Zahlen sich die hohen Fondsgebühren aus?

Teurer Raiffeisen-Fonds: Fragt sich, ob die Bank mit einer aktiven Strategie so viel mehr Rendite erzielen kann, dass die Gebühren gegenüber einem passiven Fonds wettgemacht werden können. Foto: Keystone

Raiffeisen schreibt den Kunden, die den Raiffeisen Index Fonds Pension Growth halten, an und informiert sie, dass dieser passiv gemanagte Fonds mit einer TER von 0.8 % p.a. per 1. April in den aktiv gemanagten Fonds Raiffeisen Pension Invest Futura Growth überführt wird, der eine TER von 1.2 % p.a. hat. Welche Alternativen sehen Sie? B.B.

Die Gebühren, die bei einem Fonds mit der Gesamtkostenkennziffer Total Expense Ratio (TER) ausgewiesen werden, sind bei der Wahl eines Fonds nur ein Aspekt. Neben den Gebühren entscheidend ist für Sie die Performance eines Anlagevehikels auf lange Sicht. Es gibt durchaus Argumente, die für einen aktiv gemanagten Fonds sprechen. Eine Garantie, dass dieser besser abschneidet als ein passiv gemanagter Fonds, haben Sie allerdings nicht.

Ob nun ein passiver Ansatz oder ein aktives Management langfristig für Sie als Kundin eine bessere Performance ermöglicht, können wir nicht abschliessend beurteilen. Tatsache ist aber, dass es Gebührenunterschiede gibt. Diese Differenz bei den Gebühren schmälert Ihre Rendite und kann unter Umständen dazu führen, dass Sie auf lange Sicht tatsächlich weniger mit dem Fonds verdienen.

Gerade bei Vorsorgegeldern, die in der Regel sehr lange, oft zehn, zwanzig oder bis zu dreissig Jahre blockiert und investiert bleiben, macht ein jährlicher Renditeunterschied aufgrund des Zinseszinseffektes viel aus. Zahlen sprechen für sich: Bei fixer Anlagesumme von 100’000 Franken haben Sie nach 20 Jahren mit angenommener jährlicher Rendite von 2 Prozent 148’594 Franken auf dem Konto. Bei 2,5 Prozent Rendite pro Jahr wären es aber 163’861 Franken. Auch ein halbes Prozent Renditeunterschied macht auf die Jahre hinaus viel aus.

Die Frage stellt sich somit, ob die Bank mit einer aktiven Strategie so viel mehr Rendite erzielen kann, dass der Gebührennachteil gegenüber einem passiven Fonds wirklich wettgemacht werden kann. Auch die Bank kann Ihnen diese Frage nicht beantworten, schon gar nicht wird Sie Ihnen eine Garantie für eine bessere Performance geben.

Daher bin ich der Auffassung, dass es Sache der Kundinnen und Kunden sein sollte, welche Fonds und Fondsstrategien sie wählen. Sie sollten frei sein und sich entweder für einen passiv geführten Vorsorgefonds oder einen aktiv geführten Fonds entscheiden können – es ist ja auch Ihr Geld.

Leider überlassen einige Banken diese Wahl nicht ihren Kunden – wohl nicht zuletzt darum, weil ein aktiv geführter Fonds der Bank in der Regel mehr Gebühren bringt. Für mich ist es ein Zeichen von Schwäche, wenn ein Institut die Kunden zu einer bestimmten Strategie zu drängen oder sogar zu zwingen versucht.

Wenn Ihnen die Bank keine Wahl lässt und Sie gerne in einen passiv geführten Vorsorgefonds investieren möchten, würde ich die Fondsanteile verkaufen. Sobald das Geld dann auf dem Konto ist, können Sie das 3.-Säule-Konto als Ganzes problemlos zu einer anderen Bank verschieben. Teilbeträge können Sie nicht transferieren, sondern nur das Konto als Ganzes.

Wichtig ist, dass Sie zu einer Bank wechseln, die Ihnen bei den Vorsorgefonds die Wahl lässt, ob Sie ein aktiv oder ein passiv geführtes Vehikel nutzen, und die damit verbundenen Gebühren transparent ausweist.

Mit dem Swisscanto (CH) Vorsorge Fonds 75 Passiv VT CHF bieten beispielsweise viele Kantonalbanken und weitere Institute einen Vorsorgefonds an, der wie Ihr bisheriges Produkt über einen überdurchschnittlich hohen Aktienanteil verfügt, aber aufgrund der passiven Strategie mit einer Gesamtkostenkennziffer TER von 0,42 Prozent vergleichsweise geringe Gebühren verrechnet.

9 Kommentare zu «Zahlen sich die hohen Fondsgebühren aus?»

  • Claude Fontana sagt:

    Einfache antwort? Für die Fonds schon.

  • Fabian Brunner sagt:

    Als nächstes wird dann die Bank beschuldigt, dass der passiv gemanagte Fonds zu wenig performte oder, dass zu wenig informiert wurde über „externe“ passiv und aktiv gemanagte Fonds. Ideal aus meiner Sicht wäre wenn das Geld bei einem „unabhängigen“ Geldhaus investiert ist das keine eigenen Fonds unterhält.

  • VIAC sagt:

    Aufgepasst! Zu diesen Fondskosten der Swisscanto (CH) Vorsorge Fonds kommen noch Depotgebühren und Courtagen bei der Hausbank hinzu. Beispielsweise bei der ZKB sind die 0.3% Depotgebühr plus 0.65% Transaktionskosten.

    Bei VIAC gibt es beim Fokus Global Gesamtkosten von 0.17% bis 0.53% (bei 97% Aktien)!

    • Peter Rohner sagt:

      Ja, VIAC ist eine gute Sache, VZ ebenso. ZKB nicht schlecht. Ich habe insgesamt fünf 3a-Konten bei diesen Instituten und bin sehr zufrieden.

  • Ernst Brändli sagt:

    Den RAIFFEISEN Fond habe ich bereits für den Transfer zur ZKB gekündigt. Leider bieten nur wenige Kanonalbanken diesen sehr empfehlenswerten Swisscanto (CH) Vorsorge Fonds 75 Passiv VT an.

    • Urs Tarnutzer sagt:

      Viel Vergnügen beim Bezahlen der Depotgebühren. Trotz „Swisscanto Holding AG und Tochtergesellschaften sind zu 100 % im Besitz der Zürcher Kantonalbank.“ bezahlen Sie bei der ZKB Depotgebühren, die jederzeit erhöht werden können (durch die AGB gedeckt).
      Noch nie von einer Bank gehört, die für eigene Titel Depotgebühren verlangt.

      • Paul Kellenberger sagt:

        … und verzichten auf die Rückerstattung von Retrozessionen… ebenfalls durch die AGB gedeckt!

Kommentar

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