Riskante Geschäfte um digitale Sicherheit

Hoffnungen in die Sparte Cybersecurity und «Internet der Dinge»: Diese Bereiche sind vielversprechend. Das Unternehmen Kudelski geht davon aus, dass die Sparte im Jahr 2020 profitabel sein wird. Foto: iStock

Im April 2018 empfahl mir mein Berater die Obligation 1,875% Kudelski bis 2022 mit 99.50 zum Kauf. Inzwischen tauchte sie bis auf 70 und hat sich bis heute auf 85 erholt. Nun empfiehlt der Berater sie zum Verkauf. Auch die Kudelski-Aktie wurde massiv abgestraft. Braucht es Geduld, oder raten Sie sogar zu einem Zukauf? H.A.

Ich halte sowohl die 1,875%-Obligation als auch die Aktie von Kudelski für hoch riskant. Das Westschweizer Technologieunternehmen zählt zwar global zu den führenden Anbietern für digitale Sicherheitssysteme und Medienlösungen für die Übermittlung von digitalen Inhalten und baut den Bereich, der sich auf den Schutz gegen Internetattacken und des Internets der Dinge (IoT) bezieht, kontinuierlich aus, was ich für spannend halte.

Als Anleger muss man sich aber bewusst sein, dass Kudelski wohl noch länger im Krisenmodus bleibt. Denn das Unternehmen steckt in einem anspruchsvollen strategischen Umbauprozess, der hohe Kosten verursacht und viel Managementkapazitäten bindet.

Der Bereich Cybersecurity, in den Kudelski viel investiert, ist aus meiner Sicht vielversprechend. Das Unternehmen selbst geht davon aus, dass die Sparte im Jahr 2020 auf bereinigter Ebitda-Stufe profitabel ist. Firmenchef André Kudelski hat wohl zu Recht grosse Hoffnungen in die Sparte Cybersecurity und das Internet der Dinge, das gemäss Kudelski ab 2020 materiellen Umsatz generieren werde. Nach dem Rückgang in den vergangenen Jahren prognostiziert André Kudelski, dass sich das Digitalfernsehen stabilisiert.

Verbunden mit dem strategischen Umbau ist auch ein umfassendes Restrukturierungsprogramm mit dem Ziel, die Kosten weiter zu senken. Auch in diesem Jahr will das Unternehmen die Kosten vermindern und deshalb weitere Standorte in Europa streichen oder verkleinern. Den Fokus auf die Bereiche Cybersecurity und Internet der Dinge zu legen und die geringere Gewichtung des bisherigen Geschäfts mit Verschlüsselungslösungen für den Pay-TV-Markt beinhalten für die Zukunft grosse Chancen.

Darum stufe ich die strategische Neuausrichtung von Kudelski als positiv ein, gebe Ihnen aber zu bedenken, dass Sie keine Garantie haben, dass der Umbau ein Erfolg wird und das Unternehmen in den hoffnungsvollen Geschäftsbereichen Cybersecurity und Internet der Dinge wie gewünscht stark wachsen kann. Die Kernfrage wird sein, ob es der Firma gelingt, die wegbrechenden Erträge aus dem alten traditionellen Verschlüsselungstechnologiegeschäft in genügendem Ausmass durch neue Erträge aus dem Cybersecurity- und IoT-Geschäft zu kompensieren. Eine Garantie dafür haben Sie nicht. Sollte dies nicht möglich sein, könnte es für Kudelski kritisch werden.

Diese Unsicherheit widerspiegelt sich in den tiefen Bewertungen sowohl der 1,875%-Obligation als auch vor allem in jener der Aktien, die zusätzlich unter den starken Kursschwankungen des internationalen Techsektors leiden. Dass Sie in Obligationen und zusätzlich in Aktien von Kudelski investiert haben, halte ich für riskant, da Sie ein Klumpenrisiko eingehen, zumal die Nettoverschuldung in den vergangenen sechs Jahren stark zugenommen hat und die Firma aus meiner Sicht unbedingt Schulden abbauen sollte.

Die Papiere des Techunternehmens sollten Sie nur halten, wenn Sie die mit dem Umbau vorhandenen hohen Risiken tragen können und wollen. Wenn Sie diese Risiken nicht tragen können, würde ich wenigstens einen Teil der Papiere verkaufen.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.