Swatch Group haben derzeit kein Potenzial

Swatch Group muss ihre Produktionsprobleme in den Griff bekommen: Konzernchef Nick Hayek. Foto: Anthony Anex (Keystone)

Regelmässige Leser wissen, dass ich über die vergangenen Monate die Aktien von Swatch Group immer wieder zum Kauf empfohlen habe. Leider haben sich die Erwartungen an das Unternehmen noch nicht erfüllt. Die jüngsten Jahresergebnisse ­fielen – gelinde gesagt – enttäuschend aus. Schuld waren vor allem hausgemachte Schwierig­keiten. Die beiden Marken Longines und Omega kamen wegen ­Kapazitätsengpässen mit der ­Produktion nicht mehr nach. Dazu bekundete der weltgrösste Uhrenhersteller jüngst immer mehr Mühe, die Zeitmesser der Marke Swatch abzusetzen. In den kommenden Monaten wird Swatch Group damit beschäftigt sein, die Produktionsprobleme in den Griff zu bekommen. Bis zu den Halbjahreszahlen im Sommer sehe ich kein Potenzial für gute Neuigkeiten. Langfristig bleiben Swatch Group auf heutigem Kursniveau ein interessantes Investment. ­Bestehende Positionen sollten ­gehalten werden, für Neueinsteiger ist die Zeit noch nicht reif. Meiden

Dentalimplantate im Mund? Lieber nicht. Aber Aktien von Straumann im Portefeuille zu ­haben, hätte sich in den vergangenen Jahren wahrlich gelohnt. Die Papiere des weltgrössten Zahn­implantateanbieters haben sich im Wert vermehrfacht. Die Kurs­delle im zweiten Halbjahr 2018 haben sie fast aufgeholt und notieren nahe Allzeithoch. Zwei Jahre in Folge ist Straumann etwa 20 Prozent gewachsen – aus eigener Kraft. Die Strategie, sich als Komplett­anbieter rund um den künstlichen Zahnersatz zu positionieren, trägt Früchte. Dabei haben weder die Gewinnmarge noch der Eigen­kapitalanteil in der Bilanz gelitten. Grund zur Freude hatten nicht nur die Aktionäre: Straumann hat den Personalbestand in der Schweiz seit Anfang 2014 von 700 auf 1100 ausgedehnt. Die grosse Frage ist natürlich: Kann es so weitergehen? Ich denke, auf absehbare Zeit ja. Das Management hat eine Wachstumsmaschinerie in Gang gesetzt, die noch eine Weile weiterdrehen wird. Zu beachten ist einzig die mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 37 sehr hohe Bewertung. Kaufen

Wer Aktien kauft, kauft das ­Management, heisst es. Das be­herzige ich im Fall Valora. Die ­Aktien des Detailhändlers haben ein Fünftel verloren, seit die SBB im vergangenen Juni ankündigten, Mietverträge für Bahnhofsflächen neu auszuschreiben. Valora läuft Gefahr, einige der betroffenen Standorte an die Konkurrenz zu verlieren. Die Unsicherheit bleibt bestehen, Mitte Jahr soll das ­Resultat der Ausschreibung bekannt werden. Dennoch fällt mein Urteil zu Valora positiv aus – wegen des Managements, das Vertrauen verdient. Es hat seine ­Ziele auch 2018 erfüllt. Die Strategie, die Ausrichtung auf den Ess- und Getränkebereich, ergibt Sinn und wird mit Elan und steten Neuerungen umgesetzt. Das Etikett als Kioskbetreiberin wird dem Unternehmen immer weniger gerecht. Valora stellt meine These auf den Prüfstand, dass es früher oder ­später gut kommt, wenn das ­Management gut ist. Für die Nebenwerte spricht auch, dass sie attraktiv ­bewertet sind. Dazu kommt die stabile Dividende, die seit sieben Jahren auf 12.50 Fr. je Aktie gehalten wird und mit der sich eine hohe Rendite von 4,6 Prozent bietet. Kaufen

Der kriselnde Vermögensverwalter GAM hat diese Woche ebenfalls Geschäftszahlen für 2018 vorgelegt. Nach der Affäre um den im vergangenen Sommer freigestellten Investmentmanager Tim Haywood ist das Geschäft wie bereits erwartet eingebrochen. Die von Haywood betreuten Fonds mit der sogenannten Absolute-Return-Bond-Strategie werden derzeit ­liquidiert. GAM gibt keine Prognose, wann die galoppierende Schwindsucht bei den verwalteten Vermögen gestoppt werden kann. Im Investment Management brach das Volumen um ein Drittel ein, und die Assets standen per Ende Jahr noch bei 56 Milliarden Franken. Nur zur Hälfte ist der Rückgang auf den Skandal und die Liquidation des Absolute-Return-Bond-Investmentvehikels zurückzuführen. Der Abwärtsstrudel hat fast das ganze Unternehmen erfasst. Andere GAM-Produkte verzeichneten ebenfalls einen markanten Nettoabfluss. Dies deutet an, wie schwierig es sein wird, das Vertrauen der Anleger in GAM wiederherzustellen. Die angekündigten Kosteneinsparungen von 40 Millionen stellen 10 Prozent der Gesamtkosten dar. Das wird in meinen Augen nicht reichen, um GAM zu stabilisieren. Meiden

Vergangenen Sommer habe ich an dieser Stelle von Satya Nadella ­geschwärmt. Der ­Microsoft-Chef hat den weltweit grössten Softwarekonzern auf den richtigen Weg gebracht. Die Cloud-Dienste, ausgeführt in Microsoft-­Rechenzentren, die der Kunde über das Internet im Abo lösen kann, bescheren dem Unternehmen planbare Einnahmen. Das ­Geschäft wuchs 2018 von geringerer Basis aus stark. Der Konzern litt zuletzt allerdings unter einem Lieferengpass von Computerchips. Microsoft ist dennoch weiterhin sehr gut positioniert und gehört einem exklusiven Zirkel an: Es ist neben dem Gesundheitskonzern Johnson & Johnson das einzige Unternehmen weltweit, das von der US-Ratingagentur Standard & Poor’s noch ein AAA-Rating erhalten hat, also Makellosigkeit bewahren konnte. Mittelfristig könnte sich ein Kauf der Papiere weiter auszahlen – obschon sich ihr Wert seit Antritt von Nadella vor rund fünf Jahren fast mehr als verdoppelt hat. Dosiert kaufen

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