Mit mehr Risiko zu höheren Renditechancen

Da Gelder in der 3. Säule kaum mehr eine Rendite abwerfen, ist es sinnvoll, eine 3.-Säule-Police mit Fonds zu kombinieren. Dank dieser Kombination hat man deutlich höhere Renditechancen. Foto: iStock

Da die 3. Säule praktisch keine Verzinsung mehr aufweist und wahrscheinlich auch nicht in naher Zukunft, habe ich mich nach einer Alternative umgeschaut. Laut der Versicherung Helvetia wäre der Fonds Pictet CH-LPP 40-I dy CHF für meine Tochter (32) eine gute Alternative. Fondsgebunden mit oder ohne konstantem Todesfallkapital, finanziert mit Jahresprämie, Prämienbefreiung bei Erwerbsunfähigkeit. Dauer bis 64. Tönt alles sehr gut. Was meinen Sie dazu? E.H.

Der von Ihrer Versicherung als Ergänzung zur Police empfohlene Anlagefonds Pictet (CH) LPP 40-P dy CHF ist ein typischer Strategiefonds. Er investiert das Kapital breit diversifiziert in verschiedene Anlageklassen, wobei in der Regel 40 Prozent des Kapitals in Aktien fliessen.

Derzeit entfallen rund 35 Prozent des Geldes auf Obligationen in Schweizer Franken, knapp 27 Prozent auf Aktien im Ausland, 18 Prozent auf Obligationen in Fremdwährung, rund 15 Prozent auf Schweizer Aktien, fast 3 Prozent auf Alternative Anlagen und der Rest auf weitere Anklageklassen. Das Währungsrisiko hält sich in Grenzen, zumal fast 74 Prozent des Kapitals in Schweizer Franken parkiert ist. 13 Prozent entfallen auf den US-Dollar und knapp 5 Prozent auf den Euro. Der Rest verteilt sich auf weitere Währungen.

Grösste Positionen bei den Aktien sind die Schweizer Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche. In der Vergangenheit wäre Ihre Tochter mit dem Fonds gut gefahren. Dennoch muss sie sich bewusst sein, dass sie aufgrund des Aktienanteils von 40 Prozent ein erhöhtes Risiko eingeht. Der Fonds unterliegt Kursschwankungen und kann zeitweise auch eine Negativperformance aufweisen. Dennoch halte ich das Risiko angesichts des langen Anlagehorizontes für vertretbar. Auch punkto Gebühren schneidet der Fonds nicht schlecht ab.

Da Gelder in der 3. Säule, wie Sie richtig schreiben, kaum mehr eine Rendite abwerfen, wenn Sie einfach in einer Police parkiert oder auf einem Konto liegen gelassen werden, finde ich es sinnvoll, wenn man eine 3.-Säule-Police mit Fonds kombiniert. Dank dieser Kombination hat man deutlich höhere Renditechancen. Allerdings stelle ich fest, dass sich viele Leute, die sich für diesen Weg entscheiden, zu wenig bewusst sind, dass Sie damit Anlagerisiken eingehen, die sie selbst tragen müssen.

Wenn das Geld nur in der Police parkiert ist und nur mickrige Zinsen abwirft, hat man faktisch kein Anlagerisiko, verliert nach Abzug der Teuerung über die Jahre hinweg aber sogar Geld. Bei einer fondsgebundenen 3.-Säule-Police hingegen hat man mehr Renditepotenzial, ist aber dem Anlagerisiko ausgesetzt. Solange es mit dem Fonds aufwärtsgeht, ist es wunderbar. Wenn es an den Finanzmärkten indes kriselt und die Fondskurse in den Keller gehen, sind manche Inhaber von fondsgebundenen Policen plötzlich stark verunsichert.

Darum empfehle ich solche fondsgebundene Policen nur jenen Anlegern, die verstehen, dass sie ein Anlagerisiko tragen und gut damit umgehen können, ohne dass sie gleich schlaflose Nächte bekommen, wenn es an den Börsen mal turbulent zu und her geht.

3 Kommentare zu «Mit mehr Risiko zu höheren Renditechancen»

  • Hans Meister sagt:

    Es sollte darauf aufmerksam gemacht werden, dass Säule 3a-Versicherungsprodukte grundsätzlich nicht zu empfehlen sind:

    1) Man schliesst unter Umständen einen Vertrag über 40 (!) Jahre ab, und verpflichtet sich somit, jedes Jahr den vereinbarten Betrag einzuzahlen. Ist das mal nicht möglich, drohen ziemliche Verluste.
    2) Die ersten paar Jahresprämien gehen für die Verwaltungskosten drauf.
    3) Eine vorzeitige Kündigung ist nur mit hohen Verlusten möglich.

    Mein Ratschlag: VIAC-Konto eröffnen, Strategie global 80 oder 100 wählen, jedes Jahr einzahlen und mit 64 erstaunt feststellen, dass eine Million da ist. Kostet 5 Minuten und 6828.- pro Jahr.
    Lebensversicherungen können gut separat abgeschlossen werden.

  • Martin Leu sagt:

    Wie bereits gesagt wurde: Vorsorgesparen und Versicherungslösungen (sofern letztere überhaupt nötig sind) sollten immer getrennt werden. Diese von den Versicherungen so gern verkauften Kombinationen sind nur ein Verlustgeschäft für den Kunden.

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