Vorsorge: Wer Zeit hat, setzt auf Aktien

Vorteil Jugend: Je länger der Anlagehorizont ist, desto höher darf grundsätzlich der Aktienanteil sein. Foto: iStock

Unser 30-jähriger Sohn möchte ein Konto 3a eröffnen, um Steuern zu sparen. Wir sind nun gefordert für eine Entscheidungsfindung. Ein normales 3a-Konto, ein 3a-Konto mit Aktienanteil? Wenn ja, mit 45 oder 75 Prozent Aktien? Unser Sohn hat mit Aktien sonst nichts am Hut. Er will sich auf der sicheren Seite bewegen. Was wäre sinnvoll, da es ja ein langer Anlagehorizont ist? M.B.

Es ist sinnvoll, wenn Ihr Sohn eine steuerbegünstigte Säule 3a aufbaut. Einerseits spart er damit Steuern, anderseits – und das ist noch viel wichtiger – stärkt er seine Altersvorsorge. Damit er für sein Alter einen möglichst hohen Nutzen aus dem in der Säule 3a angesparten Geld hat, ist es entscheidend, dass er nicht nur regelmässig spart, sondern auf dem Kapital auch eine vernünftige Rendite erzielt.

Zusätzlich zum Sparen an sich trägt der Zinseszinseffekt über die Jahre hinweg einiges dazu bei, dass man nach der Pensionierung mehr auf der hohen Kante hat. Die konservativste Variante ist, dass Ihr Sohn einfach ein 3.-Säule-Konto bei einer sicheren Bank oder eine 3.-Säule-Police bei einer Versicherung eröffnet und das Geld dort liegen lässt. Weil man aber nur noch bescheidene Zinsen bekommt, verliert man hier nach Abzug der Teuerung über die Jahre hinweg faktisch Geld. Immerhin gleicht die Steuerersparnis die Rechnung wieder mehr als aus.

Mehr Rendite erreicht man hingegen mit Fonds. Hier kann man unter einer Vielzahl von Vorsorgefonds wählen. Je nach Risikofähigkeit kann man einen Vorsorgefonds mit einem kleineren oder grösseren Aktienanteil nutzen. Wenn jemand noch jung ist wie ihr Sohn, empfehle ich einen Vorsorgefonds mit einem hohen Aktienanteil – also durchaus einen Fonds mit einem Aktienanteil von 75 Prozent, wie Sie es in Ihrer Frage ansprechen.

Damit trägt man allerdings ein hohes Anlagerisiko, da man sich bei einem solch hohen Aktienanteil auf starke Kursschwankungen einstellen muss. Bis zur ordentlichen Pensionierung bleiben Ihrem Sohn immerhin 35 Jahre. Wenn das in die Säule 3a investierte Geld über 30 Jahre liegen bleibt, verlieren diese Kursschwankungen deutlich an Bedeutung.

Über die vielen Jahre hinweg hat Ihr Sohn aber die Chance, eindeutig mehr Rendite zu erwirtschaften und so in der gleichen Zeit mehr Geld anzusparen, als wenn er das Geld einfach auf dem Konto oder der Police brach liegen lässt oder das Kapital nur in konservative Vorsorgefonds mit nur sehr wenig Aktien investiert. Je länger der Anlagehorizont ist, desto höher darf grundsätzlich der Aktienanteil sein.

Nun schreiben Sie mir aber, dass Ihr Sohn mit Aktien nichts am Hut hat. Ich habe den Eindruck, dass Sie mehr Risikobereitschaft haben als Ihr Sohn. Doch letztlich muss er sich mit der gewählten Strategie wohlfühlen. Wenn er mit einem hohen Aktienanteil ein schlechtes Gefühl hat, würde ich ihm einen solchen nie aufschwatzen. Es ist sein Geld, und er muss selbst entscheiden, wie viel Risiken er eingehen will. Denn er trägt letztlich auch allein die Risiken.

Ein Kompromiss könnte ein Fonds mit einem Aktienanteil von nur 40 bis 50 Prozent sein oder aber nur die Hälfte des angesparten Geldes in den Vorsorgefonds mit 75 Prozent Aktien zu investieren und den Rest einfach konservativ auf dem Konto liegen zu lassen.

Wichtig sind auch die Gebühren. Diese schmälern die Rendite, was über die Jahre viel ausmacht. Darum würde ich einen passiv gemanagten Vorsorgefonds nutzen, der sich durch geringe Gebühren auszeichnet, wie ihn verschiedene Schweizer Fondsanbieter zur Auswahl haben. Meistens allerdings muss man die Bank danach fragen, ansonsten hat man in der Regel die deutlich teureren Vehikel im Depot.

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