Neuartiges GPS-System mit viel Potenzial

Futuristisches Start-up What3words: Dieses neuartige Ortungssystem bietet für verschiedenste Verwendungszwecke wie Verkehr, Logistik oder Drohnentechnologie ein grosses Potenzial. Foto: iStock

Seit einiger Zeit verfolge ich das britische Start-up What3words. Ich würde gerne erfahren, ob What3words bereits an der Börse gehandelt wird, oder ob bald ein Börsengang angekündigt wird. J.O.

Das Unternehmen What3words ist meines Wissens bis jetzt nicht an einer Börse kotiert, sondern wird privat von Firmen und Einzelinvestoren gehalten. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass What3words einmal an die Börse kommt.

Das Start-up mit Sitz in London hat ein System entwickelt, mit dem Orte auf der gesamten Erdoberfläche mit einer Genauigkeit von drei mal drei Metern lokalisiert werden können. Es ermöglicht somit eine noch viel genauere Lokalisierung als der uns bekannte satellitengestützte GPS-Standard.

Dabei werden völlig neue Ortungsmerkmale geschaffen. Wir sind uns gewohnt, eine Adresse anhand eines Ortes und der Postleitzahl sowie einer Strasse und der Hausnummer zu definieren und zu suchen. What3words hingegen definiert Adressen mittels einer Kombination von drei Worten – darauf nimmt der Firmennamen Bezug.

Das Unternehmen hat die Erdoberfläche ausser den durch die Meere bedeckte Wasserflächen in drei mal drei Meter messende Quadrate aufgeteilt. Jedes dieser drei mal drei Meter grossen Quadrate hat von What3words eine eigene Dreiwortadresse erhalten. So hat jeder Ort auf der Erde, ausser auf dem Wasser, eine spezifische und damit auch mit der Dreiwortkombination eindeutig zuordenbare Adresse. Neu also auch Orte, die heute keine traditionelle Adresse haben, weil sie nicht an einer Strasse oder in einem Ort liegen.

Auf der Basis dieses weltweiten Adressierungssystems sind 57 Milliarden Felder von drei mal drei Metern entstanden, die je einer einzelnen und damit auch nicht verwechselbaren Dreiwortkombination zugeordnet sind. Ein wichtiger Pluspunkt ist dabei die Tatsache, dass die so festgelegten Adressen problemlos durch Stimmeingabe gefunden werden können.

Dieses neuartige Ortungssystem bietet meines Erachtens für verschiedenste Verwendungszwecke etwa im Verkehr und der Logistik, aber auch in der Drohnentechnologie ein beträchtliches Potenzial. Davon überzeugt sind auch grosse deutsche Konzerne wie die Deutsche Bahn oder der Automobilhersteller Daimler. Die Deutsche Bahn hat sich im Rahmen einer Finanzierungsrunde bereits bei What3words beteiligt. Und auch der Autoriese Daimler hat gemäss eigenen Angaben schon einen Anteil von 10 Prozent an der britischen Firma. Als erster Autohersteller werde Mercedes-Benz das neue Dreiwort-Adress-System in seine Fahrzeuge integrieren.

Da What3words noch nicht an einer Börse gehandelt wird, ist es für Sie als Privatinvestor sehr schwierig, sich an dem Start-up zu beteiligen. Unabhängig davon sind solche Beteiligungen an Start-ups, auch wenn ich dem neuartigen System viel Potenzial zutraue, generell hoch riskant. Eine Garantie, dass ein bestimmtes Modell auch unternehmerisch ein Erfolg wird, hat man nie.

Immerhin könnten Sie sich indirekt beteiligen – nämlich über Aktien von Daimler, die bereits zu den Grossaktionären von What3words gehört.