Industrie- und Techaktien im Würgegriff

Sinkflug: An den Aktienmärkten hat momentan alles, was von den Anlegern auch nur annähernd in die Kategorie Industrie oder Technologie eingeordnet werden kann, einen Malus. Foto: Keystone

Ich halte schon über 15 Jahre Schweiter-Aktien und habe bereits manches Hoch und Tief damit erlebt. Mit immer sehr guten Dividenden. Ich halte 64 Stück von ihnen. Nun frage ich mich nach den neusten Kursverlusten, ob es sich wie bei Geberit um ein solides Unternehmen handelt, welches abgestraft wird, weil von den Analysten ein grösserer Gewinn erwartet wurde, oder ob da wirklich der Wurm drinsteckt. Bin etwas ratlos, ein guter Rat von Ihnen wäre überaus wertvoll für mich. P.R.

An den Aktienmärkten hat momentan alles, was von den Anlegern auch nur annähernd in die Kategorie Industrie oder Technologie eingeordnet werden kann, einen Malus. Fast alle Industrietitel wurden in den letzten Monaten an der Börse abgestraft.

Noch schlimmer ergeht es momentan den Technologieaktien, die richtiggehend in Sippenhaft genommen werden und fast nur noch eine Richtung kennen: nach unten.

Ganz überraschend kommt diese deutliche Korrektur allerdings nicht: Lange Zeit ging es bei den Techwerten fast nur nach oben. Genauso wie die Investoren auf dem Weg nach oben zu unbekümmert waren und oft zu hohe Bewertungen einfach ausgeklammert hatten, wird jetzt auf dem Weg nach unten meines Erachtens zu wenig differenziert und übertrieben. Doch das ist an der Börse ein immer wiederkehrendes Phänomen, mit dem man leben muss.

Auch die von Ihnen gehaltenen Schweiter-Aktien leiden unter diesem Malus. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen musste Schweiter bis jetzt keine Gewinnwarnung herausgeben. Damit kann man hoffen, dass die Geschäftsperspektiven weiter intakt sind. Im Zuge der Halbjahreszahlen hatte Schweiter kommuniziert, dass das Management weiterhin ein positives Geschäft erwartet. Im Display- und Architekturgeschäft werde von einer anhaltend stabilen Marktentwicklung und tieferen Rohmaterialpreisen ausgegangen. Und auch im Bereich Kernmaterialien zeichne sich eine solide Nachfrage ab. Zudem könnten verschobene Aufträge im Transportbereich im laufenden zweiten Semester ausgeliefert werden.

Im ersten Halbjahr hatte Schweiter den Umsatz und Betriebsgewinn noch zweistellig gesteigert. Die Verkäufe erhöhten sich um 11 Prozent auf 540,3 Millionen Franken und der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen im gleichen Umfang auf fast 59 Millionen Franken. Dass der Reingewinn tiefer ausfiel, war eine Folge eines Sondereffektes im Vorjahr aufgrund des Verkaufes der Division SSM Textilmaschinen an Rieter, der Schweiter 124 Millionen Franken einbrachte.

Seither hat Schweiter für das Display-Geschäft der Sparte 3A Composites das Acrylglasplattengeschäft von Lucite International sowie die britische Vertriebsgesellschaft Perspex Distribution akquiriert und ist erst kürzlich mit Columbia Forest Products in Ecuador eine Allianz eingegangen. Letztere hat meines Erachtens eine geringere Bedeutung als die beiden Akquisitionen in Grossbritannien. Da muss sich erst noch weisen, ob die Käufe wirklich nachhaltig Zusatzgewinne bringen.

Zwar dürfte auch für Schweiter das Geschäftsumfeld angesichts der vielen konjunkturellen Unsicherheitsfaktoren rauer werden. Dennoch gehe ich davon aus, dass das Unternehmen kurz- und mittelfristig gute Voraussetzungen hat, um sich weiterhin erfolgreich zu behaupten.

Vor diesem Hintergrund würde ich die Schweiter-Aktien behalten, zumal Sie erneut auf eine hohe Dividendenrendite von rund fünf Prozent hoffen dürfen. Jedenfalls gibt es derzeit keine Anhaltspunkte, dass die hohe Dividende gefährdet sein könnte.

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