Best of: So investieren Sie in Ihre Lebensqualität

Unsere Blogger und Bloggerinnen geniessen derzeit die Feiertage. Wir publizieren deshalb diesen Beitrag vom 21. Juni 2018, der besonders viel zu reden gab.

Altersgerechte Wohnung: Ein Kauf macht Sinn – aber nicht nur wegen der Rendite. Foto: Getty Images

Meine Frau und ich sind pensioniert, leben im Einfamilienhaus ohne Hypothek. Wir überlegen uns, ob wir in einer Stadt an zentraler Stelle eine Eigentumswohnung kaufen sollen, sodass wir altersgerechter wohnen können und unser Haus einem unserer Kinder übergeben können. Die Preise für eine solche Eigentumswohnung bewegen sich um 900’000 Franken, was wir mit unseren freien finanziellen Mitteln, die in Exchange Traded Funds, Aktien und Obligationen angelegt und verwaltet werden, bezahlen könnten. Ist es vernünftig, die Hälfte des Vermögens für den Kauf zu verwenden und den Rest über eine Hypothek zu bezahlen? Könnte der Immobilienwert nicht sicherer sein und langfristig besser rentieren als die bisherigen ETFs und Aktienanlagen? L.E.

Ihre Überlegungen machen für mich grundsätzlich Sinn: Aufs Alter hin kann es mühsam werden, in einem oft zu grossen Einfamilienhaus, das meist nicht zentral liegt, zu wohnen. Da ist es vorteilhaft, wenn Sie eine neue Wohnung beziehen könnten, welche zentral liegt und auch altersgerecht ist und beispielsweise einen Lift aufweist und auch problemlos bewohnt werden kann, wenn jemand nicht mehr gut gehfähig ist.

Die von Ihnen genannte Preisvorstellung scheint mir je nach Ort und Lage realistisch. An sich könnten Sie die Wohnung gleich mit Ihren freien Mitteln erwerben. Ich verstehe aber gut, wenn Sie noch Reserven behalten möchten. Dazu würde ich Ihnen auch raten. Wenn Sie oder Ihre Frau beispielsweise im hohen Alter Pflege benötigen, ist es wichtig, genügend liquide Mittel zu besitzen.

Daher erachte ich es als einen guten Weg, wenn Sie nur die Hälfte Ihres Vermögens für eine zentrale Eigentumswohnung einsetzen und den Rest auf der Seite behalten. Diesen Betrag würde ich aber mehrheitlich investiert lassen und nur zum kleinen Teil wirklich liquide halten. Auf Letzterem bekommen Sie ja keine Rendite mehr.

Ein Nachteil ist, dass Sie auf der Hypothek Zins bezahlen müssen. Mit einer lang laufenden Festhypothek könnten sie die nach wie vor tiefen Zinsen anbinden und immerhin dafür sorgen, dass sich die Kosten in Grenzen halten. Im Prinzip könnten Sie eine solche Wohnung auch nur mieten. Die Mietkosten dürften aber höher sein als die Finanzierungskosten und Ihre Nebenkosten.

Üblicherweise ist es allerdings schwierig, im Alter überhaupt noch eine Hypothek von einer Bank zu bekommen. Da Sie aber über einiges Vermögen verfügen und auch sonst beträchtliche Mittel zur Bestreitung ihres Lebensstandards besitzen, dürfte es möglich sein, dass Sie trotz Pensionierung von einer Bank eine Hypothek für die hälftige Finanzierung Ihrer Eigentumswohnung zugesprochen erhalten.

Ansonsten bieten verschiedene kleinere Institute alternative Finanzierungsmodelle speziell für Kundinnen und Kunden im Rentenalter an. Ihre Pläne sollten rein finanziell möglich sein.

Eine ganze andere Frage ist allerdings, wie sich das Vorhaben auf die künftige Entwicklung Ihres Vermögens auswirkt. Wenn Sie heute eine Eigentumswohnung für 900’000 Franken erwerben, können Sie nicht zwingend davon ausgehen, dass der Wert der Immobilie deutlich zunimmt. Die Preise für Eigentumswohnungen sind in den letzten Jahren stark gestiegen und bewegen sich auf einem stolzen Niveau.

Falls die Zinsen irgendwann mal auch bei uns in der Schweiz steigen, kann es gerade bei den Eigentumswohnungspreisen zu einer Korrektur kommen. Ein Crash ist für mich nicht zwingend, dennoch dürften die Preise unter Druck kommen. Einen starken Preisanstieg wie in den letzten Jahren stufe ich bei den Immobiliennotierungen in der nahen Zukunft als unrealistisch ein.

Natürlich haben Sie recht, dass es auch bei Ihren Wertschriften – also den Exchange Traded Funds, Aktien und Obligationen – künftig noch zu weiteren Korrekturen kommen kann. Gleichzeitig bieten Wertschriften langfristig aber immer auch attraktive Renditechancen. Vor diesem Hintergrund halte ich Ihre Strategie für gut, wenn Sie die Hälfte Ihres Geldes für den Immobilienerwerb nutzen, die andere Hälfte aber in Wertschriften behalten.

Welche Anlageklasse sich in Zukunft besser entwickeln wird, weiss ich nicht. Faktisch haben Sie aber punkto Anlageklassen eine zusätzliche Diversifikation vorgenommen. Viel wichtiger als das ist meines Erachtens aber die Tatsache, dass Sie mit dem beabsichtigten Kauf einer altersgerechten Wohnung an zentraler Lage Ihre Lebensqualität aufs Alter hin erhöhen können, was aus meiner Sicht einen besonders hohen Wert darstellt.

1 Kommentar zu «Best of: So investieren Sie in Ihre Lebensqualität»

  • Thomas sagt:

    Ich würde die Eigentumswohnung vollständig aus den freien Mitteln kaufen und das Haus einem der Kinder mit einem grundpfandgesicherten (evtl. zinslosen) Darlehen inkl. Amortisationsplan evtl. weiteren Auflagen abtreten.
    So entziehen sie dem Casinogewerbe das (gegenüber langfristig wertbeständigen Liegenschaften) unsichere Spielgeld, können einem der Kinder den günstigen Erwerb des Hauses ohne Bank ermöglichen, vermeiden späteren Erbknatsch und Ausgleichszahlungen unter den Kinder, sind durch den Amortisationsplan gerüstet für allfällige Pflegeheimkosten und ihre Kinder erhalten bei hrem Ableben ihre Eigentumswohnung anstatt irgendwelche Wert(los)papiere. Bei allem natürlich angemessene Bargeldreserven berücksichtigen.

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