Nehmen Sie Kursausschläge gelassen

Geduld bringt Rosen: Einen Fonds sollte man nie nur aufgrund der Entwicklung von wenigen Monaten beurteilen, sondern immer einen Anlagehorizont von mehreren Jahren haben. Foto: iStock

Ich habe Anfang des letzten Jahres 56 Anteile Swisscanto (CH) Portfolio Fund I – Select bei der ZKB erworben. Inzwischen frage ich mich, ob es nicht klüger wäre, diese Anteile zu verkaufen. Der Kurs ist im Keller. Mir scheint, dass die Sicherheit vor einem Gewinn in meinem Fall stärker zu gewichten ist. Ich frage mich auch, ob ich die ZKB verlassen sollte, sie scheint eher für grössere Vermögen sinnvoll zu sein. Für eine Anlage von 60’000 Franken ist es nicht leicht, die geeignete Bank zu finden. Wozu raten Sie mir? V. S.

Bei Ihrer Entscheidungsfindung sollten Sie zwei Dinge unterscheiden: die Wahl Ihrer Bank und die Wahl der Produkte, in die Sie letztlich investieren.

Bei der Bankwahl spielen Aspekte wie Sicherheit, Expertise und Betreuung eine grosse Rolle. Punkto Sicherheit gehört Ihre Bank mit einem Triple-A-Rating und einer Staatsgarantie zu den wohl sichersten Instituten überhaupt. Auch punkto Expertise spielt Ihr Institut in der Topliga, legt aber Wert darauf, dennoch alle Kundenschichten ansprechen zu können.

Als klassische Retailbank mit Bodenhaftung bietet die Staatsbank auch für Kleinanleger ein breites Produkteangebot. Offenbar fühlen Sie sich aber falsch beraten. Darum rate ich Ihnen, mit Ihrem Kundenberater das Gespräch zu suchen. Dabei sollten Sie Ihre Vorbehalte offen ansprechen. Sie als Kundin müssen sich gut aufgehoben und verstanden fühlen. Ich empfehle Ihnen, in diesem Kontext Ihre Risikobereitschaft und Risikofähigkeit nochmals im Detail abzuklären.

Ihren Ausführungen entnehme ich, dass Sie in erster Linie Wert auf hohe Sicherheit legen und Mühe mit Kursschwankungen haben. Sicherheit ist Ihnen wichtiger als eine hohe Rendite. Der von Ihnen gehaltene Swisscanto (CH) Portfolio Fund I ist ein klassischer Strategiefonds, der breit diversifiziert in verschiedene Anlageklassen wie Obligationen, Aktien und weitere Anlagen investiert. Derzeit hält der Fonds über die Hälfte des Kapitals in Schweizer Franken und Fremdwährungsobligationen. Diese geben dem Fonds eine hohe Stabilität.

Allerdings ist es im Zuge der Turbulenzen an den Finanzmärkten selbst bei recht sicheren Obligationen auch zu vermehrten Kursschwankungen gekommen. Noch weit stärkere Schwankungen erleben wir indes bei den Aktien. Ihr Fonds investiert rund 12 Prozent des Kapitals in Schweizer Aktien und rund 10 Prozent in ausländische Aktien. Grösste Positionen sind die Schweizer Schwergewichte Novartis, Roche und Nestlé.

Das ergibt strategisch Sinn, da Sie mit Obligationen allein kaum mehr vernünftige Renditen erreichen. Dennoch hat sich der Fonds trotz seiner breiten Diversifikation und seiner eher konservativen Strategie im letzten Jahr negativ entwickelt. Aktien bieten deutlich bessere Renditechancen als Obligationen, sind aber immer auch mit mehr Kursschwankungen verbunden.

Persönlich sehe ich bei diesem Fonds gute Chancen, dass er sich mittelfristig wieder erholt. Eine Garantie dafür haben Sie aber nicht. Wichtig für Sie ist: Einen Fonds sollte man nie nur aufgrund der Entwicklung von wenigen Monaten beurteilen, sondern immer einen Anlagehorizont von mehreren Jahren haben. Bei einem Anlagehorizont von mehreren Jahren spielen kurzfristige Kursausschläge dann keine grosse Rolle mehr.

Wenn Sie aber mit den Kursschwankungen grundsätzlich Mühe haben, würde ich ein Fondsprodukt wählen, das noch konservativer investiert und Kursschwankungen möglichst ausschliesst. Dafür müssen Sie allerdings in Kauf nehmen, dass Sie weniger Rendite erzielen.

2 Kommentare zu «Nehmen Sie Kursausschläge gelassen»

  • Peter Schneider sagt:

    Ich frage mich, was „scheint eher für grössere Vermögen sinnvoll zu sein“ impliziert. Meine Erfahrung mit der hiesigen BL-Kantonalbank sind aber ähnlich: Kundenberatung gibt es ab 500 000 CHF, bessere Geldwechsel-Konditionen für KMU ab 200 000 CHF etc. Diese Banken haben längst den Bezug zum örtlichen Kunden verloren. Mein Fazit lautete, zu einer recht billigen Depot-Bank zu wechseln, bei der Null Beratung durchgeführt wird, und mir günstige ETFs auf z.B. den SMI zu kaufen. Denn eins ist klar: die KBs sind bei den Kosten führend. Ich erhalte mit meiner Taktik einen „durchschnittlichen Erlös“ und fahre höchtwahrscheinlich besser als 50% der Börseninvestoren, die unterhalb des Durchschnitts agieren und deutlich mehr Spesen tragen.

  • Karl Knapp sagt:

    „One dream, one soul, one prize, one goal“ ? Eine Bank muss niemand verlassen wie eine Ehefrau, da darf man sich auch mehrere anlachen und vergleichen. Den Rest hat Hr. Spieler schon beschrieben.

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