Viele Frauen vernachlässigen ihre Altersvorsorge

An alles denken: Frauen vernachlässigen leider oft ihre Altersvorsorge. Das wirkt sich erst recht als Nachteil aus, wenn es zu einer Scheidung kommt. Foto: iStock

Mein Mann hat Beitragslücken bei der Pensionskasse. Ich selbst habe da ordentlich eingezahlt. Als wir uns ein Haus kauften, brauchten wir dafür mein Pensionskassengeld. Mittlerweile haben wir Kinder und ich bin nur noch zu einem kleinen Pensum berufstätig und habe selber auf einem Sparkonto einen schönen Batzen für die Pension auf die Seite gelegt. Sollen wir das Geld in die Pensionskasse meines Mannes einzahlen oder in meine Pensionskasse investieren, wenn ich wieder mehr arbeite? Oder doch besser unsere Hypothek teilamortisieren? N.S.

Ich würde das Geld, das Sie in den letzten Jahren mit Ihrem kleinen Pensum angespart hatten, nicht in die Pensionskasse Ihres Mannes einzahlen. Eine Teilamortisation der Hypothek ist zwar auch sinnvoll, wichtiger erscheint mir aber Ihre eigene Altersvorsorge.

Daher würde ich, so wie Sie es in Ihrer Frage ansprechen, Ihr Arbeitspensum so weit erhöhen, dass Sie mit Ihrem Lohn wieder in die Pensionskasse Ihres Arbeitgebers aufgenommen werden und somit auch Beiträge von Ihrem Arbeitgeber an Ihre Altersvorsorge erhalten.

Da Sie mir schreiben, dass Sie einen Teil Ihres Pensionskassengeldes als Vorbezug für Ihren Hauskauf verwendet hatten, stelle ich fest, dass nicht nur Ihr Mann, sondern auch Sie selbst eine Vorsorgelücke aufweisen. In Ihrem Fall dürfte die Vorsorgelücke noch deutlich grösser sein: Erstens wegen des Vorbezugs des PK-Kapitals für den Hauskauf und zweitens deswegen, weil Sie nur noch in sehr geringem Umfang berufstätig sind und nicht mehr Beiträge an die Pensionskasse leisten konnten.

Ein Vorbezug von PK-Geld hat den Vorteil, dass man sich meist überhaupt Wohneigentum leisten kann. Dies hat aber den Nachteil, dass nicht nur die Altersleistung stark abnimmt, sondern auch die Versicherungsleistung, was ich gerade bei Familien riskant finde.

In einem ersten Schritt könnten Sie je nach Höhe Ihres angesparten Geldes das vorbezogene Geld wieder in Ihre Pensionskasse zurückzahlen. Dadurch würden die Risikoleistungen wie Todesfallkapital und IV-Rente wieder deutlich erhöht. Zudem würden Ihnen die beim Vorbezug bezahlten Steuern ohne Zins zurückbezahlt, wobei Sie dies beim Steueramt beantragen müssten.

Aus meiner Sicht vernachlässigen viele Frauen ihre Altersvorsorge. Das wirkt sich erst recht als Nachteil aus, wenn es zu einer Scheidung kommt. Indem Sie mehr arbeiten und damit auch mehr Lohn zur Verfügung haben, sind Sie finanziell unabhängiger. Wenn Sie erwerbstätig sind, dürfen Sie zudem in die steuerbegünstigte Säule 3a einzahlen, was ich ebenfalls sinnvoll finde.

Natürlich wünsche ich Ihnen auf keinen Fall eine Scheidung. Rein rational sollte man diesen Aspekt bei seiner Finanzplanung aber nie ausblenden. Auch bei einer intakten Ehe sollte man besonders als Frau für eine optimale Altersvorsorge schauen. Gerade auch in guten Ehezeiten sollte man nicht den Fehler machen, seine eigene Altersvorsorge zu vergessen.

Ich empfehle Ihnen, Ihre Situation mit einer Spezialistin oder einem Spezialisten Ihrer Bank oder Versicherung zu prüfen und eine Vorsorgeanalyse erstellen zu lassen. Dann sehen Sie schnell, wo es tatsächlich Lücken gibt, und bekommen Vorschläge, wie Sie diese füllen können.