgebühren auch Depotgebühren an. Je nach Bank sind diese aber geringer als ein Gesamtpaket. Entscheidend ist aus meiner Sicht allerdings der Risikoaspekt: Ihre Schwester und ihr Mann müssen sich genau bewusst sein, welche Risiken sie eingehen, da ich davon ausgehe, dass wir in den nächsten Monaten an den Börsen weiter starke Turbulenzen erleben.

Unabhängig davon dürften sie kaum darum herum kommen, auch einen Vermögensverzehr vorzunehmen. Darum sollte nicht alles Geld in Wertschriften investiert werden.

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