Freizügigkeitsgeld auf zwei Stiftungen verteilen

Wer clever spart, hat gut Lachen: Durch ein Splitting der Freizügigkeitsgelder lassen sich Steuern sparen, wobei es in der diesbezüglichen Steuerpraxis in den Kantonen erhebliche Unterschiede gibt. Foto: iStock

Ich bin 60 Jahre jung und habe meine Stelle gekündigt. Die nächsten fünf Jahre werde ich meine vier 3.-Säule-Konten Jahr für Jahr auflösen und zusätzlich von meinem Sparkonto leben. Ich beziehe keine Renten. Meine Arbeitgeberin sagt mir, ich müsse das gesamte Kapital an einen Ort überweisen lassen. Stimmt das? R. B.

Nein. Ihren Angaben entnehme ich, dass Sie noch nicht pensioniert sind, sondern lediglich Ihre Arbeitsstelle aufgegeben haben. Im Zuge Ihrer Kündigung müssen Sie auch aus der Pensionskasse Ihrer Arbeitgeberin austreten.

Weil Sie keine neue Stelle antreten und das Kapital somit nicht einer neuen Pensionskasse überweisen können, aber auch das Pensionsalter noch nicht erreicht haben, dürfen Sie das Geld auf ein Freizügigkeitskonto bei einer Bank oder in eine Freizügigkeitspolice bei einer Versicherung transferieren lassen.

Dabei ist es durchaus erlaubt, dass Sie zwei Freizügigkeitskonten führen. Allerdings dürfen sich diese zwei Freizügigkeitskonten nicht bei der gleichen Freizügigkeitsstiftung befinden. Vielmehr muss Ihre Pensionskasse, wenn Sie das so wünschen, das Kapital auf je ein Konto bei zwei verschiedenen Freizügigkeitsstiftungen auszahlen.

Da eine spätere Aufsplittung nicht mehr erlaubt ist, ist es für Sie wichtig, dass das Kapital direkt von Ihrer Pensionskasse an die zwei verschiedenen Freizügigkeitsstiftungen transferiert wird.

Wenn Sie zwei verschiedene Freizügigkeitskonten bei verschiedenen Freizügigkeitsstiftungen führen, hat das den Vorteil, dass Sie die Gelder gestaffelt beziehen können. Damit können Sie Steuern sparen, wobei es in der diesbezüglichen Steuerpraxis in den einzelnen Kantonen erhebliche Unterschiede gibt. Auf jeden Fall sollten Sie das Pensionskassengeld nicht gleichzeitig mit dem Geld aus der steuerbegünstigen Säule 3a beziehen, da Sie sonst deutlich mehr Steuern berappen müssen.

Sie könnten sich auch überlegen, einen Teil des Freizügigkeitsgeldes auf einem Konto bei einer Stiftung einer Bank und den anderen Teil auf einer Freizügigkeitspolice zu parkieren. Bei der Versicherung ist Ihr Geld besser geschützt, und Sie können – falls das nötig ist – zusätzlich Ihr Todesfallrisiko absichern. Allerdings nicht gratis.

Bei der Bank sind im Fall eines Bankkonkurses bei einem Freizügigkeitskonto lediglich maximal 100’000 Franken pro Kunde geschützt. Da man oft deutlich mehr als diesen Betrag auf einem Freizügigkeitskonto hält, sollte man sich genau überlegen, wie sicher die Bank ist, der man sein Freizügigkeitsgeld anvertraut.

Sie sollten der Pensionskasse Ihrer bisherigen Arbeitgeberin nach Ihrem Stellenaustritt klare Anweisungen geben, was Sie mit Ihrem Vorsorgegeld machen muss. Wenn Sie nämlich gar nichts unternehmen, würde die Pensionskasse nach 6 bis 24 Monaten nach Ihrem Austritt bei Ihrer Arbeitgeberin das Vorsorgeguthaben an die Stiftung Auffangeinrichtung, einer Stiftung im Auftrag des Bundes, überweisen, welche das Kapital aber nur tief verzinst.

Hier ist es auch möglich, dass Sie Ihre berufliche Vorsorge fortsetzen, allerdings nur für den obligatorischen Teil. Ausserdem müssen Sie die vollen Beiträge zahlen, also auch den Anteil, der bisher von Ihrer Arbeitgeberin geleistet wurde. Zusätzlich müssen Sie bis zu Ihrer ordentlichen Pensionierung mit 65 AHV-Beiträge einzahlen.

8 Kommentare zu «Freizügigkeitsgeld auf zwei Stiftungen verteilen»

  • Barry Houdini sagt:

    Es würde sich lohnen, in diesem Zusmmenhag die Problematik der AHV Beiträge bei Aufgabe der Arbeitsstelle (zB mit 60) noch etwas näher zu erläutern. Insbesondere dann, wenn man einiges angespart hat und kein Partner erwerbstätig ist.

