Gnadenlose Reaktionen auf Gewinnwarnung

Kein Einzelfall: Der Verpackungsmaschinenhersteller Bobst wurde abgestraft, nachdem er einen tieferen Gewinn und eine sinkende Marge kommunizierte. Foto: Keystone

Vor nicht langer Zeit war die Aktie Bobst-Group sehr empfehlenswert, nun ist diese um 50 Prozent abgesackt. Wissen Sie, was mit dieser Firma los ist? H.B.

Der Verpackungsmaschinenhersteller Bobst wurde von den Anlegern massiv abgestraft, weil er für das vergangene Jahr einen tieferen Gewinn und eine sinkende Marge kommunizieren musste. Bobst ist allerdings kein Einzelfall: Auf Gewinnwarnungen reagieren die Investoren derzeit gnadenlos. Der Schock bei den Investoren sitzt tief: Der Gewinn von Bobst ist um mehr als 50 Prozent auf nur noch 50,4 Millionen Franken eingebrochen. Auch der operative Gewinn nahm um rund 30 Prozent ab. Zudem enttäuschte Bobst mit einer gesunkenen Betriebsgewinnmarge von 5,3 Prozent.

Probleme gemacht hat vor allem die Geschäftseinheit Web-fed. Mit diesen Produktreihen hat das Unternehmen bei der Lieferung von Druck- und Verarbeitungsanlagen mit Bahnzufuhr für flexible Materialien und Faltschachteln eine starke Stellung, befindet sich aber in einer Umstrukturierung. Die damit verbundenen Massnahmen führten dazu, dass in dieser Geschäftseinheit ein Betriebsverlust von 37 Millionen anfiel.

Auch höhere Ausgaben für das Vertriebs- und Service-Netzwerk in Wachstumsmärkten und für Qualitäts-Updates für bestehende Produkte waren dafür verantwortlich, dass sich der operative Gewinn im letzten Jahr deutlich schlechter entwickelte. Negativ haben sich auf den Reingewinn schliesslich auch noch schlechte Steuereffekte ausgewirkt.

Positiv im Zahlenset von Bobst ist immerhin, dass der Umsatz um rund sieben Prozent in die Höhe kletterte, wobei die Geschäftseinheit Sheed-fed mit Anlagen für die Faltschachtel- und Wellpappenindustrie besonders stark wächst.

Den Kurseinbruch der Bobst-Aktien verstärkt hat neben den enttäuschenden Gewinnzahlen und der tieferen Dividende, die von 1.50 Franken auf 90 Rappen reduziert wurde, der verhaltene Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr. In diesem Jahr rechnet die Gruppe nämlich nur mit einem im Vergleich zum letzten Jahr gleich bleibenden Umsatz. Auch die Betriebsgewinnmarge für dieses Jahr und 2020 soll mit einer Bandbreite von sechs bis sieben Prozent unter dem Langfristziel von mindestens acht Prozent ausfallen.

Das Management hat mit der Umstrukturierung der Geschäftseinheit Web-fed zwar die Basis für den Turnaround gelegt. Der verhaltene Ausblick lässt aber darauf schliessen, dass die Firmenführung davon ausgeht, dass dieser nicht ganz so schnell gelingt und es Geduld braucht, bis die Transformation Früchte trägt.

Für Sie als Aktionär von Bobst bedeutet das, dass Sie einen langen Atem benötigen. Eine schnelle Kurserholung erachte ich bei Bobst als unrealistisch. Ich traue dem Unternehmen zu, dass es wieder auf die Wachstumsschiene zurückfindet. Bis es so weit ist, dürfte es aber wohl mindestens zwei bis drei Jahre dauern.

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