So spüren Anleger das schlechte Börsenjahr

Nicht nur die Zürcher Kantonalbank verzeichnete ein schlechtes Börsenjahr: Alle erlebten 2018 die seltene Konstellation, dass es sowohl bei Aktien als auch bei den Obligationen Buchverluste gab. Foto: Keystone

Seit einigen Jahren lasse ich den grössten Teil meines Vermögens durch die ZKB verwalten. Grundsätzlich bin ich damit zufrieden. Mir ist klar, dass 2018 kein gutes Börsenjahr ist. Ich begreife aber nicht, dass mein Depot per November ein Jahrestief aufweist, obschon der SMI wieder höher notiert. Ist diese negative Entwicklung plausibel? W. B.

Ja. Der Swiss Market Index umfasst lediglich die 20 am grössten kapitalisierten Schweizer Börsenfirmen. Ihr Depot beinhaltet aber weit mehr Aktien aus der Schweiz und dem Ausland und ist auch in andere Anlageklassen wie Anleihen, Immobilien und Rohstoffe breit diversifiziert. Der SMI ist also kein passender Vergleichswert.

Wie ich Ihren Unterlagen entnehme, ist Ihr Depot ausgewogen mit Aktien und Anleihen gewichtet. Der erhöhte Aktienanteil bringt Ihnen in positiven Börsenjahren eine höhere Rendite. In diesem Jahr hingegen schlägt die Negativperformance der meisten internationalen Aktienmärkte voll auf Ihr Depot durch.

Das allein ist aber nicht das Problem. Speziell im Börsenjahr 2018 ist es Tatsache, dass praktisch alle relevanten Anlageklassen eine negative Entwicklung aufweisen. Üblicherweise gibt es keine derart enge Korrelation. Normalerweise entwickeln sich Anleihen eher schwach, wenn die Aktien stark steigen, und umgekehrt positiv, wenn die Aktien sinken.

In diesem Jahr hingegen erleben wir die seltene Konstellation, dass sowohl bei den Aktien als auch bei den Obligationen phasenweise Buchverluste zu verzeichnen waren. Selbst bei vermeintlich sicheren Anleihen, welche die wichtigste Basis für konservativ ausgerichtete Portfolios bilden, ist es zu starken Turbulenzen gekommen. Das hat mit den steigenden Zinsen in den USA sowie den Unsicherheiten rund um das Schuldenland Italien, um den Austritt von Grossbritannien aus der EU und den Handelsstreit zwischen den Supermächten USA und China zu tun.

Auch Immobilien- und Rohstoffanlagen waren in den letzten Monaten unter Druck. Der Ölpreis kam stark zurück. Selbst mit einem breit diversifizierten Depot können Sie sich den negativen Konsequenzen einer solchen historisch seltenen Konstellation kaum entziehen. Die Frage stellt sich dann lediglich, wie gross Ihre Buchverluste sind.

Für Sie als Anleger ist es aus meiner Sicht allerdings weniger wichtig, wie gut ein einzelnes Anlagejahr gelaufen ist. Wesentlich bedeutender sind die Mittel- und die Langfristperformance. Jeder Vermögensverwalter hat mal ein gutes oder mal ein weniger gutes oder sogar schlechtes Jahr. Die Qualität des Vermögensverwalters zeigt sich beim Performancevergleich über mehrere Jahre hinweg, wo ich je nach Anbieter recht grosse Unterschiede feststelle.

Wenn Sie, wie Sie in Ihrer Frage schreiben, mit Ihrem Vermögensverwalter grundsätzlich zufrieden sind und die gewählte Strategie Ihrem Risikoprofil entspricht, sehe ich für Sie keinen Handlungsbedarf. Wenn nur ein einzelnes Jahr nicht gut läuft, sollte man nicht gleich die langfristig ausgerichtete Strategie über den Haufen werfen.

Hellhörig sollten Sie aber werden, wenn alle Konkurrenten auf den Depots eine starke Performance erreichen und nur alleine Ihre Bank nicht. Im laufenden Börsenjahr 2018 ist dies indes nicht der Fall. Relevante Vergleichsindices oder auch Portfolio-Fonds mit vergleichbarer Gewichtung der Risiken und der verschiedenen Anlageklassen kämpfen mit den gleichen Problemen und weisen im aktuell sehr anspruchsvollen Investmentumfeld zu einem grossen Teil negative Entwicklungen aus.

2 Kommentare zu «So spüren Anleger das schlechte Börsenjahr»

  • Hagmann Werner sagt:

    Herr Spieler verschweigt das zentrale Problem: Der staatliche Einfluss durch die Negativzinsen. Dies ist Sozialismus pur. Verschlechtert den Markt, da wegen den Billigkrediten unnötig investiert und faule Unternehmen nicht bankrott gehen. So kann eine Wirtschaft nicht gesunden, sondern es wird weiter abwärtsgegen.

    • Thomas sagt:

      Herr Hagmann, letztlich hat der unregulierte hochgelobte freie Markt des weltweit verantwortungslosen Casinogewerbes den heutigen Zustand verursacht. Aber ich bin mit ihnen einverstanden: Wenn schon Marktwirtschaft, dann richtig – inkl. UBS und alle anderen (europäischen) Zombiebanken verrecken lassen anstatt weiter zu stützen, wie es die die EZB macht.
      Lieber ein Ende mit Schrecken…

Kommentar

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