    • Martin Leu sagt:

      @Barry Houdini
      Das kann teuer werden bis zum maximalen AHV-Beitrag von CHF 23900 pa. Insbesondere zu berücksichtigen ist auch, dass die Steuerwerte von Immobilien in steuergünstigen Kantonen zur Berechnung der AHV-Beiträge u.U. nach oben angepasst werden. Eine Möglichkeit zur Vermeidung sehr hoher Beträge wäre, eine kleine Teilzeit-Tätigkeit anzunehmen, um damit den minimalen AHV-Beitrag zu erreichen.

  • Martin Leu sagt:

    Zu ergänzen wäre noch, dass
    – das Guthaben auf den Freizügigkeitskonten spätestens 5 Jahre nach Erreichen des AHV-Alters bezogen werden muss.
    – die Verzinsung bei der „Stiftung Auffangeinrichtung BVG“ mit aktuell 0.1% mit derjenigen der Banken (0.05-0.15%) durchaus vergleichbar ist. Der BVG-Mind.Zinssatz gilt nur für den obligator. Teil bei PKs, nicht für Freizügigkeitkonten. Für eine bessere Rendite kann das Guthaben (mit entsprechend höherem Risiko) in Wertschriften investiert werden.
    – wie erwähnt, auch ohne Erwerbstätigkeit AHV-Beiträge geschuldet sind (Anmeldung bei der Ausgleichskasse!). Berechnet werden diese aufgrund des versteuerten Einkommens/Vermögens. Der Mind.Beitrag beträgt 478 CHF pa und entfällt, wenn der Ehepartner erwerbstätig ist und mind. 956 CHF pa AHV bezahlt.

  • Rolf Gisin sagt:

    Freizügigkeitskonto und Bankkonkurs: die Freizügigkeitsstiftung ist eine von der Bank unabhängige Rechtseinheit. Wieso muss man sich vor dem Konkurs der sponsoring Bank fürchten? Kann das jemand klären?

  • Benjamin Zibble sagt:

    …wie ausserordentlich wenig Freiheiten und Selbstbestimmung man doch hat. Man muss sich in der Tat fragen warum jedem hier derart viele Hürden und regelrechte Verbote in den Weg gestellt werden. Immerhin ist, in der Theorie das Geld meines… aber bei den vielen Restriktionen am Ende eben genau nicht. Was etwa zu tun wenn man längere Zeit arbeitsunfähig ist, dies vorraussichtlich auch bleibt und nun die PK Gelder nicht mehr nachträglich auftrilen darf. Was blos ist das für eine Groteske einschränkung. Ebenso ist es die Aufteilung von Obligatorium und Überobligatorium den auch dies ist eine rein Willkürliche adminstrative Massnahme welche einen guten Teil der Altersvorsorge zum Freiwild macht. Selber darf man nichts, bekommt nichts aber bei Verlust trägt man das Ausfallrisiko zu 100%.

  • CH Ü60, arbeitslos,ausgesteuert sagt:

    Hätte ich das früher gewusst… wenn ich mein Freizügigkeitsgeld beziehe, bezahle ich in Basel Stadt über Fr.10000 mehr Steuern als in BL, im AG wären es noch weniger! Das bezogene Geld muss ich dann auch noch laufend als Vermögen versteuern, so schmilzt meine Altersvorsorge wie Butter an der Frühlingssonne…. Vom Staat doppelt abgezockt! Wenn ich dann EL beantragen muss,will ich dann auch nichts hören !!!

    • Mark Müller sagt:

      Falls sie mindestens eine normale Lebenserwartung haben, würde versuchen, das Freizügigkeitsgeld in die Stiftung Auffangeinrichtung zu transferieren und dort zu verrenten. Mehr kriegen sie auf keine andere Art.
      Das geht vielleicht sowieso, auf jeden Fall aber, wenn Sie für ein paar wenige Monate behaupten, sie wären selbständigerwerbend und die entsprechende Variante wählen.

  • Jessas Neiau sagt:

    Ich warte auf den Tag, an dem Herr Spieler seinen tausendfach wiederholten Spruch von den „maximal 100’000 Franken pro Kunde“ essen muss. Weil es nämlich eine grosse Bank erwischt hat, wo die als Einlagensicherung verfügbaren 6 Milliarden bei weitem nicht reichen, um jedem mit entsprechendem Guthaben 100’000 Franken auszuzahlen. Hier wird den Leuten ganz bewusst Sand in die Augen gestreut. Es geht nicht um 100’000 Franken – es geht um MAXIMAL 100’000 Franken. das können also genausogut auch bloss 10’000 Franken sein. Oder gar nichts.

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