Logitech ist alleine besser unterwegs

Maus von Logitech: Es ist gut, dass aus dem Deal mit Plantronics nichts wird. Foto: iStock

Plantronics ist ein US-Hersteller von Kopfhörern und Konferenzsystemen – und er stand auf Logitechs Einkaufsliste. Es wäre die grösste Akquisition in der Geschichte des Lausanner Anbieters von Unterhaltungselektronik gewesen. Logitech wäre auf einen Schlag 40 Prozent grösser geworden. 2,2 Milliarden Dollar soll die Logitech-Führung für Plantronics geboten haben – nicht genug, wie es scheint. Aus dem Deal wird also nichts, und das ist gut so. Denn obschon die Plantronics-Produkte das Logitech-Portfolio schön ergänzt hätten, wären die Westschweizer lange damit beschäftigt gewesen, Plantronics zu integrieren und fit zu trimmen. Denn das Wachstumstempo von Logitech kann Plantronics bei weitem nicht mithalten. Die Logitech-Aktien haben seit den Jahreshöchstständen Ende August rund 30 Prozent verloren und sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 bewertet. Logitech braucht Plantronics nicht, die Wachstumsstory funktioniert auch so. Kaufen

Unaufgeregt, erfolgreich

Unter den kotierten Privatbanken in der Schweiz gilt Vontobel als Primus. Seit Jahren betreibt die Zürcher Vermögensverwalterin ein unaufgeregtes, diversifiziertes, erfolgreiches Geschäft. Ertrag, Gewinn und Dividende steigen stetig. Vontobel ist eine rundum solide, gut kapitalisierte Bank in Familienbesitz, die es – anders als viele ihrer Wettbewerber – versteht, das Eigenkapital angemessen zu verzinsen und so effektiven Mehrwert für die Aktionäre zu schaffen. Doch macht das Management unter Chef Zeno Staub und Verwaltungsratspräsident Herbert Scheidt stets klar: Transformative Übernahmen wird es nicht geben. Sprich: Zukäufe werden nie derart gross ausfallen, dass die Vontobel-Kultur Gefahr läuft, dadurch verändert zu werden oder gar zu verschwinden. Die Vontobel-Aktien erreichten diesen Sommer fast ihren Höchststand von vor der Finanzkrise. Billig waren die Titel damals nicht mehr. Doch dank der Marktkorrektur sind die Valoren auf ein angemessenes Niveau zurückgekehrt. Auf lange Sicht kann sich ein Einstieg jetzt lohnen. Kaufen

Kein Grund zur Panik

Der Kurssturz der Ems-Chemie tut weh. Die Aktien notieren rund ein Fünftel unter dem Jahreshoch. Da sich die ohnehin gedämpften Gewinnerwartungen kaum verändert haben, ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis in ähnlichem Masse auf 24 für 2019 gesunken. Meine Hoffnung, dass die hohe Bewertung langsam erodiert und dies dank weiterem Gewinnwachstum ohne Kurseinbusse vonstattengeht, hat sich nicht erfüllt: Die Verunsicherung im Marktumfeld brachte statt Erosion einen veritablen Erdrutsch. Trotzdem mache ich mir um den Anbieter von Speziali­täten im Bereich der Hochleistungspolymere keine Sorgen. Er hat bewiesen, dass er über den ganzen Zyklus hinweg Wert schaffen kann. Zudem stellt er sich schon länger mit Effizienzmassnahmen auf eine Konjunkturabkühlung ein. Ohnehin deutet einiges darauf hin, dass Umsatz und Gewinn weiter steigen werden, beides aber mit stark gedrosseltem Tempo. Weniger Wachstum und mehr Unsicherheit rechtfertigen einen Bewertungsabschlag. Weil sich derzeit aber keine weitere Korrektur abzeichnet und wegen der attraktiven Dividendenpolitik, gilt für die Aktien: Abwarten

Schöne Dividende

Der Versicherer Swiss Life wird alle Finanzziele von 2018 erreichen, meldete das Management am Donnerstag. Noch dieses Jahr wird mit dem Rückkauf eigener Aktien für 1 Milliarde Franken gestartet. Unternehmenschef Patrick Frost hat für den nun folgenden Dreijahreszeitraum bis 2021 ambitionierte neue Ziele gesteckt. Kumuliert soll mindestens 2 Milliarden Franken freier Cashflow erarbeitet werden. Swiss Life konzentriert die Lebensversicherung auf Produkte, die möglichst wenig der Zinsentwicklung ausgesetzt sind. Ausgebaut werden international die Finanzberatungsabteilungen, die auch Policen von Drittanbietern vertreiben und dafür Vermittlungsgebühren kassieren. Da die Kapitalausstattung üppig ist, soll die Mindestausschüttungsquote von 30 auf 50 Prozent des jährlichen Gewinns steigen. Schon für 2017 sind 13.50 Franken Dividende je Aktie oder 46 Prozent des Gewinns ausgezahlt worden. Zum aktuellen Kurs errechnen sich daraus 3,5 Prozent Rendite. Die Aktienstory von Swiss Life bleibt stimmig. Kaufen

Breites Sortiment

Und noch mal Kurssturz: Seit Ende September kennt der Kurs des deutschen Chemie-Distributors Brenntag nur eine Richtung: nach unten – obwohl das Geschäft wenig zyklisch ist. Demgegenüber hat sich an den Gewinnschätzungen wenig geändert. Die Bewertungen sind somit deutlich gesunken. Und vieles spricht dafür, dass der steigende Trend im Geschäft von Brenntag anhält. Grösse und eine globale Aufstellung sind in der zerstückelten Branche grundsätzlich ein Vorteil, und Brenntag hat beides. Als Mittler zwischen Chemieproduzenten und der weiterverarbeitenden Industrie kauft der Konzern grosse Mengen an Industrie- und Spezialchemikalien ein. So kann er Skaleneffekte realisieren und ein breites Sortiment an Produkten und Diensten anbieten. Das Netzwerk umfasst über 530 Standorte in 74 Ländern und wird stetig ausgebaut. In den letzten Jahren kam es aber immer wieder zu Enttäuschungen, und den Investoren scheint der Gedulds­faden gerissen zu sein. Doch von 23 durch Bloomberg erfasste Analysten raten 21, die Titel zu kaufen oder zu halten. Dahinter steht die Zuversicht, dass das Management verstanden hat, in welche Richtung zu arbeiten ist, und dass die schon eingeleiteten Massnahmen greifen werden. Dosiert kaufen

 

1 Kommentar zu «Logitech ist alleine besser unterwegs»

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.